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Mittwoch, 30. Januar 2013

Wiedergeboren als feminine Freiwilligkeit

Wenn die Archäologen einer fernen Zukunft einst nach dem Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie suchen, werden sie hier fündig werden: Formal gleiche Frauenrechte in westlichen Konsensgesellschaften unterscheiden sich n der interpretativen Wiedergabe durch geschmackvoll gemachte Medien durchaus grundsätzlich.

Tun zwei dasselbe, ist es noch lange nicht das Gleiche. Und umgekehrt. So hat der syrische Diktator Assad Frauen in seinem Land die Genehmigung erteilt, nicht nur Dienst an der Waffe zu tun, sondern sich auch bewaffnet in vorderster Front erschießen zu lassen. Ein klarer Fall: Dem Völkermörder gingen die Soldaten aus, deshalb schicke er nunmehr seine "Löwinnen" an die Front, analysiert ein großes deutsches Volksmagazin.

Von "schicken" ist bei der Beschreibung feministischer Traumziele auf der anderen Seite des Atlantik freilich nicht die Rede. Hier hat der Friedensnobelpreisträger Barack Obama auf Vorschlag seines scheidenden Verteidigungsministers entschieden, dass US-Soldatinnen ab sofort mit an die vorderste Front dürfen. Formulierungstechnisch wohnt dem Geschehen ein wunderbarer Moment femininer Freiwilligkeit, das keine von Assad geschickte syrische Soldatin kennt. Dort, wo der Diktatur herrscht, werden Frauen geschickt, sie sind Werkzeug, Ding, Objekt. da aber, wo der Friedensnobelpreisträger seine Kriege führt, entfaltet sich die Frau in ihrem freien Willen. Sie weiß, was sie kann. Und  sie darf, was sie mag.

Zur gegenwartsbegleitenden sprachkritischen Reihe Wiedergeboren als...

Kommentare:

Corax hat gesagt…

Ja, in einer Diktatur werden die Menschen geschickt und in einer Demokratie werden sie abgeholt (und zwar je demokratischer, desto mehr da, wo sie sind).

derherold hat gesagt…

"... in einer Diktatur werden die Menschen geschickt ..."

Jein.
Sag mir, wo Du stehst:

"Im Soschialismusch durften sich Frauen am Fließband und im Wohnbaukombinat_Plattenbau "Ernst Thälmann" verwirklichen. Im Dt. Kaiserreich war die Ausbeutung so schlimm, daß sogar Frauen arbeiten mußten und der deutsche Arbeiter nicht mehr seine Familie alleine ernähren konnte."
Jürgen Kuschinski

Teja hat gesagt…

Schöne Entlarvung wieder mal. Die Erzeuger dieser Ergüsse merken es selber wahrscheinlich nicht, aber selbst wenn, würden sie es sogar begründen können, bzw. diese Häme hier nicht verstehen.

@derherold

Bei den anderen=schlechteren Gesellschaftsformen scheinen die Gutmenschen auf einmal zu wissen, was Recht ist und was Unrecht.

Anonym hat gesagt…

Letztendlich ist die Antwort auf die Frage, wem es nützt, die für den klassenbewußten Redakteur entscheidende. Assads Löwinnen werden verheizt, während Obama die Selbstverwirklichung der Frau an der Front befördert.

Der Blogwart kann sich noch an die Huschelchen erinnern, die Saddams Truppen in die Hände fielen und die vor der Kamera beteuerten, wie toll sie doch behandelt würden. Und die waren damals von einer Nachschubkolonne.

Daß die mit zweierlei Sprach - Elle messen, ist doch die Regel. Demokraten vom schwarzen antifaschistischen Block demonstrieren, wohingegen Nazis immer aufmarschieren. Auch wenn sie nur dahintrotten.

Anonym hat gesagt…

„Im Soschialismusch durften sich Frauen am Fließband und im...“

In der Diktatur des Proletariats waren die Damen, sofern sie zum Proletariat gehörten, ja auch selbst Diktatorinnen und entsprechend menschenverachtend schickten sie sich selbst an die Fließbänder.

Anonym hat gesagt…

"Diese Flintenweiber...hast du die neulich in der Wochenschau gesehen?" - "Das ist ganz falsch!..." sagte Friedel Krüger ...
Aus: die Abenteuer des Chaim Noll (Roman einer Jugend)