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Freitag, 2. Oktober 2020

Heiko Maas: Die Macht der mahnenden Worte

Nicht nur seiner Partnerin fehlt Heiko Maas, auch die Welt leidet im Augenblick extrem.

Wie erstaunlich war das, wenn Helmut Kohl einen Raum betrat. Der Kanzler füllte mit seinem kleiderschrankartig gebauten Körper jede Ritze, es wurde in eng in Sälen und Kohl Stimme dröhnte auf die wehrlosen Insassen ein. Hans-Dietrich Genscher, damals Außenminister, konnte damit nicht ganz mithalten, er verströmte dafür jede Menge Leutseligkeit. Und Norbert Blüm, lange Kohls Arbeitsminister, verlegte sich auf die Hofnarrenrolle. Mutig sprach der kleine Mann von kurz über dem Fußbodenbelag aus, was alle hören wollten. das war nicht immer richtig, aber Blüm war von der Richtigkeit überzeugt. Und so konnte er auch andere überzeugen, ohne sich jemals untreu werden zu müssen.

Immer in Tagesform

Ein Problem, das auch Heiko Maas nicht hat. Der Genscher-Nachfolger ist immer in Tagesform und stets der Tageswahrheit verpflichtet. Betritt er einen Raum, werden die Mikrophone nach unten gestellt, die Weltbühne verwandelt sich in einen Puppenstube, in der der mächtigstes deutsche Außenminister der Gegenwart in seinem nach einem H&M-Vorbild geschnittenen Maasanzug steht und in der Regel mahnt: Mal Israel, mal Russland, mal die USA, mal Brasilien, mal Ungarn, Polen oder China. Egal, immer ist es ein Machtwort,das aus Berlin in die Welt piepst. Immer müssen sich danach alle anderen Weltpolitiker fragen, wieso sie es nie schaffen, ganze Weltregionen mit ein paar scharfen Sätzen zu befrieden.

Ein Versagen, das in diesen Tagen besonders dramatische Auswirkungen hat. Denn Heiko Maas, die letzte verlässliche Konstante in der globalen Diplomatie, ist auf seiner Welttournee zu den Krisenherden der Erde schließlich doch noch von der Kontaktschuld eingeholt worden, die sich in diesen Tagen bei jedem ansammelt, der das Abstands-A der AHA-Regel nicht konsequent einhält. Maas sitzt in Quarantäne, einsam und allein in seinem Haus in Brandenburg, denn auch Partnerin Natalia Wörner darf nicht zu ihm. 

Ratsuchende Konfliktparteien

Ebensowenig natürlich die ratsuchenden Konfliktparteien aus aller Welt: Kaum hatte Maas seinen vorübergehenden Rückzug von der öffentlichen Bühne verkündet, brachen überall längst stillgelegte Kriege und  Krisen wieder aus. Aserbaidschan versuchte eine Rückeroberung von Berg-Karabach und begab sich damit in einen Waffengang mit Armenien, die Türkei eskalierte kräftig mit, um ihren von Maas befriedeten Gas-Streit mit Griechenland und Zypern vergessen zu machen. Die Vergiftung des russischen Systemkritikers Alexej Nawalny mit dem tödlichsten Nervenkampfstoff der Welt musste Heiko Maas vor der UNO per Videobotschaft  als "Problem für die ganze Staatengemeinschaft" bezeichnen. Und zur glücklichen Rückgabe seiner verlorenen Kreditkarte konnte der Außenminister weder in ARD noch in ZDF persönlich Stellung nehmen.

Ein Problem, gerade im beginnenden Wahlkampf. Heiko Maas, so heißt es im politischen Berlin, gefällt die Arbeit als Außenminister ausnehmend gut, er würde sie gern weitermachen, müsste dazu aber zumindest noch eine Reihe von Krisenherden ablöschen, eine Handvoll Fluchtursachen bekämpfen und ein generelles Verbot der Missachtung von existenziellen Prinzipien internationaler Zusammenarbeit auf globaler Ebene durchsetzen. Obwohl inzwischen feststeht, dass das Todesvirus Maas verschont hat, obwohl über das Schicksal des infizierten Personenschützers bislang kein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen ist, könnte die Zeit knapp werden.

Die Macht der mahnenden Worte

Zwar hat Heiko Maas die Auseinandersetzungen im Transkaukasus bereits als "alarmierend" bezeichnet und beide Konfliktparteien dazu aufgerufen, "sämtliche Kampfhandlungen und insbesondere den Beschuss von Dörfern und Städten umgehend einzustellen", so dass ein Ende der Gefechte nur noch eine Frage von Stunden, Tagen oder Monaten sein wird. Doch den parallel losgebrochenen neuen Scharmützeln in Libyen schaut der deutsche Außenminister bisher wortlos zu, während die UNO seine alten Pressemitteilungen versendet. Auch die letzte Wortmeldung zur Lage in Belorusslanddemfrüherenweißrussland liegt mittlerweile Wochen zurück, ebenso Maas' Mahnung zum unbedingten Festhalten am Mercosur-Abkommen und seine Warnung vor einem harten Brexit mitten in der Corona-Krise.


Kommentare:

Florida Ralf hat gesagt…

ein faszinierender mensch. wie schafft er das alles nur?

Anonym hat gesagt…

Steinmeier war schon nur noch ein Imitator, der eine globale Rolle der deutschen Außenpolitik durch ständige Kommentare zu weit entfernten Konflikten simulierte. Maas hat diese Tradition nahtlos übernommen. Er ist im Amt, weil er keine Gefahr für Merkel ist und bringt die lukrativen Amtsjahre auf der gleichen Schiene herum.

Anonym hat gesagt…

Meinen glückwunsch zum 5. Plaz bei den politischen Blocks.
https://www.tagescast.de/e/top-22-groste-politische-blogs-in-deutschland-alexa-ranking/
Nur die Taz liegt noch dafor, da geht sicher noch was.

Anonym hat gesagt…

Sieht wirklich bei flüchtigem Hinsehen büschen aus wie Aichman.