Dienstag, 8. Dezember 2020

In der Fake-News-Fabrik: Grüner Tee gegen Corona

Wenn die Fakenewsmaschine heißläuft, verwandelt sich ein "könnten" schnell in ein hoffnungsfrohes "können".

Geht Butter, geht Käse, und bei Corona geht meistens alles, was Quote verspricht.  Kommen aber erst Grüner Tee und schwarze Schokolade ins Spiel, hat Corona fast schon ausgespielt. Dann dreht die Fake-News-Maschine auf, dann gebiert die Jagd nach billigen Klicks eine Nachrichtenwelle, die binnen Stunden wie ein Flächenbrand durchs Land jagt. 

Überall plötzlich grüner Tee, überall dunkle Schokolade. "Sind grüner Tee und dunkle Schokolade wirksam gegen Corona?", fragt es hier noch vorsichtig, "Warum grüner Tee und Schokolade bei Covid-19 helfen sollen", sagt es dort schon ein bisschen zuversichtlicher. "Neue Studie entdeckt: Dunkle Schokolade und grüner Tee können gegen Corona helfen", geht es bei einer dritten Quelle voll zur Sache. Und bei einer vierten ist es dann amtlich: "Dunkle Schokolade und grüner Tee können gegen Corona helfen", heißt es da.

Superspreader von Alternativfakten

Ein Besuch in der Fake-News-Fabrik zeigt die Mechanismen der Falschnachrichtenherstellung, mit denen die Superspreader von  alternativen Fakten Quote machen: Forscher der North Carolina University untersuchen "Lebensmittel mit entzündungshemmender und antioxidanter Wirkung". Und finden eine Art Stein der Weisen zumindest für Online-Überschriften: Eine "Schwachstelle des Virus" hilft "Stoffen, die in grünem Tee und dunkler Schokolade enthalten sind, Enzyme zu blockieren, die das Virus braucht, um sich vervielfältigen zu können".

Nicht ganz so, selbstverständlich, denn  nur in Computersimulationen und im Reagenzglas seien "Extrakte aus Grünem Tee und Muscadine-Trauben sehr erfolgreich" gewesen im Kampf gegen das Virus. Und auch nur in der Simulation und im Reagenzglas führten "Extrakte aus dunkler Schokolade zu positiven Ergebnissen". Aber mit viel stiller Post und einem hohen Maß an Entschlossenheit, aus einem "könnten" ein "können" und aus diesem "können" wird ein "haben" zu machen, verwandelt sich der ungewisse Konjunktiv in ein einen Schluck Trost aus der Teekanne.

Trost aus der Teekanne

Natürliche Inhaltsstoffe von einigen Lebensmitteln haben eine hohe Wirksamkeit gegen das Virus und können dieses sogar hemmen", lautet die Mitteilung dann, und noch besser: "Manche dieser Produkte sind bereits in zahlreichen Haushalten und auf der wöchentlichen Einkaufsliste zu finden". Im Handumdrehen sind "die Ergebnisse der neuen Studie vielversprechend", denn nun ist es schon der " Genuss von grünem Tee, dunkler Schokolade, Kakaopulver und dunklen Weintrauben", der "tatsächlich besonders wirksam gegen das Virus sein und die weitere Ausbreitung eindämmen kann".

Ein Laborexperiment, freigelassen in einer Presselandschaft, die sich zu inzwischen mehr als 50 Prozent aus den Laboraten der Bundesnachrichtenfabrik DPA speist, verwandelt das "könnten" aus der Ursprungsmeldung, das "Fachleute" nur "behaupten" wie es in der ersten deutschen Übernahme einer Meldung von Fox News durch die "Frankfurter Rundschau noch halbvorsichtig heißt, in ein zuversichtliches "können". Und im nächsten schritt dann schon in ein "sollen", das außer Frage steht. Alle Zweifel sind verschwunden, wo der Wettlauf um die am weitesten denkbare Dehnung der Ursprungsmeldung gelungen ist: "COVID-19: Inhaltsstoffe aus grünem Tee und dunkler Schokolade hemmen SARS-CoV-2" gewinnt sicher.

Das Wunder der Nachrichtenvermehrung

Dass ein Dutzend unterschiedlicher Autoren mit Namen wie Alina Schröder, Marcel Richters oder Sonja Utsch ein Dutzend exakt gleichlautender Texte geschrieben haben wollen, ist dabei noch das kleinste Wunder. Viel erstaunlicher ist der Umstand, dass die Umstände des Reagenzglasversuchs - "one gram of dry powder was suspended in 10 ml acetone" - überall ebenso unerwähnt bleiben wie der Hinweis der Forscher, dass die "natürlichen Extrakte nicht auf ihre hemmende Wirkung bei Tieren und Menschen getestet" worden seien.


Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Kaffee gerüchtete mein Doktor schon im Februar, allerdings nach dem Motto viel hülft viel. Ich solle so an die 100 Liter pro Tag vertilgen, dann könnte sich CoV eventuell gruseln.

Die Anmerkung hat gesagt…

Die südddeutschen Verblöder behaupten, der Haseoff stopft die Geldquellen der staatlichen Volksverblöder zu. Weil dpa das so an alle angeschlossenen Medienhäuser durchgestochen hat.
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https://www.sueddeutsche.de/politik/landtag-haseoff-stoppt-erhoehung-des-rundfunkbeitrags-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-201208-99-612798

Haseoff stoppt Erhöhung des Rundfunkbeitrags
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Er ganz alleine war's. Er ist der Held der Arbeiter und darbenden Bauern.

Martin hat gesagt…

Naja. Eigentlich kann man über derartige, weitgehend doch harmlose "journalistische" Ergüße noch froh sein. Das ist halt sinnfreier "Füllstoff", aber schadet wenigstens nicht massiv.

Anonym hat gesagt…

Tausche eine Palette Scheißhauspapier gegen grünen Tee.

P.S. Grüner Tee macht schwul, aber besser als Corona oder.

Gerry hat gesagt…

Die sollen lieber schreiben, dass es seit einem Jahr keine neue gefährliche Krankheit gibt. Schon wenn jemand sagt: ... aber die Risikogruppen schützen ... muss man schon reingrätschen. Rotwein, dunkle Schokolade und grüner Tee waren schon immer Geheimtipps bei der Bionadefraktion.

Anonym hat gesagt…

Schade, ich mag nur Vollmilchschokolade.

Volker hat gesagt…

Tee und Schokolade vielleicht.
Wirklich wirkungssicher ist Bier. Widerspruch zwecklos, ich habs festgestellt im mutigen Selbstversuch.
Auf meiner wöchentlichen Einkaufsliste ist dieses Allheilmittel nicht aufgeführt, weil nicht nötig. Allein mein Gesundheitsbewusstsein führt mich instinktiv zur Arzeneimittelabteilung im Discounter meines Vertrauens.

Anonym hat gesagt…

@ Volker: Mein Geheimtip wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses ist Fuente de Oro, also Zlatopramen. Bei Netto mit dem Hunde. Drauf gehustet, daß es wegen der Kunststoffbuddel kaum/nicht schäumt.
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Grüner Tee und dunkle Schekolade (siehe Ehm Welk, Mutafo - Bi uns in Meckelnburg is die Schekolade blau ...) sind in der Tat pudelgesund. Das Profanum vulgus sieht es, wenn es in der Gossenpresse so steht, natürlich für Theriak / remedium universale an.
"Täglich eine Handvoll Nüsse ..."

Halbgott in Weiß

Anonym hat gesagt…

Türkischer Millionenbetrug an deutschen Senioren --- Gerade auf Pipi aufgeschnappt.

So hat mir vor ein paar Monden eine türkische Arzthelferin erzählt, daß solche Scherze auch in der Türkei und also mit türkischen Opfahn nicht so ganz selten stattfinden.
Andererseits, hinwiederum - wie muß man drauf sein, ob nun Arier oder Mameluk, um auf so etwas hereinzufallen.

Halbgott in Weiß

Süßraspler hat gesagt…

Früher half auch Panzerschokolade gegen allerlei Zipperlein bei der innovativen Weltrettung.
Vielleicht braucht das Micheltum nur etwas mehr Pervitin im Trinkwasser, um neues Heldentum zu entwickeln. Die aktuellen Modedrogen der Smombies machen ja eher schlapp und hysterisch.

Anonym hat gesagt…

Besonders bekömmlich ist recht herbe Schokolade eingeschmolzen mit Milch, Sahne, viel Rum sowie mit ohne Zucker, es sei denn Vanillezucker (Grobübersetzung für Vanille: Ötzchen) - das schlägt die besten Antidepressiva*. Man ruht sanft, lange und ergiebig. Und fühlt sich entspannt so wie nach dem Buhlen.

*Von den mir in den letzten zwei bis drei Jahren unterkommenden Patienten mit steigender Tendenz vorkommenden Patienten mosaischen Bekenntnisses sind zwei von drei auf Anxiolytika oder Antidepressiva, in einer Dosis, daß es einen gruselt, aber ich wage es nicht, sie zu necken mit: A german saying is: A clean conscious is a soft pillow ...

Halbgott in Weiß