Samstag, 19. März 2022

Aisha Muammar Gaddafi: Da ist sie aber immer noch

Zehn Jahre danach sind sie immer vergessen. Eine ganze Grundschülergeneration weiß nicht mehr, hat nie gewusst und wird niemals mehr wissen, wer sie waren, was sie taten, wie sie ihr Ende fanden, im Erdloch oder im peinlichen Gezerre um ein Erbe, das niemand antreten will. Wonach auch immer sie strebten, was immer sie zu erreichen trachteten, welcher Zweck ihnen die Mittel heiligte, welche Kriege oder Posten sie gewannen und verloren, alles Staub im Wind, verrotte Erinnerung einer aussterbenden Generation, die wegen ihrer Kenntnis von Namen, die niemand kennt, milde belächelt wird.  

Überlebende ihrer Zeit

Nur gelegentlich bleiben einige von ihnen übrig, Überlebende ihrer Zeit, die den Schuss gehört haben, weil er sie nicht traf. Aisha Gaddafi war über Jahre ein strahlendes Gesicht im Kreis ihrer Lieben, damals, als Vater im Nahen Osten noch für Ruhe und Ordnung sorgte. Die einzige leibliche Tochter des Diktators diente der Menschheit als Ehrenbotschafterin des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, sie kämpfte gegen AIDS und die Unterdrückung von Frauen in der arabischen Welt, wo Frauen hoch geehrt, aber anders behandelt werden als es außerhalb der umma für angemessen angesehen wird. einsetzte.

Frau Gaddafi war Mitte 30 und hochschwanger, als ihr Vater in Bedrängnis geriet, nachdem die UN - Deutschland und Russland enthielten sich - die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen beschlossen und mit Luftangriffen auf Muammar al-Gaddafis Truppen begonnen hatten. Kein Krieg, sondern ein internationaler Militäreinsatz, der nur sechs Monate dauerte. Wenig später starb der Revolutionsführer, ein Bild-Reporter kuschelte sich in sein Diktatorenbett und Aisha al-Gaddafi muss fliehen, bar aller Ämter, verfemt weder Algerien noch später im Oman willkommen. 

Sanktionen aufgehoben

Sechs Jahre später erst hob der EuGH die 2011 gegen sie erlassenen Sanktionen der EU, das Einreiseverbot und die Sperrung der Bankkonten. Aus Aisha al-Gaddafi, die hatte klagen müssen, um zu erfahren, dass "nicht genügend Informationen über ihre konkrete Rolle bei der Niederschlagung des Aufstandes von 2011" vorlägen, die Sanktionen rechtfertigen würden, hatte sich da schon längst in eine Unsterbliche verwandelt: "I am writing this mail with tears and sorrow from my heart asking for your urgent help", barmte sie in Millionen und Abermillionen Spammails zum Steinerweichen. 

Und bat anschließend um dringende Hilfe: Alle Investments und Bankkonten seien doch eingefroren, nur das eine nicht: "My Father of blessed memory deposited the sum of $16.5M (Sisteen Million, Five Hundred Thousand Dollars) in (ADB) Bank Burkina Faso which he used my name as the next of kin."

Um an das Geld zu kommen, ist die Tochter des einst so mächtigen Clans bis heute auf der Suche nach Hefern unterwegs. Die Frau, die stets als die gute Seele ihrer Familie galt, hat bisher niemanden gefunden, der bei der ADB Bank als ihr Treuhänder auftritt und das vorhandene Guthaben für sie abhebt. Dabei würde sie teilen - nach den aktuell verschickten Mails inzwischen sogar 21 Millionen Euro, die nun in einem "Investmentfonds" liegen. Sie als Flüchtling habe keine Chance, an das Geld heranzukommen. 

Ein Stück Ewigkeit

Ein Stück Ewigkeit, auch wenn Aisha ihre Maildresse offenbar von aishamudela10@gmail.com zu bar.aishamuammargaddafi@gmail.com hat ändern müssen. Da ist sie aber immer noch, "eine alleinerziehende Mutter und Witwe mit drei Kindern", wie sie sich selbst und ihre derzeitige Lebenssituation so anrührend beschreibt. Spammer, die dreist auf Betrug aus sind, würden etwas von Ukraine lügen, sich als verfolgte russische Oligarchen ausgeben oder arglosen Hilfsbereiten die Übertragung an russischen Ölfirmen in Aussicht stellen. 

Aisha Gaddafi aber bleibt ehrlich: "Ich werde Ihnen das Eigentum an den Fonds genehmigen, bin jedoch an Ihnen für Investitionsprojektunterstützung interessiert in Ihrem Land, vielleicht von dort, können wir in naher Zukunft eine Geschäftsbeziehung aufbauen."


2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

In den letzten fünfzehn Jahren habe dreimal ein zwei- und einmal eine dreistellige Millionensumme geerbt. Jeweils in West- und Ostafrika, in Spanien und in Engeland.
Dreimal erfolgte die Mitteilung in schrägem Englisch, einmal in noch schrägerem Deutsch.

Anonym hat gesagt…

@ Anonym 1

Ja, das kenne ich.

Ich bekam auch mal einen hochoffiziell aussehenden Brief einer Kanzlei in Marbella, die einen Erben für das Millionenvermögen eines mir unbekannten Toten mit meinem Nachnamen suchten und für ihre Bemühungen bedauerlicherweise eine kleine Vorgebühr verlangen musste. Die Adresse gibt es laut Google Street View in einer belebten Geschäftsstraße wirklich, wer dort aber wohnt, blieb unklar.

Egal, habe den Mist weggeworfen, blieb somit arm wie zuvor, wurde durch die Gier jedoch nicht ärmer.

Außerdem schrieb mir in einem Datingportal 3 Tage nach meiner Anmeldung mal eine junge hübsche Negerprinzessin, dass sie sich in mich verliebt habe und meine finanzielle Hilfe brauche, um an ihr königliches Millionenerbe heran zu kommen. Ich solle ihr dabei auch gleich was für ein Flugticket mitschicken, damit sie mich dann hier dankbar verwöhnen kann.

Leider fallen insbesondere leichtgläubige Senioren und liebeshungrige Oldiegirls und Sugardaddys oft auf solche dubiosen Geldforderungen rein und verlieren ihr ganzes Erspartes oder nehmen sogar noch Kredite auf.

Aber die menschliche Dummheit ist ja bekanntlich unendlich.

Wollt Ihr den totalen Idiotenschutz?

Gibt es eigentlich schon ein Spendenkonto für die bemitleidenswert verarmte Witwe des milliardenschweren libyschen Ex-Revolutionsführers und Mutter von dessen Sohnarschloch?
Die deutschen Gutmenschen sind doch gerade wieder in Spendierhosenlaune für ausländische Habenichtse. Gute Gelegenheit also, erfolgreich ein paar Euros zu erbetteln, denn wir haben aus besonderer geschichtlicher Verantwortung ein großes Verhätschelherz für jeden globalen Nichtsnutz und Kriminellen.