Donnerstag, 27. Mai 2021

Liebe Annalena: Brief einer alleinerziehenden Verkäuferin und Mutter aus Sachsen

Sybille T. (r.) und ihre Tochter Imken (l.) sind allerbestebeste Freundinnen.
 Sehr geehrte Frau Baerbock, liebe Annalena,

ich wende mich mit einem Anliegen an Sie, von Mutter zu Mutter, das mir seit Tagen auf den Nägeln brennt. In der vergangenen Woche las ich im Internet von ihren Schwierigkeiten mit ihrem Studienabschluss und den Missverständnissen bei der Einordnung ihres Bildungsweges. 

Wir hier im Osten kennen das, auch meine Mutter hatte nach der Wende Probleme, ihre DDR-Abschlüsse anerkennen zu lassen. Mein Vater war auch betroffen, sein Bootsführerschein galt nicht mehr, er musste ihn später noch einmal ablegen. Ich selbst bin als junge Frau zum Glück gleich richtig ausgebildet worden, meine Eltern achteten sehr darauf, obwohl sie damals schon getrennt waren. Lerne etwas Richtiges, schrieben Sie mir uns Stammbuch, und das habe ich dann auch getan.  

Bis meine Tochter zur Welt kam, habe ich immer gearbeitet, nicht immer im erlernten Beruf, aber das kennen Sie ja auch. Man muss flexibel sein, und das bin ich! Nach der Trennung vom Vater meiner Tochter, die nicht leicht war und schon gar nicht ohne Probleme ablief, galt das nur umso mehr. Aber wer sich anstrengt und einsatzbereit ist, gern Neues lernt und nicht immer gleich auf die Uhr schaut, findet seinen Platz.

Ich konnte meiner Tochter so, auch dank der sozialpolitischen Maßnahmen der Regierung, immer ein anständiges Zuhause bieten. Wir konnten uns nicht immer alles leisten, aber ein Urlaub in Bulgarien oder Spanien war auch drin. Doch natürlich möchte ich, dass es meiner Tochter, sie ist jetzt 17 und sie wird noch in diesem Jahr 18, einmal besser hat. 

Imken macht Abitur und wir beide wünschen uns, dass sie danach studieren kann. Gern würde ich es sehen, und sie selbst träumt auch davon, dass Imken während ihres Studium auch ein Auslandssemester absolviert. Das muss nicht in Australien oder Kanada sein, Großbritannien oder Schweden würden auch reichen - Imken möchte einmal Soziologin werden, um uns allen besser verstehen zu helfen, was in der Gesellschaft vor sich geht, was vielleicht noch nicht optimal läuft und wie man helfen kann, dass es besser wird. 

Sie ahnen nun vielleicht schon, um was ich Sie bitten möchte. Zwar ist es noch eine ganze Zeit hin, bis meine Tochter mit dem Studium beginnen wird und noch länger wird es dauern, bis die Frage nach dem oder den Auslandssemestern akut auf uns zukommt. Nachdem ich aber gelesen habe, wie Sie ihre Studienzeit in London gemeistert haben, dachte ich, ich frage einfach mal, ob Sie uns nicht einen Tipp geben können, jetzt schon, vielleicht, ehe ganz viele andere diese Bitte an Sie herantragen. 

Denn sehen Sie, als alleinerziehende Mutter, die nur ganz normal verdient, habe ich kaum Hoffnung, meiner Imken einen Studienplatz im Ausland finanzieren zu können. ich habe über die Jahre ein wenig Geld zurückgelegt, denn wir haben nie auf großem Fuß gelebt oder das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster geworfen. Aber mit meinem kleinen Gehalt als kleine Angestellte hier in Mittweida wird eine Studiengebühr von 30.000 Euro einfach nicht zu finanzieren sein. Das Mädchen muss ja auch noch essen und schlafen irgendwo! Auch meine Eltern können da nicht wirklich helfen, denn sie sind beide Rentner, gut versorgt, aber ohne dass große Sprünge drin sind. Das Bafög, das meiner Tochter zusteht, wird allein aber auch nicht langen, das haben wir beide schon ausgerechnet. 

Ich las nun, dass Sie damals einfach in einer Fabrik gearbeitet haben, um ihr Studium zu finanzieren. Schlecht verdient haben Sie da nicht, denn selbst die 11.000 Euro, die Sie damals bezahlen mussten, reichen ja allein nicht, wenn man dort studieren will, mit Essen, Übernachtung und grüner Mobilität.

Wir haben nach den korrigierten Angaben einer Newsseite ausgerechnet, dass Sie damals ungefähr 20.000 bis 25.000 mit ihrem Ferienjob verdient haben. Imken findet das gar nicht so schlecht. Das wäre auch das, wozu Imken jederzeit bereit wäre - in den Semesterferien jobben, gern auch bei schwerer Arbeit oder in Schichten. Wenn dabei genug Geld hereinkommt, damit es für das nächste Semester reicht, wäre das topp! Wir wollen uns auf keinen Fall denen anschließen, die nur darüber jammern, dass es immer härter wird im Gesundheits-, Renten- und Bildungswesen, dass die ländliche Infrastruktur zurückgebaut oder privatisiert wird und sich zur dauerhaften Krise des Kapitalismus nun auch noch die Coronapandemie dazugesellt. 

Wir glauben fest an das grüne Aufsstiegsversprechen vom Klimawohlstand für alle, die sich anstrengen! Und Imken wäre sich wie Sie damals nicht zu schade für ein prekäre Arbeitsverhältnisse wie Zeit- oder Saisonarbeit. Was wir uns sehnlichst von Ihnen erbitten, wäre also nur ein kleiner Tipp, bei welcher Fabrik sich Imken bewerben müsste, um dann in den Semesterferien ähnlich wie Sie die 30.000 oder 40.000 Euro zu verdienen, mit denen ihr Studium gesichert wäre. 

Es müsste vielleicht nicht einmal ganz so viel sein, denn Imken lebt sehr bescheiden, sie hat kaum Sonderwünsche, ihr Handy ist relativ neu und wird noch eine Weile halten. Ich als Mutter würde natürlich sowieso immer zuschießen, soweit es möglich ist. Auch der leibliche Vater, der sich leider nur wenig bekümmert, würde eventuell mithelfen, er hat ja viele Jahre nicht gezahlt und dadurch eine Menge gespart.


Kommentare:

Hase, Du bleibst hier ... hat gesagt…

Sollte Imken respektabel aussehen, ist Escort-Service wohl 1. Wahl für eine Finanzierung. Will jetzt aber nicht behaupten Anna oder Lena hätten damit irgendwas zu tun.

Anonym hat gesagt…

Oh Hasi, weshalb fällt mir dazu ganz spontan der Name "Betty" ein?

Anonym hat gesagt…

Der Eiertanz des RND ist in bester Tradition der Parteiorgane des Ostblocks. Statt Recherche und der sonst allüblichen Hinterfragerei werden die Versionen und Erzählungen der Partei durchgereicht. Und dann sollen die Leute glauben, dass das nicht alles verfilzt und gesteuert ist.

Volker hat gesagt…

Tradition der Parteiorgane des Ostblocks

Allerdings wurder der Klassenfeind substituiert durch "Rechte Kreise".

Anonym hat gesagt…

Ich möchte da "onlyfans" empfehlen. Ich habe leztens im Fernsehen ein Beispiel
gesehen. Die Dame war so ende 20, leicht korpulent, durchschnittlich aussehend,
blaue Haare und schön gepierst im Gesicht. an Tattos kann ich mich nicht erinnern.
sie hatte 2000 Follower und hat damit so 30000 Euro im Monat generiert. Man muss wohl nur Fotos posten und fleißig E-Mails schreiben.