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Samstag, 13. Oktober 2012

Wir sind Nobelpreisträger!


Europa steckt in der tiefsten Krise seit dem 2. Weltkrieg, die Währung ist morsch und die deutsche Kanzlerin muss immer wieder warnen, dass der Kontinent untergehen könnte. Die Griechen nennen die Deutschen Nazis, die Briten und die Tschechen wollen nicht, was die Franzosen und die Luxemburger wollen. Die Polen lehnen das gemeinsame Geld ab, die Ungarn ebenso, die Spanier müssen gerettet werden, die Italiener fühlen sich unterdrückt, die Österreicher als Zahlmeister. Die Katalonier wollen aus Spanien austreten, Tirol möchte Italien verlassen. Selbst die Türken mögen im Moment nicht mehr beitreten.

Europa ist ein Erfolgsmodell, das hat auch das Nobelpreiskomitee messerscharf erkannt. Bürokratisch, zerstritten, von einer funktionierenden Demokratie weit entfernt, in derzeit zwei Kriegen engagiert und bis an die Zähne bewaffnet. Als Alfred Nobel festlegte, dass der nach ihm benannte Preis an den gehen sollte, "der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt" hat, muss er die Eu im Sinn gehabt haben. Das norwegische Nobelpreis-Komitee würdigte denn auch endlich die Jahrzehnte währende Arbeit der EU als Stifterin von Frieden und Versöhnung, von Demokratie und Menschenrechten in Europa. Die zehn Abgründe, die den Ausschlag gaben:

Europa hilft

Wer nur in eigenen Grenzen denkt, übersieht die Hilfe, die diese EU für die Menschen in geringer entwickelten Regionen der europäischen Familie bietet. Ohne die EU würden diese Länder nicht mit jährlich 50 Milliarden Euro aufgepeppt, damit sie gut leben und an unserem Wohlstand teilhaben können, sei es auch auf Pump. Was uns im Übrigen gut tut: 63 Prozent der deutschen Exporte kaufen uns unsere europäischen Nachbarn mit dem Geld ab, dass wir ihnen zuvor borgen, so dass alle immer glücklicher werden.

Europa ist sozial

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, unabhängig von Geschlecht, Religion oder Rasse, nur unterschieden nach Wohnort, ist ein Gesetz der Europäischen Union, das wahrscheinlich bald umgesetzt wird. Dass es heute erschwingliche Medikamente für Kinder mit seltenen Krankheiten gibt, wäre ohne Brüssel nicht denkbar. In der Schweiz etwa sterben die Betroffenen. Die Abgeordneten in Brüssel aber forschen täglich nach neuen Behandlungsmethoden und stellen uneigennützig Medikamente her. Und dass die Armutsquote bis 2020 drastisch gesenkt werden soll, nachdem der Plan, sie bis 2010 zu halbieren, nicht klappte, ist ein Ziel, dass ohne Europa nicht auf der Tagesordnung stände. Absichtserklärungen sind immer preiswürdig.

Europa ist frei

Ohne Grenzen von Hammerfest bis Athen - das hat es in der Geschichte noch nie gegeben. Früher brauchte man noch einen Pass, heute reicht der Personalausweis! Ohne Geldumtausch nach Mallorca, auf die Kanaren oder nach Rhodos oder sogar nach Peru, weil Geldautomaten überall die jeweilige Landeswährung ausspucken - für Europa ist das etwas völlig Neues. Die USA sind zwar größer, ebenso wie China, so dass Menschen dort noch weitere Strecken grenzenlos reisen können. Doch Amerikaer können in ihrem Land nicht ohne weiteres auf die Kanaren fahren, weil es dort keine Kanaren gibt. Und Chinesen haben kein Rhodos! Freiheit ist nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk, das die EU-Kommission den Europäern gemacht hat. China und die USA bekommen als nächste den Nobelpreis.

Europa ist bürokratisch

Das ist ein Vorwurf. Und gibt Sicherheit. Wer heute versucht, seine Nachbarn politisch zu überrumpeln, bleibt im Gestrüpp der Brüsseler Genehmigungsverfahren hängen oder er erreicht sein Ziel, wie zuletzt die EZB, die einfach Staatsanleihen ankauft, obwohl ihr das verboten ist. Oder wie Griechenland, dass seine Aufnahmeunterlagen fälschte, aber nicht bestarft werden kann. Wer zu Hause die demokratischen Spielregeln außer Kraft setzen will, muss es machen wie Italien: Man setzt eine technische Regierung ein.  Hüterin der Verträge in Brüssel ist ja auch nur die EU-Kommission, die selbst allenfalls so demokratisch ist wie der Verwaltungsrat von Gasprom. Um es anders zu sagen: Wer heute in Europa versucht, einen Streit anzufangen, muss nur sagen, er will keinen. Bürokratie macht behäbig, legt dem Ungestüm Fesseln an. Bürokratie, das sah Nobel vor seinem geistigen Auge, als er seinen Preis stiftete.

Europa vereinfacht

Wenn die Europäische Union anfängt, zu regulieren und zu harmonisieren, bekommt man es mit der Angst zu tun. Doch nicht immer kommen dabei die viel kritisierten Normen für Gurken oder Bananen heraus, meist ist es noch schlimmer. Die Glühbirne wurde verboten, Umweltzonen wurden erfunden, die EU mixte Biosprit ins Benzin. Dass der Reise-Föhn auch auf Capri in die Steckdose passt, ist kein Ergebnis der EU-Harmonisierung, nein, die Italiener hatten schon vor 70 Jahren dieselben Steckdosen. Dass die Briten sich diesem System der Festlandsanschlüsse anschließen, hat die EU noch nicht geschafft. Dass USB-Normstecker überall passen, verdankt sich dem Umstand, dass die EU-Monopolkommission mit der Entscheidung nichts zu tun hatte.

Europa ist diplomatisch

Andere intervenieren, drohen mit Waffengewalt oder setzen auf Druck. Europa auch. Dänen und Italiener mischten im Irak mit, deutsche Truppen stehen am Hindukusch. Holländer befriedeten den Balkan. Deutsche und französische Waffen sind auf jedem Kriegsschauplatz der Erde zu finden, Griechenland ist das Land mit den höchsten Militärausgaben pro Kopf weltweit. Krieg als Exportschlager - ein Rezept für den Nobelpreis.

Europa gibt nicht auf

Was sich manche Regierungen der heutigen Krisenstaaten geleistet haben, ist schon ein starkes Stück. Doch gerade deshalb rückt Europa zusammen, lässt nicht los, sondern erfindet Hilfspakete und Rettungsschirme, weil die Angst groß ist, dass die große Verflechtung der Wirtschaften bei gleichzeitigem Ausschuss einer Ausstiegsklausel alle Staaten in einen Abwärtstrudel reißen könnte. So viel Solidarität ist einzigartig auf der Welt, wie überhaupt die ganze EU einzigartig ist. Bei aller berechtigten Kritik an der Krisenintervention - diese Gemeinschaft kann sich so wenig auseinanderdividieren lassen wie ein Dreibeinständer: Fehlte ihm ein bein, würden auch die anderen fallen. Das werden auch die bösen Spekulanten noch merken und dann geht es ihnen an den Kragen!

Europa sichert Jobs

Es geht nicht nur um Wachstumsprogramme und milliardenschwere Fördermittel. Staatlich subventionierte Unternehmen drängen massiv auf den EU-Markt. Ob Solarzellen oder Bekleidung - Europas Spielregeln für den gemeinsamen Markt schützen die einheimischen Branchen und päppeln sie mit Fördermitteln, bis die Märkte ihre Produkte kaum noch aufnehmen können. Das sorgt dafür, dass die Arbeitslosigkeit im Süden Europas heute so hoch ist wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr, eine ganze Generation Jugendlicher steht auf der Straße - aber friedlich.

Europa macht Druck

Verbotene Preisabsprachen oder teure Roaming-Zuschläge - gegen Monopole und Kartelle sind die einzelnen Mitgliedstaaten machtlos wie man an der Schweiz sieht, die total unter diesen Erscheinungen leidet. Dass Gespräche von Paris nach München immer noch doppelt so teuer sind wie Gespräche von München nach Hamburg, wäre ohne die EU nicht denkbar. Und dass ein Software-Gigant wie Apple weiter auch in Europa Konkurrenten aussperren und seine Preise nach Gutsherrenart festlegen kann, ist auch ein Verdienst der Gemeinschaft. Ob man es glaubt oder nicht: Man kann die europäischen Erfolge im Portemonnaie spüren, es wird - dank 2,3  Prozent Inflationsrate bei null Prozent Guthabenzins, von Tag zu Tag leerer.

Europa hat den Euro

Auch wenn es in der Krise kaum glaubhaft klingt: Auch der Euro ist ein Geschenk der Politiker an die Menschen. Derart niedrige Inflationsraten wie seit der Einführung hat es früher nie gegeben, weil die Zentralbanken damals nie so billig Geld ausgaben. Die D-Mark war hart, der Euro ist härter und unter heutigen Bedingungen wäre die D-Mark am allerhärtesten. Gut, dass sie nicht mehr da ist! Das Schicksal der Schweiz und Norwegens zeigt, was den Deutschen sonst gedroht hätte. Denn nun zwingt die Zukunft unseres Geldes dazu, mehr zusammenzurücken und Zwang ist immer der beste Ratgeber. Ihm nachzugeben, ist eine freie Entscheidung, die uns alle glücklich machen wird. Der Euro mag unbeliebt und die Geldscheine hässlich sein. Das politische Projekt "Euro" hat viel bewirkt - etwa die größte Krise seit dem 2. Weltkrieg - und im Ergebnis die Vergabe des Nobelpreises an einen ganzen Kontinent. Jeder Europäer kann sich nun "Nobelpreisträger" nennen - dafür hat es sich doch gelohnt!"

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