Google+ PPQ: Innovative Geschäftsideen: Prangern statt googeln

Sonntag, 23. September 2012

Innovative Geschäftsideen: Prangern statt googeln

Aufgehoben ist nicht aufgeschoben! Ein neues großes Webportal, von dem Insider seit Monaten wispern, sollte in diesen bewegten Tagen starten, muss aber leider weiter warten. Die Geschichte dieses Scheiterns der Idee einer einfallsreichen gemischten Mädchengruppe aus Mitteldeutschland (oben) ist ein Lehrstück, eine Geschichte, die davon erzählt, wie ein überreguliertes, von Amtsgerichten regiertes und in Paragrafen eingepferchtes Land unternehmerische Initiative und gesellschaftliche Innovation ausbremst und erstickt. Dabei war die Idee so simpel: Eine Datenbank sollte, ganz im Sinne des vielbeschworenen Web 2.0, von ihren Nutzern gefüllt werden - nicht mit schnöden Waren wie bei Ebay und nicht mit komischen Kommmentaren wie bei Spiegel.de.

Nein, pranger.de war angetreten, den Druck aus den Köpfen vieler Enttäuschter, Verlassener und Betrogener zu nehmen. Als soziales Überdruck-Ventil wollte die von einigen kunstsinnigen Enthusiasten mit Prekariatserfahrung konzipierte Seite außerhalb der geschlossenen Anstalten Möglichkeiten schaffen, Frust konstruktiv und fröhlich abzulassen und Ärger über Ex-Freundinnen und E-Freunde, säumige Rechnungszahler und pfuschende Handwerker, verlogene Politiker und unpünktliche Lokführer gepflegt und mit einem rufschädigendem Augenzwinkern zu artikulieren.

Der erste Beitrag stand schon fest: Einer der Initiatoren plante, einer früheren Verflossenen unter der Überschrift "Meine Ex, die alte Schlampe" noch einmal ein gemeinsam angefertigtes recht pikantes Video zeigen. Auch weitere interessante Beiträge nahezu fertig erstellt: Ein Mann, dessen Auto bei einem Verkehrsunfall einen Kratzer abbekommen hatte, wollte dem Unfallgegner ein außergerichtliches "Arschloch" nachrufen, eine Frau, der bei Ebay gefälschtes Parfüm angedreht worden war, die Welt vor dem gewissenlosen Verkäufer warnen.

Doch nun, mitten in der heißen Phase, stellt sich heraus, dass pranger.de bereits belegt ist. Und auch rufmord.de die nicht minder aussagestarke Alternative, wird bereits benutzt. Von der Vereinigung der Unternehmerverbände im Aachener Industriegebiet, die sich offenbar in einer Nebenrolle als Domaingrabber gefällt. Und damit echte Initiative von unten ausbremst. Die Warnungen kleingeistiger Rechtsexperten vor möglichen rechtlichen Konsequenzen, die eine als Beleidigungs- und Beschimpfungsportal angelegte innovative neue Seite in einem restlos überregulierten Staat wie Deutschland hätte haben können, haben die Initiatoren noch verlacht. Das aber tötet jedes Geschäftsmodell. Schade drum, denn potentiell war "prangern" schon ein Wort wie "Googeln". So aber geht eine große Idee aus der Welt, ohne sie besser gemacht zu haben. Und die Chinesen bauen das dann wieder nach. www.rufmord.asia ist noch frei.

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1 Kommentar:

Die Anmerkung hat gesagt…

Aber wir lieben doch alle, was braucht es da 'nen Pranger?

Wirliebeneuchalle.de müßte nun als Geschäftsidee geprüft werden.