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Donnerstag, 29. Oktober 2020

Corona-Welle: Und morgen kommt der Weihnachtsmann

 

Nun muss es der Weihnachtsmann richten. Überall war er gestern, nachdem das hochamtliche Corona-Kabinett aus der Beratungsstube - unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen - und zur Tat geschritten war. Man muss jetzt, damit Weihnachten. Sonst Weihnachten. Wenigstens Weihnachten. Bis Weihnachten. Von der Kanzlerin über alle Ministerpräsidenten hielten sich alle sklavisch an das, was der inner circle beschlossen hatte: Der tiefere Sinn des neuen lockdowns, der einen neuerlichen Lockdown verhindern soll, ist es, Weihnachten zu sichern. "Damit wir dann in Familie feiern können", betionte Reiner Haseloff aus Sachsen-Anhalt. Und Armin Laschet bekräftigte: Weihnachten soll wieder möglich sein."

Fröhliche Weihnacht

Man muss ihnen nur ein Wort geben und sie nehmen es.

Weihnachten, das Abendland, die Kerze am Baum. Der Sinn des Lebens, der Preis für alle Entbehrungen. Ein Licht am Horizont in dunklen Tagen, Monaten gar. Der Lohn aller Anstrengungen. Heute den Gürtel enger schnallen. "Wieder Essen abholen, wieder die Hanteln zu Hause stemmen, wieder nur Musik aus der Konserve hören, wieder nachdenken müssen darüber, ob man sich beim Spaziergang zu dritt verdächtig macht" (Die Welt). Und morgen dann kommt der Weihnachtsmann. Wer nicht artig ist, bekommt keine Geschenke! Aber wer mitmacht, der darf sich am Ende des Lockdown-November auf ein Frohes Fest feuen!

Nächtelang hatten Sprachforscher und Worthülsendreher in der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin in den letzten Tagen  zusammengesessen, um die Verkündigung der Notbremsung light in hübsche Worte zu verpacken. In einem Säftchen sollte dem Volk die Teilnahme an der "nationalen Anstrengung" (Angela Merkel) eingeträufelt werden, auf dass die neuen Corona-Regeln nicht unschön auferlegte Pflicht, sondern private Kür werden überall im Corona-Vorzeigeland, das im Februar noch ausgezeichnet vorbereitet und im Juli schon fast siegreich gewesen war im Kampf mit der Pandemie.

Alarmstufe Rot

Ehe dann im September der Eindruck aufkam, weder die Meldewege der Gesundheitsämter zum Robert-Koch-Institut noch deren Personalausstattung und schon gar nicht die superduper Intensivstationen, von denen die Kanzlerin bis heute nicht eine besucht hat, seien heute besser auf irgendetwas seuchenähnliches eingestellt als im Januar. Symbolisch sollten es dann die Masken richten, Alarmstufe Rot in Permanenz, wenn schon sonst nichts. Auffällig sank die Frequenz der Medienberichte über die schrecklichen Zustände in Schweden, Brasilien und den USA. Im Ganzkleingedruckten nur fanden nerds den Hinweis, dass das beste Corona-Regime der Welt sich in der Sieben-Tage-Inzidenz gerade souverän vor bedauernswerte Brasilien des bösen Bolsonaro gesetzt hat.

Nun eben "Wellenbrecher-Lockdown", ein Begriff, den dasselbe Kollektiv von Phrasendreschern und Worthülsenschleifern in der BHF austüftelte, das schon mit "Heißzeit", "Klimanotstand" und "CO2-Steuer",  "Mietpreisbremse", "Konjunkturspritze", "Abwrackprämie" und "Wärmewende" bemerkenswerte Impulse für Regierungshandeln und Oppositionssimulation gleichermaßen gesetzt hatte. Hohe Sprachkunst, die monatelanges Versagen bei sperrangelweit offenen Grenzen und fröhlichem Lockeren genauso umfassend verbirgt wie die komplette Abwesenheit der EU in einem Moment, in dem alle Mitgliedsstaaten zumachen, herunterfahren und auf eigene Faust versuchen, die Lage in den Griff zu bekommen.

Feind Freizeit

Auch der schöne neue Begriff bedeutet allerdings, dass das Leben wieder auf die unerlässlichsten Notwendigkeiten zurückgefahren wird. Da sich Eingriffe in die Wirtschaft verboten und eine Schließung der Schulen und Kindergärten Millionen Eltern auf die Barrikaden gebracht hätte, blieb nur der Freizeitbereich, um "75 Prozent der Kontakte zu verhindern" (Merkel). Ob das glückt, ist unklar, ob es wirkt so sicher wie eine Symbolmaske. Aber irgendwo muss man anfangen. Denn irgendwann kommt ja der Weihnachtsmann. 


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schischa - Bars , Dönerbuden und Hinterhofbordelle bzw Gebetsräume verbreiten den Erreger massiv .

das wissen auch Ämter und Behörden - dennoch wird - eben weil es hübsch gerecht ausschaut die deutsche Gaststättenkultur vernichtet .

Zufälle gibts

Anonym hat gesagt…

Wer gegen die neu beschlossenen Direktiven des Politbüros ist, der ist gegen Weihnachten!! Diese Coronaleugnerschweine wollen Weihnachten kaputtmachen!

Ist aber schön, dass man Weihnachten vor seiner endgültigen Umbenennung in Amadeu-Antonio-Gedenkwoche nochmal aus der Kommode geholt hat.

Jodel hat gesagt…

Unsere örtliche Kneipe links der Straße muss schließen, der Industriebetrieb dessen 3000 Mitarbeiter alle gleichzeitig zur Arbeit erscheinen und munter an der gleichen Werkbank montieren, dürfen selbstverständlich weiterarbeiten.
An der Schule regiert das strengste Hygienekonzept, aber auf dem Weg dahin im ÖPNV herrscht Ringelpietz mit Anfassen. Elterntaxis bleiben aber weiterhin verpönt, weil CO² wohl immer noch einen Tacken gefährlicher ist als Corona. Diese Liste ließe sich ins unendliche fortsetzen.

Für solche fast nutzlosen Gesten ruinieren wir unser ganzes Land. Man ist ja von der besten Regierung aller Zeiten einiges gewöhnt, aber das hätte ich nach den Erfahrungen mit dem ersten Lockdown nicht für möglich gehalten. Aus Angst vor dem Tod freuen sich alle wie Bolle auf den Selbstmord mit Ansage. Der Irrsinn hat die Herrschaft endgültig an sich gerissen. Vielleicht ist es jetzt doch Zeit sich in die innere Immigration zurückzuziehen.

Frohe Weihnachten an alle, denen der Weihnachtsmann die Kündigung oder Insolvenz unter den fair gehandelten Tannenbaum legen wird. Wenn sie da noch nicht dabei sind, können sie sich schon mal auf den Osterhasen freuen.

P.S. Ich empfehle den möglichst baldigen Kauf von Klopapier, Mehl, Hefe, Nudeln und Tomatensoße. Der ganze Schwachsinn geht wieder von vorne los und das Christkind wird an Weihnachten sicher wegen Corona-Verdacht vorsorglich telefonisch zwei Wochen krank geschrieben werden.

Der lachende Mann hat gesagt…

Lieber Jodel, ich lese Ihre Kommentare immer mit Interesse. Bitte vermeiden Sie Formulierungen wie "...ruinieren wir unser ganzes Land...", es sei denn, Sie wollten uns sublim mitteilen, daß Sie an den ruinösen Entscheidungen verantwortlich beteiligt sind.

Anonym hat gesagt…

Schönes Lied, schönes Video, irgendwie zwischen Will Oldham und Thom Yorke, naja als Kritiker muss man halt immer irgendsowas schreiben.

ppq hat gesagt…

aber gut erkannt. sehr treffend

Jodel hat gesagt…

@Der lachende Mann
Das wir beide bei meinem "wir" nicht dabei sind, versteht sich von selbst. Auch können Sie gerne noch das Häuflein Aufrechter abziehen, das keine große Lust verspürt mit den restlichen Lemmingen über die Klippe zu hopsen. Da wir (diesmal passt es) aber nicht die nötige Masse aufbringen den restlichen Haufen auch nur zu bremsen und bei allem mitgerissen werden, finde ich das "wir" (diesmal nicht ganz passend) nicht komplett falsch.
Außerdem wäre die Formulierung "wir, außer uns beiden, ppq und ein paar weiteren Hanseln" ziemlich unhandlich. Hier gilt mitgefangen, mitgehangen. Der Einfachheit bleibe ich daher beim "wir" und wir beide ziehen die uns genehmen Bevölkerungsteile in Gedanken ab. Ich hoffe das diese Lösung auf ihre Zustimmung trifft.