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Freitag, 20. November 2020

Corona-Tote: Das alte Europa liegt wieder vorn

Überholen ohne Einzuholen: Europa ist im Begriff, die USA auch bei Corona zu überflügeln.
Zwar das erste Land, aber doch nur zweiter Sieger: Wenige Stunden, nach dem der ARD-Faktenfinder bestätigt hatte, dass die Zahl der Corona-Todesopfer in der EU die Schwelle von einer Viertelmillion bereits weit überschritten hat, gelang es der Süddeutschen Zeitung, die Vereinigten Staaten mit ins Boot zu holen. "USA verzeichnen als erstes Land der Welt mehr als 250 000 Tote", rechnete das Blatt vor, nachdem ihm das Überschreiten der Viertelmillion-Schwelle in der Wertegemeinschaft noch ebenso vollkommen entgangen war wie das Überschreiten der 100.000, der 200.000 und der 300.000 Corona-Opfer in EU-Europa.  

Die traurigen Anlässe waren aber auch einfach zu verpassen. So, wie deutsche Gesundheitsämter traditionell am Wochenende verspätet oder gar nicht melden, errechnet die EU-Statistikbehörde Eurostat zwar Inflationsraten, Wachstumszahlen, Impfquoten und die Zahl der Krankenschwestern in der Gemeinschaft. Die Corona-Toten aber werden nur sporadisch zusammengezählt und als Ausmalbilder mit klaffenden Lücken zwischen klaffenden Löchern präsentiert. Nicht einmal das European Centre for Disease Prevention and Control European Centre for Disease Prevention and Control hilft da weiter, denn auch das zählt die europäischen Staaten einzeln, gar nicht oder nicht getrennt nach EU und Nicht-EU-Staaten.

Zu traurig wäre auch regelmäßige Nachrichten darüber, dass es ausgerechnet in EU-Europa viel schlechter läuft mit Corona als in den USA. Dort drüben, das war im Verlauf der crisis recht früh ein- für allemal festgelegt worden, ging die Welt unter. Glück für jeden, der nicht dort ist, sondern hier.

Ohne konkrete Zahlen sieht es zumindest medial besser aus, obwohl doch die meisten der bisher 267.394 oder auch 348.126 europäischen Todesopfer - je nachdem, wen man fragt - aus Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien, Belgien und Deutschland stammten, den hochentwickelten Kernstaaten der EU, die es bisher geradezu meisterhaft verstanden hat, der großen Pandemie mit entschiedenen Gemeinschaftsmaßnahmen und unverzagtem Kollektivgeist zu begegnen. Zumindest verglichen mit den Vereinigten Staaten, deren Präsident die Seuche lange verharmloste, grundlos Grenzen schloss und heute versucht, von seinem Versagen abzulenken.

Das "alte Europa", wie es der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Jahr 2003 nannte, spielt seine Vorzüge aus. Obwohl die USA mit 11,5 Millionen Infizierten deutlich mehr Corona-Ansteckungen als die EU-Staaten zählen, die nur auf etwas mehr als zehn Millionen infizierte Personen kommen, wird unterm gelben Sternenkranz auf blauem Grund deutlich häufiger gestorben als auf der anderen Seite des großen Teiches.

Nicht einmal das bekanntermaßen unzureichende und ungerechte Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten vermag offenbar zu verhindern, dass in Europa jeder 28. Corona-Infizierte stirbt, in den USA aber nur jeder 46. Selbst dort, wo der jüngst zurückeroberte Spitzenplatz der EU bei den Neuinfektionen zaghaft besungen wird, wird diese Frage säuberlich ausgespart. Viel lieber als der Übersterblichkeit der europäischen Infizierten zu fragen, feiert die "Tagesschau" die 250.000 Toten in Übersee.

Die Anzahl der EU-Toten hat in der Hauptnachrichtensendung des ersten Gemeinsinnsenders in den neun seit März noch nie eine Rolle gespielt.


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

"Corona-Tote" Was soll das sein?