Dienstag, 14. August 2007

Churchill at its best!

niemand soll später sagen, er habe von nichts gewusst. winston churchill jedenfalls hat zum umgang mit despoten, diktatoren, terroristen und anderem gesindel schon 1938 in einer rede vor dem britischen unterhaus alles wesentliche erklärt: "es wurde von jemandem ein pfund mit vorgehaltenem revolver gefordert. als er es hergab, wurden zwei pfund mit vorgehaltenem revolver gefordert. endlich fand sich der diktator bereit, ein pfund, siebzehn schilling und sechs pence anzunehmen und den rest in form von versprechungen künftigen wohlwollens."

Rushdie in Gefahr

Sonntag, 12. August 2007

Schießbefehl als Sommerlochplombe

Stets geleugnet, jetzt gefunden, schreibt der "Spiegel", der sich immer am besten auskennt. "Der bedingungslose Schießbefehl an der DDR-Grenze existierte", heißt es. Wegen dieser "Lizenz zum Töten" müsse der Staatsanwalt ermitteln, fordert der Leiter der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte, der sich traditionell dankbar vor jede Kamera schiebt. Politiker, fast ahnt man es, "zeigten sich", so der "Spiegel", "nach dem Aktenfund entsetzt".

Bei soviel kollektiver Erregung mitten im Sommerloch muss man erfahrungsgemäß etwas genauer hinschauen. Da ist also "erstmals ist in den Stasi-Unterlagen ein bedingungsloser Schießbefehl gegen DDR-Flüchtlinge entdeckt worden". Ein Befehl, "der zum rücksichtslosen Gebrauch der Schusswaffe ohne Vorwarnung an der Grenze aufforderte - auch gegen Frauen und Kinder", wenn den Aussagen des Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde in Magdeburg getraut werden darf. Dem hauptberuflichen Aufarbeiter zufolge enthält das in der Magdeburger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde entdeckte Dokument einer Spezialeinheit des DDR-Geheimdienstes, deren Angehörige als normale Grenzsoldaten getarnt waren, eine Notiz, die das sofortige Schießen auf flüchtende Grenzsoldaten fordert, selbst wenn diese mit Frauen und Kindern zusammen auf der Flucht waren.

In der Dienstanweisung vom 1. Oktober 1973 heiße es: "Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen."

So viel Schießbefehl. Und so wenig Aufklärung. In der wochenendlichen Aufregung um das Dokument fragt gleich niemand mehr danach, an wen sich eine solche Dienstanweisung gerichtet haben kann. An die Angehörigen der Stasi-Grenzabteilung? Oder an die gesamten Grenztruppen? Und wer hat sie überhaupt unterschrieben? Erich Mielke? Erich Honecker? Da davon nirgendwo die Rede ist, scheint das wenig wahrscheinlich. Also war es wohl ein niederer Dienstgrad. Konnte aber ein Stasi-Hauptmann als mutmaßlicher Autor des Papiers wirklich außerhalb der Befehlskette Anweisungen an die Gesamtheit der ganz gewöhnlichen Grenzpatrouillen geben? Nur das wäre ja die "smoking gun", der global geltende Auftrag zum Mord, nach dem seit dem Mauerfall vergebens gesucht wird.

Und wohl auch weiter vergebens gesucht werden wird. Schließlich hätte ein Schießbefehl des unmißverständlichen Inhalts "zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen" bei den einfachen Grenzsoldaten bekannt gemacht werden müssen, damit die ihn hätten umsetzen können. Ein Papier zu beschreiben und es im Kreise einer Stasi-Elitetruppe vorzulesen, genügt da nicht. Das reicht am Ende eben doch nur für eine "Spiegel"-Schlagzeile als Sommerlochplombe und rituelle Politikerempörung.

Freitag, 10. August 2007

McDonalds macht in Bionade

Damals in Heiligendamm, als sich die Mächtigen der Welt an alkoholfreiem Pils verschluckten, war die Alternative klar: Bionade, 1995 im fränkischen Ostheim entwickelt, war „das offizielle Getränk einer besseren Welt“(Eigenwerbung). Das Getränk mit dem Kreislogo auf den Kronkorken, das wunderbarerweise an das Logo der Royal Air Force erinnert, war genau das, worauf der Zeitgeist Durst hatte: Unverschämt teuer, schick und in so kleinen Flaschen so schwer verpackt, dass allein der Transport der sauren Suppe aus der zentralen Produktionsstätte und die Rückholung der Pfandflaschen in die Rhön ökologisch gesehen ein Verbrechen ist.

Aber auch ein ökologisches Gewissen ist letztlich nur Marketing. Und weil Geschmacksrichtungen wie Holunder oder Litschi den maladen mitteleuropäischen Gaumen ganz neu kitzeln, erreichte Bionade im vergangenen Jahr Verkaufszahlen von mehr als 70 Millionen Flaschen. Inzwischen sind auch die Nachmacher auf den Plan getreten - als "Maltonade" verkauft eine große Discountkette neuerdings ein zum Verwechseln ähnlich nach diversen Estern schmeckendes Produkt, das ebenso durch Fermentation produziert wird und demonstrativ ohne Zusatzstoffe auskommt.

Das Original ist inzwischen weiter auf dem langen Marsch durch die Institutionen. Jetzt gibt es lebensmitteltechnisch eine Allianz der Anständigen: Künftig schenkt die McDonalds-Tochter McCafé, ernährungsphysiologisch gesehen für jeden aufrechten Veganer der große Fastfood-Teufel, Bionade aus. So findet zusammen, was zusammengehört: Die bessere Welt, geschlürft im finsteren Multimilliardenkonzern. Bei dem trägt die Milch neuerdings das Biosiegel und der Kaffee ist von der Rainforest Alliance als "nachhaltig produziert" zertifiziert. Bei nächsten G8-Treffen ist McDonalds dann sicher schon offizieller Ausstatter der Gipfelgegner. Ein Posten, den diesmal noch der Multimilliardenkonzern Adidas für sich beanspruchen durfte.

Pearl Jam zensiert

Über Geschmack darf man streiten, über Zensur nicht: Beim Lollapalooza-Festival hatten Pearl Jam zugestimmt, ihren Auftritt durch den Telekom-Konzern AT&T live im Web übertragen zu lassen. AT&T allerdings übertrug dann lieber nicht das gesamte Konzert, sondern schnitt einige für gefährlich gehaltene Teile heraus wie einst das DDR-Staatsfernsehen, das Bruce Springsteen davor bewahrte, jungen Sozialisten verwirrende Botschaften wie "eines Tages wird die Mauer fallen" unterzujubeln.

AT&T ging es nicht natürlich um die Mauer, sondern um George W. Bush. Während des Songs "Daughter" hatte Sänger Ediie Vedder einen kleinen schwenk zu Pink Floyd's Hit "Another Brick in the Wall" gemacht und zur Melodie des Klassikers gesungen "George Bush, leave this world alone" und "George Bush find yourself another home."

Schwere Angriffe, von mutigen Männern auf offener Bühne vorgetragen. Umso größer ist nun die Aufregung um AT&T's Eingreifen: "Die Aktion zeigt, welche Kraft Konzerne haben, zu bestimmen, was Menschen aus den Medien erfahren", ließ die letzte noch existierende Grunge-Band verkünden. Die ungeschnittene Version des Songs steht jetzt bei Youtube. Und hier auf PPQ.

Mittwoch, 8. August 2007

Ich brenne nicht, ich tu nur so

Selten genug, dass deutsche Bands Anhörbares produzieren. Bratze nun haben einen außergewöhnlich dummen Namen, machen aber außergewöhnlich ungewöhnliche Musik mit hübsch verrätselten Texten. Die brennen nicht, die tun nur so. Gäbe es Fehlfarben nicht mehr, die in "Jean Claude" gleich mehrfach zitiert werden, dürfte sich das bratzige Trio aus dem Ruhrgebiet "Fehlfarben-Erben" nennen. Mehr Bratze auf myspace.

Überall Alarm

Zuletzt warnten Sicherheitsexperten vor Spammern, Forscher warnten vor der Dengue-Epidemie in Südostasien, Bürgerrechtler warnten vor Kriminalisierung von Parallelimporten, der Deutsche Wetterdienst vor "Dauerregen" und Richter vor einem Justiz-Kollaps in Berlin. Auch die Taliban sind in großer Sorge - sie warnten Kabul vor einer Befreiung der Geisel, Analysten warnten vor Private Equity für Privatanleger und Geheimdienste vor Terroranschlägen in Italien. Kein Tag ohne Sorge, kein Tag ohne Warnung. Warn-Weltmeister aber sind zweifellos die Grünen, die Woche für Woche an der Sirene drehen: Mal warnen sie vor der Gentechnik-Gefahr, dann vor der Bahn-Privatisierung, kurze Zeit später scheint eine Warnung vor der Großen Koalition angebracht und kaum ausgerufen, wird sie schon abgelöst vor einer Warnung davor, die Terrorgefahr zu dramatisieren - übersetzt also: zuviel zu oft und laut zu warnen.

Darin zeigt sich wahre Meisterschaft, denn warnen kann jeder, vor Warnungen zu warnen aber, die man möglichst selbst ausgestoßen hat, das ist geradezu brillant. Dazu gehört eine innerte Warnkultur, die die stärksten Momente von Alarmismus, Skeptizismus und Rampenlichtgeilheit miteinander vereint.

Wie jedoch darf der Warnungsempfänger, jener Bauer draußen in der Scholle, jener Fluggast und jener arglose Fondskäufer sich die Entstehung einer medialen Warnung vorstellen? Sitzen Claudia Roth und Ströbele mit Bütikhofer beisammen, um nachzudenken, wovor im Moment am meisten zu warnen wäre? Spielzeug aus China, längere Arbeitszeit, kürzerer Nachtschlaf? Analysiert die Runde dann Studien, Alarmpläne, Warnkonzepte? Sagt Claudia Roth schlußendlich mit bebender Stimme: "Wir müssen die Menschen warnen?"

Im Auto auf der Bundesstraße ist eine Warnung ja ein einfaches Ding. Der Beifahrer stößt sie aus, wenn der Mähdrescher blinkt, während der Fahrer gerade nach eine Zigarette wühlt: "Achtung, der will abbiegen!" Auch im Behandlungszimmer eines Allgemeinmediziners ist die Warnung ein übliches Mittel zur Disziplinierung des Patienten: "Herr Müller, ich warne Sie, wenn Sie so weitermachen, werden Sie Schwierigkeiten haben, zu Ihrem nächsten Durchchecktermin zu kommen."

Warnungen legen es, bei Lichte betrachtet, auf Verhaltensänderungen an. Ich warne Dich, mach nicht so weiter, sagt der Vater zum Sohn. Ich warne Dich, wenn Du so weitermachst, knirscht der Lehrer zum Schüler. Wen aber knirschen die Grünen an? Wenn sie "vor einem Scheitern der Afghanistan-Mission warnen"? Frau Merkel? Weil die noch nicht weiß, dass ein Scheitern nicht gut ankäme? Oder die Taliban? Weil die für ein Scheitern verantwortlich wären? Welche Verhaltensänderung versucht eine Warnung der "SPD vor eienm Bündnis mit der Linken" auszulösen? Dass SPD-Chef Kurt Beck den Hörer in die Hand nimmt, PDS-Chef Lafontaine anruft und sagt: "Du, Oskar, entschuldige, aber jetzt, wo die Grünen uns warnen, müssen wir Abstand von einem Bündnis nehmen"? Oder der Wetterdienst, auch ein zuverlässiger Warner vor Dingen, die niemand, der sie rechtzeitig vernimmt, wirklich ändern kann. Warnt er den Himmel, nicht dauernd zu regnen? Oder die Menschen vor dem Nasswerden?

Nachsatz: Am Tag nach unserer Warnung vor permanenten Warnungen meldet Googlenews für die letzten 24 Stunden 2.139 Warnmeldungen, die irgendwo in deutschen Medien erschienen sind. Darunter ist eine des Deutschen Wetterdienstes, in dem der vor Sonnenschein warnt.

how did you smell last night


smells like öffi

Dienstag, 7. August 2007

Bagdad in Burghausen

Als es spannend wurde im DFB-Pokalspiel Burghausen gegen Bayern München, schaltete die ARD kurzerhand nach Cordoba um. Millionen Fernsehzuschauer rieben sich staunend die Augen, weil der alte Hansi Krankl plötzlich ein Tor für den bayrischen Regionalligisten machte. Auch war es sichtlich hell geworden im Wacker-Stadion, das zuvor unter Flutlicht bespielt worden war. Reinhold Beckmann, oder war es doch Kerner, tauchte auf und sagte, er werde den Fans jetzt die 50 oder 500 schönsten Tore aller Zeiten zeigen. In Burghausen hatte die Verlängerung angefangen, oder auch nicht, denn die ARD Kameras schauten beharrlich nach Bern, Stockholm und Hamburg, zurück in die Zeiten, als Klinsmann noch knipste und Rahn schießen musste, schoss und Tor! Tor! Tor!!!

Stromausfall, sagte ein verunsichert wirkender Studiomoderator, Stromausfall in Burghausen. Oliver Kahn, der zu diesem Zeitpunkt schon seinen neuen Namen "Oliver Kahn-in-seiner-letzten-Saison" trug, der inzwischen etwa vierzigmal angesagt worden war, stand also im Dunkeln! Burghausen hatte noch eine Chance. Doch dann meldete sich der Kommentator mit einer Telefonstimme aus den tiefen siebziger Jahren, als Fußballansager alle wie Blech klangen, das aus weiter Ferne Spielernamen ansagte, und es war hell über dem Platz und nur der Übertragungswagen und alle Kameras waren ausgefallen, alls bis auf eine, die "unsere Techniker schnell wieder flott gemacht hatten", wie mitgeteilt wurde.

Glücklich ein zeitalter, dem so etwas noch wiederfährt: Ein wackerer Regionalligist fordert die kickenden Supermillionäre mit an die Grenze, und eine simple Sicherung, so teilte Waldemar Hartmann später unter Verbeugungen mit, bringt die Übertragung zum Erliegen. Weil die Gebührenfinanzierung nicht für Ersatzsicherungen reicht. Bagdad? Nein, Burghausen!

Es konnte erst weitergehen, als ein "Ersatz-Übertragungswagen" (Hartmann) herbeigeschafft war. Warum einfach, wenn es auch teuer geht? Manuel Riemann, der heldische Torwart der unglücklichen Burghausener, die vom Kommentator einer eventuell bayrischen sprachlichen Sonderregelng folgend stur "Burghauser" genannt wurden, bekam am Ende, nach dem knappen 6:7 oder 7:8 oder 11:12 verbale Blumen vom eigenen Trainer und den Gegenspielern.

Auch Oliver Kahn-in-seiner-letzten-Saison, der Titan, der es, Bayern-Fans wussten das längst, ganz zum Schluß wieder mal richten musste, knurrte seinem mutmaßlichen Nachfolger ein "er stand immer richtig" hinterher. Die Bilanz des Abends ist klar: ARD null, Riemann sieben, Bayern so lala. Uli Hoeneß wird jetzt vermutlich doch noch fünf, sechs, sieben, viele Spieler kaufen, einen teurer als der andere. "Wir haben ja gut gespielt", sagte der Mark van Bommel, "nur das Tor nicht getroffen." Elfmeterschießen sei dann immer eine "Lotterei". Bommel ist Holländer. Er weiß, dass man mit einem Lacher von der Bühne geht, auch wenn man mit einem Bein im Grabe steht.

Sonntag, 5. August 2007

Nachhaltiger Umwelt-Ruin

Es findet sich kein Ausweg mehr, alles wird nur immer schlimmer. Jesse Ausubel von der Rockefeller University in New York räumt jetzt mit den letzten Illusionen auf: Im Inderscience's International Journal of Nuclear Governance, Economy and Ecology führt der Forscher aus, dass das vermeintlich so nachhaltige Errichten von Windkraftanlagen, das umweltpolitisch für unbedenklich gehaltene Stauen von Flüssen und die Aussaat von friedlichen Feldfrüchten zur Erzeugung von artenerhaltender Biomasse die Umwelt ganz besonders nachhaltig und gründlich ruiniert.

Ausubel hat analysiert, wieviel Land die unterschiedlichen Arten von Energieerzeugung verbrauchen. Dabei verglich er die Zerstörung der natürlichen Umwelt durch die Verwendung erneuerbarer Energien mit der durch Nuklearanlagen und kam zu dem erschütternden Ergebnis, dass "Atomkraft die wahre grüne Energie ist", wie er sagt. "Gemessen in erzeugten Watt per Quadratmeter liegt die Nuklearenergie in astronomischen Dimensionen vor ihren Konkurrenten."

Als Beispiel nennt Jesse Ausubel den hypothetischen Versuch, die Energieproduktion der kanadischen Atommeiler durch saubere Wasserkraft zu ersetzen. "Dazu müsste man die komplette Provinz Ontario mit ihren 900.000 Quadratkilometern Fläche mit 680.000 Billionen Litern Wasser fluten und einen 60 Meter hohen Damm errichten", schildert er. Allerdings kämen am Ende dennoch nur 80 Prozent des Stromausstoßes der 25 kanadischen Atommeiler heraus, denn Wasserkraft sei nur in der Lage, pro Quadratkilometer den Strom zu erzeugen, den 12 Kanadier verbrauchen.

Auch die Energieerzeugung aus Biomasse hält der Forscher für einen ineffizienten Irrweg. Um ein Atomkraftwerk zu ersetzen, müsste auf 2.500 Quadratkilometern bester landwirtschaftlicher Anbaufläche Biomasse zur Verstromung angebaut werden. Für Ausubel ist das Urteil klar: "Biomasseanbau voranzutreiben ist kriminell."

Etwas besser schneidet bei ihm noch die Windenergie ab, deren Flächenverbrauch der Forscher weit unterhalb der beiden konkurrierenden nachhaltigen Technologien ansiedelt. Ein 770 Quadratkilometer großes Areal voller Windkraftanalgen könne ein 1000-Megawatt-Atomkraftwerk schon ersetzen, hat er errechnet. Um aber den Stromverbrauch der USA zu decken, selbst unter den Bedingungen, dass der Wind immer blase, sei damit immer noch eine Fläche von der Größe des Bundessaates Texas notwendig: 780.000 Quadratkilometer voller Windkraftanlagen. Denn umgerechnet seien diese so uneffektiv, dass 100 Quadratmeter mit Windkrafterzeugungsanlagen bebaute Fläche gerade mal ausreichen, ein oder zwei Glühbirnen brennen zu lassen. "New York City würde jeden Quadratmeter von Connecticut brauchen, um seinen Energiebedarf aus Windkraft zu befriedigen."

Am Ende bekommt auch die vielgelobte Solarenergie noch ihr Fett weg. Eine Solaranlage müsse etwa 150 Quadratkilometer groß sein, um ein 1000 Megawatte-Atomkraftwerk zu ersetzen. Dazu sei eine Menge an Material notwendig, die bis zum Zehnfachen über der liege, die für herkömmliche Kraftwerke benötigt werde. "Angeblich erneuerbare Energien fressen Stahl, vernichten Fläche, sie brauchen jede Menge neue Straßen, Leitungen", beschreibt Ausubel. Verglichen damit hinterlasse die Nutzung der Atomkraft selbst mit allen Bergbaufolgeschäden und der späteren Endlagerung der strahlenden Reste "den kleinsten Fußabdruck in unsere Umwelt". Jesse Ausumbel ist sicher: "Erneuerbare Energien mögen erneuerbar sein", sagt er, "aber grün sind sie sicher nicht."

Marxisten bei Merill Lynch


Am Ende behält Karl Marx natürlich doch recht: Kaum ist der Sozialismus Geschichte, geht es im Kernland des Versuchs, aus des Vollbarts Gesellschaftstheorien eine funktionierende Gesellschaft zu machen, noch turbokapitalistischer zu als im Turbokapitalismus.

Der “Merill Lynch World Wealth Report” berichtet jetzt, dass es in Russland inzwischen die meisten Leute mit sehr hohem „Reinvermögen“ gibt. Die Zahl der „ultrareichen“ Individuen, welche über mindestens 30 Millionen US$ verfügen, wachse immer schneller. Im letzten Jahr sei die Zahl der Mitglieder in dieser exklusiven Gemeinschaft um 11 Prozent auf fast 95.000 angestiegen. Zusammen repräsentieren sie laut dem „World Wealth Report“ ca. 13 Billionen US$.

Die wohlhabende Bevölkerung wachse derzeit allerdings in Singapur, Indien, Indonesien, Russland, China und in den Vereinten Arabischen Emiraten weltweit am schnellsten. Das geringste Wachstum in dieser Hinsicht verzeichneten Nordamerika und Europa, auch wenn diese Regionen in absoluten Zahlen gemessen noch mehr als die Hälfte des weltweiten Vermögens in den Händen halten. So gibt es ungefähr drei Millionen Millionäre in den USA, die über mehr als 11 Billionen US-Dollar verfügen. Ihr Vermögen hat sich in diesem Jahr bereits um 10,3 Prozent vermehrt. In Europa, wo es ungefähr die gleiche Anzahl Millionäre gibt, konnte das Vermögen nicht so klar gesteigert werden: In diesem Jahr wuchs es lediglich um 7,8 Prozent.

Nach Ansicht von Merill Lynch, einer der größten Investmentbanken weltweit, gibt es auch keine Anzeichen, dass dieser Trend ein baldiges Ende finden könnte: Der kapitalistische Großkonzern ML geht - ganz im trauten Einklang mit Marx´ These von der unaufhaltsamen Akkumulation des Kapitals - davon aus, dass das Vermögen der Ultrareichen in den nächsten Jahren mit 7,8 Prozent pro Jahr weiter wachsen wird. 2011 werde es dann 51,6 Billionen US$ betragen.

Samstag, 4. August 2007

Grenzwertiges Geschwätz

Der angeblich innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, hat dieser Tage seine unzureichende Kenntnis der hierzulande geltenden Rechtsvorschriften öffentlich gemacht. Im Zusammenhang mit einem "Ermittlungsverfahren gegen 17 Journalisten wegen des Verdachts der Beihilfe zum Geheimnisverrat im Zusammenhang mit dem BND-Untersuchungsausschuss" kritisierte er, „dass gegen Journalisten ermittelt wird". Das sei "hoch problematisch und ein mindestens grenzwertiger Vorgang“ meint der ausgebildete Buchhändler, der 2002 zum Dr. jur. promovierte.

Nicht zu diesem Thema offensichtlich, denn der Anwalt, seit 1987 im Parlament, ist ernsthaft der Ansicht, „die Ermittlungen müssten sich auf den staatlichen Bereich konzentrieren.“ Dass Akten an Journalisten weiter geleitet würden, sei „das übliche Geschäft in Berlin, das war in Bonn nicht anders."

Wiefelpütz übersieht in seinem grenzwertigen geschwätz geflissentlich, dass im rechtstaatlichen Verständnis dieses Landes Ermittlungen an sich keine Strafe und keine Bestrafung darstellen, weder Schuld präjudizieren noch ehrenrührig sind oder gar automatisch Konsequenzen haben. Folglich ist nie zu kritisieren, wenn ermittelt wird, da Ermittlungen ja immer gerade dem Ziel dienen, herauszufinden, ob überhaupt Verfahrensbedarf besteht. Wiefelspütz müsste das wissen, übt sich aber lieber in mediengerechter Dummschätzerei, indem er Ermittlungen als etwas kritisiert, das nur in der medialen Nutzung von Staatsanwaltschaften und Gerichten besteht: Längst ist hierzulande jedermann, gegen den ermittelt wird, sowas-ähnliches-wie-schuldig, ohne es zu sein.

Da muss die Frage erlaubt sein, woher Wiefelspütz überhaupt Kenntnis davon hat, dass "gegen 17 Journalisten ermittelt wird". Die ihm angeblich auch noch namentlich bekannt sind? Für gewöhnlich würde in dieser Phase höchstens gegen Unbekannt ermittelt, selbst etwaige Beschuldigte dürften nicht von den Ermittlungen gegen sich wissen. Wenn ein gewählter Parlamentarier dennoch mehr weiß, dann aus Akten, die nach geltendem Recht niemand außer dem zuständigen Staatsanwalt kennen kann. Gibt es da ein Leck? Verteilen Ermittler jetzt freigiebig Akten unter Abgeordneten? Nötig sind offensichtlich Ermittlungen gegen Wiefelspütz, der entweder mit erfundenen Fakten argumentiert oder aber Zugang zu Daten hat, zu denen er keinen Zugang haben dürfte.

Freitag, 3. August 2007

Mit Achsen des Bösen?

Hier findet zusammen, was zusammen gehört. Lange genug dominierten die Vasallen der als "großer Teufel" verdächtigten USA den weltweiten Pkw-Markt, jetzt aber schlägt die Allianz der Aufrechten zurück: In einem Gemeinschaftsunternehmen produzieren Venezuela und Iran ein Auto, das sie nicht ganz fantasielos auf den klingenden Namen „Antiimperialistisches Auto“ tauften. Bis zum Jahr 2012 will das Unternehmen mit dem nicht ganz fantasielosen Namen Venirauto, dessen Geburtsurkunde Hugo Chavez und Mahmud Ahmadinejad unterzeichneten, ein echter Konkurrent für General Motor, BMW und Peugeot werden. Venirauto hat seinen Hauptsitz in Maracay, etwa 80 km entfernt von Caracas. Hier sollen demnächst pro Jahr 25.000 Autos auf den Achsen des Bösen vom Band rollen und den Weltmarkt überschwemmen. Der leidet seit dem Wegfall der Produktion des DDR-Fahrzeuges "Trabant" (durchschnittliche Jahresproduktion etwa 80.000) eklatant unter dem Mangel an sozialistischen Fahrzeugen ohne kapitalistische Fisematenten.


Bis die ersten Autos in den freien Handel kommen, wird es aber noch etwas dauern. Die ersten Exemplare des Turpial (im Iran Saipa 141 genannt) und des Centauro werden unter Soldaten des venezolanischen Heeres verteilt. Später wird der Turpial, eine, so heißt es, "Weiterentwicklung des Kia Pride", etwa 7.900 US-Dollar kosten; der als später Enkel des Peugeot 405 gebaute Centauro soll für 11.000 US-$ zu haben sein. Motoren und alles, was sich nicht per Hand schnitzen lässt, liefert Peugeot, in den Augen von Chavez und Ahmadinejad offensichtlich soetwas wie ein antikapitalistischer Konzern.

Donnerstag, 2. August 2007

Musterland der Mißwirtschaft

Die Läden sind leergefegt, die Menschen hungern, es gibt kaum noch Strom und seit Mitte des vergangenen Monats wurden rund 4.000 Ladeninhaber wegen des Verdachts auf Schwarzhandel zu realen Preisen inhaftiert. Aber die Herrschaft des greisen Robert Mugabe ist immer noch stabil und bietet so gesehen beste Voraussetzungen für mutige Investoren. Die sucht die Botschaft des afrikanischen Landes jedenfalls auf ihrer Homepage, ebenso wie einen Mann, der den derzeit vakanten Botschafterposten besetzt. Viele Aufgaben warten auf einen tatkräftigen, zupackenden Mann: Zum Beispiel könnte er den Währungsrechner auf der Homepage aktualisieren, der derzeit noch den Umtauschkurs vom Oktober 2005 zeigt. Seitdem aber ist die Inflation im Musterland der Mißwirtschaft auf bis zu 10.000 Prozent gestiegen, eben erst hat die Staatsbank einen 200.000 $-Schein erfunden, damit die Einwohner nicht wegen jedem Glas Wasser mit der Schubkarre zum Einkaufen fahren müssen.

Pullover bedrohen die Demokratie

Jahrelang haben sie es mit Demonstrationen versucht, haben die Unterwanderstiefel mit Schürsenkeln in bestimmten Farbkombinationen geschnürt und sich wollene "Lonsdale"-T-Shirts und "Umbro"-Trainingsjacken über die bleichen Hühnerbrüste gezogen. Vergebens. Das Vierte Reich ist nicht gekommen, selbst bei Wahlen langte es nicht zu mehr als Augenblickserfolgen und anschließendem Koma für die alte, am liebsten in "Fred-Perry"-Polohemden gewandete und dann auch für die selbsternannte Neue Rechte, von der man immer hörte, sie trage Schlips und Kragen und statt Skinheadhaut auf dem Kopf ordentlichen Fassonsschnitt.

Doch was mit Grunzrock, vor handverlesenem Publikum in abgelegenen Scheunen geröhrt, und Aufmärschen durch menschenleere ostdeutsche Provinzstädte nicht gelang, steht jetzt allem Anschein nach doch noch direkt vor der Tür: Mit einem perfiden Pullovertrick bedrohen Neonazis aus Brandenburg die junge deutsche Demokratie.

"Thor Steinar" ist das Zauberwort, das Angst und Sorge um den Fortbestand der Bundesrepublik, wie wir sie kennen, auslöst. Ausgedacht in der brandenburgischen Provinz, kokettiert das Modelabel, das mit norwegischen Fahnen, der gestickten Aufschrift "Nordirland" und einem stets als Pfeil gestalteten "T" auf eher grobe Reize setzt, mit der Ästhetik von mitteldeutschen Tankstellen-Cliquen. Ein erstes, an nordische Runen angelehntes Logo wurde verboten, der Fußballklub Hertha BSC verbietet seinem Anhang aber auch, Steinar-Mode mit dem neuen Logo zu tragen, um die wacklige deutsche Demokratie zu schützen.

Mediatex aber, die mittelständische Firma, die sich vom heidnischen germanischen Gott Thor Hammerschwinger und dem im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gern und viel gezeigten Mehrteiler "Steiner - Das Eiserne Kreuz" zur Modemarke "Thor Steinar" inspirieren ließ, greift jetzt mit anderen Waffen an. Mit Mietverträgen über Läden namens "Narvik", die die Thor-Steinar-Marke verkaufen, hat die Firma in den letzten Tages dank hingebungsvoll zelebrierter Proteste mehr Werbewirkung erzielt als mit allen kostenlosen Katalogen, die sie bisher verschickt hat. Denn sowohl in Magdeburg, wo sich der vorher gegenüber im größten Einkaufszentrum der Stadt beheimatete TS-Laden im Hundertwasserhaus einmietete, als auch in Berlin, wo die öffentliche Wohnungsbaugesellschaft Mitte schon seit mehr als einem Jahr Ladenfläche zur Verfügung stellte, ist die Aufregung urplötzlich ungeheuer groß: Hundertwasser sei Jude gewesen, der Vermieter des Hundertwasserhauses aber die katholische Kirche, heißt es, verkürzt gesagt.

Nicht diese offenkundige Geschmacklosigkeit aber ist Auslöser für die Aufregung, sondern der Verdacht, dass der Verkauf der unverkennbar überteuerten Pullover, Khaki-Shorts und Wollstrümpfe den Anfang vom Ende des deutschen Rechtsstaates ankündigen könnte. Dagegen protestierten gestern in Magdeburg 150 Mahnwächter unter Führung des Innenministers, eines ehemaligen NVA-Offiziersschülers, und der stellvertretenden Oberbürgermeisterin, die aus Osnabrück stammt und ihre Karriere beim dortigen Arbeitsamt startete, was sie zur Expertin für rechte Jugendkultur machen dürfte.

Obwohl sich der Sozialdemokrat Richard Schröder bereits 2004 unter dem Titel „Zensur bleibt hilflos“ dagegen wandte, den Kampf gegen Runenpullover mit dem Kampf für die Demokratie zu verwechseln (Schröder: „Diese Textilienzensur ist nicht die selbstbewusste und gelassene Selbstverteidigung der Demokratie, sondern eine Mischung aus Gespensterfurcht und inquisitorischer Zensorenmentalität.“) möchte PPQ, unser kleines Demokraten-Board, sich der Demo quasi virtuell anschließen. Wir weisen also hiermit pflichtschuldigst darauf hin, dass zahlreiche Läden sowohl in Berlin als auch in Magdeburg (von zahllosen anderen Städten weltweit gar nicht zu reden) immer noch Fred-Perry-Poloshirts, Umbro-Pullover, New-Balance-Schuhe und Jacken von Alpha Industries verkaufen, in die die Feinde der Demokratie ihre Germanenkörper am liebsten hüllen. Hier sind noch einige Mietverträge zu kündigen und etliche Mahnwachen warten darauf, gehalten zu werden.

Mittwoch, 1. August 2007

Rätselhafte Bigmac-Diät

Das Arbeitslosengeld (ALG) II reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche ausgewogen zu ernähren. Zu diesem Schluss kommt das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) der Universität Bonn in einer umfangreichen Studie. Demnach veranschlagt der Gesetzgeber für Nahrung und Getränke bei 14- bis 18-Jährigen lediglich 3,42 Euro pro Tag. Selbst wer nur beim Discounter kauft, müsse jedoch im Schnitt 4,68 Euro täglich hinblättern, um den Appetit eines Teenagers mit ausgewogener Kost zu stillen. Das FKE empfiehlt, das Arbeitslosengeld entsprechend zu erhöhen. Kinder und Jugendliche aus niedrigen sozialen Schichten leiden heute zwei- bis dreimal so häufig unter Fettleibigkeit wie besser situierte Altersgenossen. Ursache ist nach Ansicht der Forscher eine unzureichende finanzielle Ausstattung der Familien. Zur Sicherung des Lebensunterhaltes stehe Empfängern von Arbeitslosengeld II heute ein Betrag von 347 Euro pro Monat zur Verfügung. Für Kinder gibt es pauschal 60 Prozent dieses Regelsatzes, für Jugendliche 80 Prozent. "Rund ein Drittel dieser Summe veranschlagt der Gesetzgeber für Nahrung, Getränke und Tabakwaren", erklärt Dr. Mathilde Kersting, stellvertretende Leiterin des FKE. "Das sind gerade mal 2,57 Euro täglich für Kinder und 3,42 Euro für Jugendliche ab 14 Jahren. Damit lässt sich nach unseren Erkenntnissen eine ausgewogene Ernährung nicht realisieren."

Selbst wenn der Anteil, den der Gesetzgeber für Tabakwaren vorgesehen habe, im Ausnahmefall nicht für Zigaretten benötigt wird, reicht die Summe nur für ein großes McDonalds-Menü täglich. Das ist viel zu wenig, reicht jedoch nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation, um die Menschen im Durchschnitt immer fetter werden zu lassen. In Deutschland hält gerade einmal rund die Hälfte der Frauen das Normalgewicht. Unter den Männern finden sich sogar noch viel mehr Dicke. Die Zahl der Übergewichtigen steigt allerdings weltweit und liegt nach WHO-Schätzungen mittlerweile bei mehr als eine Milliarde, davon 300 Millionen Personen mit schwerem Übergewicht, das bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 beginnt.

Mit dem vielbeschworenen Anwachsen der weltweiten Armut grassiert das Übergewicht längst auch nicht mehr nur in den USA und Europa. Auch der bettelarme Mittlere Osten, einige pazifische Inseln und die Großstadtbevölkerung des wirtschaftlich aufstrebenden China machen den WHO-Forschern Sorgen. Rätselhaft ist derzeit noch der Zusammenhang zwischen steigenden Realeinkommen und parallel steigendem Übergewicht weltweit und der Tatsache, dass Gewichtszunahme in Deutschland je schneller geht, je geringer das Einkommen ist. Wäre die Welt dünner, wenn sie mehr zu essen hätte? Hilft eine Verdopplung der Bigmac-Dosis beim Abnehmen?

Dienstag, 31. Juli 2007

Google beantwortet wichtige Frage

Manchmal erinnert man sich gar nicht mehr, wie das früher war, als man manches nicht wusste und auch keinen kannte, der einem weiterhalf. War der Sinn des Lebens 41? Oder doch 23? Liegt Tansania neben Uganda oder hinter dem Sudan? Und von wo aus gesehen eigentlich? Damals fragte man sich gelegentlich besorgt, ob die Geschichten aus den Märchen wirklich passiert sind. Ob Teppiche fliegen können. Und ob Einhörner tatsächlich leben. Heute gibt es Google, unseren großen, allwissenden Freund, der nie Pause macht und über mehr Wissen verfügt, als wir alle zusammen je haben werden. Google wird, wie wir nicht müde werden zu betonen, bald untergehen. Weiß bis dahin alles über alle, auch wenn sie nur Einhörner sind.

Hier spricht die RAF

Als die Mitglieder der ersten Generation der RAF vor 31 Jahren im Hochsicherheitstrakt von Stammheim vor Gericht standen, waren noch Dinge möglich, die heute in keinem Amtsgericht mehr vorstellbar sind. So schnitten Reporter des SWR Teile der Verhandlung auf Tonband mit. Jetzt sind die kruden Erklärungen der Stadtguerilleros erstmals nachzuhören, und zwarhier.

Montag, 30. Juli 2007

Juli lässt abreißen

Während wir zitternd auf den wie immer herunterpladdernden Sommerregen schauen, erfreuen wir uns noch einmal an den Katastrophenmeldungen von vor vier Wochen. Eine so lange Periode mit Temperaturen, die für die Jahreszeit jeweils deutlich zu hoch liegen, hatte der Deutsche Wetterdienst DWD da nämlich "seit Beginn seiner Aufzeichnungen noch nie registriert". Und nicht nur das, ein ganzer Klimatrend versteckte sich im Sonnenschein: "Mit 1,9 Grad Celsius über den normalen Werten für diesen Monat war der Juni des Jahres 2007 der zehnte Monat in Folge mit sehr hohen Temperaturen", meldete der DWD. Und dabei, hieß es weiter, sei der Juni sogar das schwächste Glied der Kette gewesen. Der Mai hatte sogar zwei Grad mehr als üblich, der April sogar 4,4 Grad, der März war 2,6 Grad zu warm, der Februar 3,9 und der Januar wartete mit satten 4,6 über dem Soll auf.

Damit noch lange nicht Schluß. Nicht viel kühler war auch der Dezember 2006 mit 4,2 Grad über den Normalwerten. Und auch die Herbstmonate November mit 3,0, Oktober mit 3,2 und September 2006 mit 3,6 Grad über der Norm seien außergewöhnlich warm gewesen. Der Juli 2006 war dann sogar der wärmste je in Deutschland gemessene Monat mit 5,2 Grad über dem üblichen Juli-Niveau. Der weltweite Temperaturanstieg, den der Weltklimarat IPCC in etwa gleicher Höhe für das Jahr 2100 vorhersagt, schien da schon fast greifbar. Bis der Juli 2007 kam. Und die Kette abreißen ließ. Weil er lieber regnete, regnete und regnete. Ob überdurchschnittlich, wird der DWD demnächst bekanntgeben.

Schönheit mit Schleier

Da war jede Menge nackte Haut zu sehen, bei der Wahl der Miss Arabia. Im Unterschied zu westlichen Misswahlen aber mussten die spätere Siegerin Wafa Yaqoop, amtierende Miss Bahrain, und ihre Konkurrentinnen keine Bikinishow absolvieren, um sich den Titel zu sichern, es reichte, das Gesicht zu zeigen. Die Kleiderordnung bei der Misswahl der eher locker gelaunten Muslime war allerdings für westliche Augen dennoch gewöhnungsbedürftig: Die Kaftane meist brüllend bunt, die Köpfe mit Tüchern verhängt, in gestickten Capes und Pluderhosen wetteiferten die Schönen aus dem Libanon, Palästina und Jordanien um den Ruhm. Für orthodoxe Islamisten ist die züchtige Veranstaltung dennoch ein Anschlag auf den wahren Glauben, schon allein, weil die 23-jährige Siegerin im Hauptberuf als Lehrerin arbeitet.