Mittwoch, 23. Dezember 2020

Strafe muss sein: EUne Warnung für alle Abtrünnigen

Nun müssen sie eben leiden, die Lkw-Fahrer, die zurück nach Hause in die EU wollen. Und so wird es jedem gehen! 
Vier unendliche Jahre lang hat Guy Verhofstadt als Chefunterhändler des Europäischen Parlaments für die Austrittsverhandlungen mit dem Vereinigten Königreich gewirkt, bis zur letzten Sekunde ergebnislos. Am Ende einer langen Karriere als belgischer Premier, EU-Parlamentarier und EU-Funktionär eine Aufgabe, die darauf zielte, Feinden der Gemeinschaft die Instrumente zu zeigen: Niemand sollte jemals wieder auf den Gedanken kommen, man könne einfach so austreten aus der Wertegemeinschaft der vielen verschiedenen Werte und sein Glück außerhalb einer Vereinigung suchen, die schnell dabei ist, von Gemeinsamkeit zu reden. Aber immer ewig braucht, sich darauf zu verständigen, worin sie besteht.

Verhofstadt hatte wenig Erfolg auf seiner Mission. Die sturen Briten ließen sich weder schrecken noch erpressen, ihr Konzept, zur Not auch den größtmöglichen Schaden für sich selbst hinzunehmen, erpresste vielmehr die EU. Wie sehr das dem Chefunterhändler der 27 verbliebenen EU-Staaten die Laune vermiest hat, ließ Guy Verhofstadt jetzt in einem Anflug von Ehrlichkeit erkennen, der ausnahmsweise selbst auf die übliche Prise Diplomatieverpackung verzichtet. "Wir haben vergessen, wie Grenzen aussehen", schrieb der 67-Jährige bei Twitter zu einem Foto von Lkw-Schlangen vor der britischen Grenze, "manche glaubten, sie würden offen bleiben, wenn sie die EU verließen."

Pustekuchen-Propaganda

Pustekuchen! Das haben sie nun davon, die Briten! "Sie werden jetzt verstehen, was es wirklich heißt, die EU zu verlassen", ließ Verhofstadt unmissverständlich wissen. Leiden nämlich, Schmerzen leiden und Schlangestehen. Hunger und Durst, Sehnsucht nach Heimkehr. Niemand wird überhaupt noch daran denken, geschweige denn, es sich wünschen.

Dass die aktuellen Schlangen an den Grenzen sich der - einmal mehr auf nationaler und nicht auf Brüsseler Ebene gefällten - Entscheidung mehrerer EU-Staaten und vor allem Frankreichs verdankt, die Grenzen zur britischen Insel wegen des Mutantenvirus eigenmächtig und ohne Genehmigung der EU-Kommission zu schließen und gar nichts mit dem EU-Austritt der Briten zu tun hat, stört Guy Verhofstadt so wenig wie der Umstand, dass es überwiegend keine britischen Lkw-Fahrer sind, die an den Grenzen stehen, sondern Fahrer aus den EU-Staaten. Die wollen noch vor Weihnachten nach Hause. Aber dass hätten sie sich überlegen sollen, ehe sie den Briten erlaubten, die EUserne Union zu verlassen. Es ist noch kein perfekter Propagandist vom Himmel gefallen, Hauptsache, die Wirkung stimmt.

Symbol des Versagens

Nun stehen sie eben, die Lastwagen. Ein Symbol nicht des Versagens einer Staatengemeinschaft, die ihre inneren Angelegenheiten beinahe schon standardmäßig nicht geregelt bekommt, aber auch die Scheidungsmodalitäten im Fall eines Trennungswunsches auch in einem jahrelangen Prozess nicht ausgestellt bekommt. Sondern nach der Lesart des Guy Verhofstadt ein warnendes Beispiel dafür, was die EU mit jedem machen wird, der damit liebäugelt, dem britischen Vorbild zu folgen und die Friedensnobelpreisgemeinschaft zu verlassen.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Mustergültig von A bis Z vergeigt, und zur Seeblockade reicht's hinten und vorne nicht mehr.
Die Briten werden auf jeden Fall schwer beeindruckt sein und wieder in die EU eintreten, weil keine Gemüselaster mehr aus Holland kommen. Man wird das 'fuck you' über den ganzen Kanal hören können.

Die Anmerkung hat gesagt…

Wegen der Corona-Mutation hat die Bundesregierung Direktflüge aus Südafrika verboten – auch für deutsche Staatsbürger. Ohne Erfolg!