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Sonntag, 16. September 2012

Abschied vom Bann, willkommen Fluch

Diesmal muss es, diesmal muss es wirklich sein. Nach einem halben halben Dutzend an Misserfolgserlebnissen kam Darmstadt 98 der Mannschaft von Trainer Sven Köhler gerade recht, um zwei Böcke umzustoßen. Einmal sollte die auch nach acht Spieltagen noch torlose Offensive endlich treffen. Und andererseits hatte sich die beste Abwehr der Liga vorgenommen, trotz des Ausfalls von beiden etatmäßigen Innenverteidigern endlich mal wieder ein Spiel nicht zu verlieren.

Am Ende waren beide Mannschaftsteile dann auch nah dran, so nah wie nie sogar, seit der letzte Heimsieg gegen Rot-Weiß Erfurt gelungen war. Das ist einige Wochen und einige empfindliche Pleiten her. Auch die Elf, die Köhler unterdessen aufzustellen gezwungen ist, gleicht der von damals nur noch rudimentär. Dennoch macht sie ihre gegen die Lilien anfangsausgezeichnet. Vor allem der wirblige Erich Sautner, für den als zweiter Sechser aufgelaufenen Toni Lindenhahn auf außen, dribbelt sich immer wieder in aussichtsreiche Flankenposition. Wie meist im Verlauf dieser ersten Drittliga-Saison der Hallenser kommen die Bälle zwar nicht beim einziger Stürmer Nils Pichinot an. Aber dessen Hintermann Telmo Texeira, der schon nach zwei Minuten gefährlich auf das Darmstädter Tor geschossen hatte, macht es nach 35 Minuten besser: Aus vier Metern nimmt er eine Sautner-Flanke mit dem Kopf und versenkt sie.

Endlich mal wieder eine Heimführung, endlich mal wieder nicht einem 0:1-Rückstand stundenlang vergebens hinterherlaufen. Der HFC lässt sich auch nach dem ersten Treffer eines Offensiven in dieser Saison nicht von der rustikalen Gangart der Gäste irritieren. Mast, Lindenhahn und Sautner drücken, hinten stehen die beiden Ersatz-Innenverteidiger Wagefeld und Zeiger meist sicher - und wenn nicht, rettet Torwartdenkmal Darko Horvat.

Als Mast nur vier Minuten nach Texeiras Führungstreffer zum 2:0 trifft, sind alle Messen gesungen. Vier Gegentreffer hat der HFC in den bisherigen sieben Saisonspielen kassiert, selbst wenn hier noch war für die Darmstädter geht, dürfte es also reich rechnerisch nicht mehr zu einem Punkt reichen. Zumal der in die ganze Saison fehlgestartete Gast selbst nicht mehr an seine Chance zu glauben scheint, denn er überlässt dem HFC auch nach der Pause weitestgehend das Spiel.

Woran es dann gelegen hat, wird nach Abpfiff niemand so genau sagen können. Denn obwohl Halle das Spiel im Griff hat und Darmstadt seine wenigen Chancen entweder nicht konsequent ausspielt oder aber an Torwart Horvat scheitert, passiert, worauf in der 80. Minute nach keiner der 7000 Zuschauer auch nur einen Kriseneuro gesetzt hätte. Erst zappelt der Ball einmal im Netz hinter Horvat. Und kaum hat Sven Köhler auf den nachlassenden Vorwärtsdrang seiner Männer reagiert und Preuß und .... für Hartmann und Sautner gebracht, steht es 2:2.

Immerhin: Originell ist das. War es bisher immer die Offensive, die die Spiele verloren hat, während die Defensive sie gewann, ist es heute mal andersherum. Der aussortierte Andis Shala sieht von draußen, wie die sicher geglaubten drei Punkte sich in einen einzigen verwandeln, obwohl der Erfolgsbann, unter dem die HFC-Stürmer und ihre offensiven Mittelfeldkollegen bisher standen, endlich gewichen ist. Und er sieht außerdem, wie die keineswegs schlecht aufgelegte Abwehr ihre erste große Pleite erlebt.

Ernüchterung überall, schließlich hatte auch die Vereinsführung das Spiel gegen Darmstadt zur Sechs-Punkte-Begegnung ausgerufen, durch die ein weiterer großer Schritt zum Klassenerhalt gegangen werden sollte. Fehlanzeige, auch wenn der eine gewonnene Punkt mehr ist als das in den letzten verlorenen Heimspielen stabil eingeheimste Lob, die bessere Mannschaft gewesen zu sein. Nach zwei Monaten in der neuen Liga aber steigt der Druck, auch zu Hause mal wieder erfolgreich zu sein - und Druck war bisher nie etwas, das den Hallensern wirklich lag.

Kommentare:

stephan hat gesagt…

Kleine Mäkelei: Texeiras Treffer war nicht 20 sondern 40 Minuten später.

Ansonsten glaub ich, daß wir den Sieg durch die blöde Wechselei verschenkt haben. Hauk für Pichinot, weil der sich verletzt hat, war in Ordnung. Aber warum mußte es ein Doppelwechsel sein, wenn Hartmann angeschlagen ist? Mouaya rein, Wagefeld rückt dafür nach vorne und die Abwehr hat kaum noch Zeit sich bis zum Spielende neu einzufädeln. Ausgerechnet Sautner gegen Preuß, der gefühlt allen Aktionen nur hinterhergelaufen ist. Ein einziges Durcheinander in der Mannschaft und genau in dieses Durcheinander fallen dann die zwei Gegentore.

ppq hat gesagt…

habs korrigiert. auch ansonsten gebe ich dir recht.