Google+ PPQ: Spielsuchtverbot vor dem Aus

Donnerstag, 7. April 2011

Spielsuchtverbot vor dem Aus

Der Kampf war ein ungeheurer, er galt einem beinahe unbezwingbaren Monster, das zahllose Familien obdachlos machte, Familienväter verwahrlosen ließ, viel Geld für die Handkasse von Landespolitikern abwarf und eine gigantische Industrie zur Bekämpfung seiner verheerenden Wirkungen hervorbrachte.

Entschlossen bis zur Bandenwerbung bei deutschen Länderspielen in Staaten ohne Spielsuchtproblem wie Österreich gingen Landesbehörden etwa in Sachsen-Anhalt gegen illegales Glücksspiel vor. Die Mannschaft von Werder Bremen musste eines Tages bei einem Spiel in Magdeburg oben ohne auflaufen. Real Madrid durfte in München nicht seine üblichen Bwin-Trikots tragen. Die ehemals ostdeutsche Firma Sportwetten Gera ging sogar pleite, nachdem sie die Wettaufsicht, die das Volk schützt, über Jahre mit zahllosen Klagen überzogen hatten.

Glücksspiel, das war das Gegenteil von Lotto, weil bei Lotto jeder weiß, dass er ohnehin nicht gewinnt. Während beim Glücksspiel mancher glaubt, er können Geld machen mit dem Wissen, dass Bayern München wahrscheinlicher Meister wird als der FC St. Pauli. Denn am Ende steht Dortmund ganz oben und Haus, Pferd und Swimmingpool sind verspielt, die Frau muss anschaffen gehen, die Kinder räumen nachts Regale ein, um die Familienschulden zu tilgen.

Ja, es war eine große sozialpolitische Maßnahme, dass alle Landesregierungen bis heute in der Nachfolge des Glücksspielrechtes des 3. Reiches beschlossen hatten, nur staatlich organisierte Spiele um Geld zuzulassen. So flossen die Erträge dem Staat zu, die Tränen aber über die Verluste blieben privat. Lotto warb groß und gelb, im Kleingedruckten aber warnte die Staatsgesellschaft eilfertig, nur ja nicht auf die Werbung hereinzufallen. Wasch mich, aber mach mich nicht nass - niemals zuvor ist dieses Konzept so konsequent umgesetzt worden.

Nun aber der Rückschlag: Bezwungen von menschenverachtenden Europarichtern, die meinen, Lotto mache auch süchtig, wenn der Finanzminister alle Gewinne einstreiche, sahen sich die Bundesländer jetzt gezwungen, Spielsucht offiziell zuzulassen. In einem neuen Staatsvertrag sollen, nachdem sich an den alten sowieso niemand mehr gehalten hatte, sieben Spielsuchtanbieter eine staatliche Lizenz zur Verbreitung von Laster und Gier erhalten.

Die "Länder regeln den Glücksspielmarkt neu", vermeldet dpa. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, bisher einer der Hoheprediger des Totalverbotes aller privaten Spielsuchtangebote, zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Trikot- und Bandenwerbung für Sportwetten, wie seine Regierung sie Werder Bremen einst per Verfügung zu zeigen verbot und wie sie ARD und ZDF schon seit Jahren einfach anbieten, als sei sie erlaubt, würde nun zugelassen. Fernsehwerbung für Sportwetten im Umfeld von Sportsendungen dagegen nicht. Live-Wetten im Internet sollen bei lizensierten Anbietern nur auf das Endergebnis möglich sein, um die als besonders gefährlich geltenden Tipps auf den nächsten Einwurf, das nächste Tor und den Halbzeitstand zu verhindern. 'Schleswig-Holstein sieht noch Prüfaufgaben, alle anderen Bundesländer haben keine Bedenken", sagt Böhmer, als hätte er nie etwas anderes gesagt.

Wette: Mit dem Zweiten sieht man öfter
Suchtgefahr ist gar nicht wahr
Gewinnen mit Bwin
Bluthilde exklusiv: Banken schuld an Wettverlusten

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Es ist doch gut, daß die Länder den Glücksspielmarkt nun friedlich regeln. Die Schiessereien unter den Lottoanbietern mit Staatsbeteiligung waren schon eine echte Belastung.