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Freitag, 8. März 2013

Verbot der Woche: Kein Echo für Italiener


Am Ende hat sich das gesunde Volksempfinden, haben sich Facebook-Aufschrei und Pop-Musiker-Proteste gegen musikalische Konkurrenten doch durchgesetzt. In einem einmaligen Akt hat die Deutsche Phono-Akademie die Rockband Frei.Wild von der Nominierungsliste für den Medienpreis "Echo" gestrichen. Damit wolle man verhindern, dass der Preis selbst Schaden durch die seit Wochen andauernde Diskussion um die Zulässigkeit einer italienischen Rockband mit deutschen Texten nehme. Die Diskussion hatte sich verschärft, nachdem die Schlagersängerin Jennifer Rostock Jugendlichen verboten hatte, in Frei.Wild-T-Shirt ihre Konzerte zu besuchen. Daran anschließend hatten Facebook-Nutzer und Großsponsoren die Veranstalter eines Open-Air-Festivals in Sachsen gezwungen, die italienische Gruppe aus dem Programm zu nehmen.

Nach diesem Etappenerfolg ist der Kampf gegen Frei.Wild nun zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe geworden. Mangels echter Nazis und richtiger rechtsradikaler Rockbands fehlt es korrekten Musikern wie den Ärzten, der aus Berlin stammenden Chansontruppe Mia, den Chemnitzer Raprockern Kraftklub und den Toten Hosen derzeit an Möglichkeiten, die Richtigkeit der eigenen musikalischen Botschaft angemessen darzustellen. Frei.Wild waren zuletzt in den Hitparaden erfolgreicher als Mia und Jennifer Rostock gewesen und saßen den alteingesessenen Ärzten und Toten Hosen mit ihren Verkaufszahlen direkt im Nacken. Für den "Echo" wurden bisher automatisch die Bands nominiert, die die meisten CDs verkauft haben. Wegen des Falles Frei.Wild hat die Jury nunmehr den Passus eingefügt, dass diese Regel nicht gilt, "wenn öffentlich Zweifel an der Verlässlichkeit der staatsbürgerlichen Treue" laut werden. Die Phono-Akademie zieht damit Konsequenzen aus einer unguten Tradition, nach der sich Italiener in der Stunde der Not immer wieder als unzuverlässige Verbündete erweisen.

Der Echo solle "nicht zum Schauplatz einer Debatte um das Thema der politischen Gesinnung dieser Band werden", begründeten die Veranstalter die Veränderung der Regularien zur Preisvergabe, die nun vorsehen, dass vor der Nominierung eine Gesinnungsprüfung alle Bandmitglieder und Fans stattfindet. Fest stehe, dass Frei.Wild-Sänger Philipp Burger vor zwölf Jahren für einen Zeitraum von sechs Wochen beinahe Mitglied der Minderheitenpartei der deutschsprachigen und ladinischen Volksgruppe in der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol gewesen sei. Die Konsequenzen seien nicht übersehen: Bei den Wahlen im Februar erzielte die Partei mit 15,9 Prozent ein Wahlergebnis, das die gesamte deutsche Rockszene einhellig verurteilt hat.

"Wir haben in den letzten Tagen heftige Kontroversen um die Nominierung von Frei.Wild, die auf Basis der Charts-Auswertung erfolgte, erlebt, die den gesamten Echo und damit auch alle anderen Künstler und Bands überschatten", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke. Wenn Kritiker einer Band unkorrektes Gedankengut mit "nationalistische und rechtspopulistische Tendenzen" vorwerfen, müsse reagiert werden, auch wenn junge, schöne Grufti-Mädchen deren Songs irrtümlich nachspielten. Bei Frei.Wild sei das unverkennbar: "In der Hölle sollen deine Feinde schmor'n" heiße es da über Südtirol, einen integralen Teil der EU, und fälschlich werde auch gesungen: "Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat - ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk".

Zur bundeseigenen Reihe "Verbot der Woche"

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Zum Glück hat Bushido keine politische Gesinnung, sondern ist bloß so ekelhaft und sieht außerdem wie ein Ausländer mit der korrekten Hautfarbe aus, anders als diese heimatverbundenen (igitt), viel zu weißen Norditaliener.
Für die Gratiswerbung können Frei.Wild den linksradikalen Schlagervögeln aber kaum genug danken.

Cordt hat gesagt…

Ein schöner Erfolg der "Deutsche! Wehrt Euch!"-Kampagne und ein mutmachendes Zeichen von Zivilcourage in Zeiten von wachsendem Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.
Es wäre ein völlig falsches Signal an Kinder und Jugendliche, wenn Hitlers Lieblingsband ein Podium und dazu womöglich noch einen Preis bekäme.
Weiter kann angesehenen deutschen Sängern kaum zugemutet werden, mit diesen ausländischen Negern auf einer Bühne zu stehen, zu musizieren oder ihnen gar die Hand geben zu müssen.
Nebenbei hat bereits das AA auf die durch den drohenden Affront drohende Verschlechterung der Beziehungen zu unseren italienischen Freunden hingewiesen. Die Freiheitlichen, denen einer der unerwünschten Ausländer nahe steht (2008), gelten als politischer Arm der Terrororganisation ETA und keineswegs als politisch von der EU zu unterstützende antiimperialistische Befreiungsorganisation wie etwa arabische Gruppen der Levante.

Corax hat gesagt…

Ich war nie in meinem Leben ein Hörer oder gar ein Fan von Gruppen wie den Toten Hosen oder den Ärzte. Das ist gut, da brauch ich mich jetzt nicht zu schämen. Dass es einen „Medienpreis Echo“ gibt, wusste ich bislang nicht, und weiß ab jetzt, dass man das auch nicht zu wissen braucht.

derherold hat gesagt…

Daß die Ärzte sich rollenkonform ihrem Milieu andienen, ist nicht überraschend.

Originell finde ich das unbedingt-auch-dabei-sein-wollen von KarlMarxStadt.

Papa Jan Kummer hat noch den jungen DDR-Künstler-Rebellen gespielt und die privilegierten Söhne können gar nicht schnell genug den FDJ-Preis für Jugendkultur entgegennehmen.

Respekt !

Anonym hat gesagt…

Da kann ich auch von Glück sagen, dass mir diese triviale Kadenzmusik (U-Musik) total am Südpol vorbeigeht. Zusammen mit ihren Protagonisten kann sich das auf Neandertaler-Niveau zurück entwickelte „teuflisches Geplärr und Geleier“ zu Selbigem scheren.

Insbesondere europäische Jung-VollpfostInnen, die sich darin gefallen das mit dumpfem Gerummse unterlegte US-Negergebrüll (Rap, Hiphop ?) nachzuäffen, können sich von mir aus ins Pfefferanbaugebiet verziehen. Daher sind mir auch die diversen dubiosen Preise am wurschtesten, mit denen sich die Exponenten dieser „Szene“ gegenseitig zu bauchpinseln pflegt.

Leid tun mir die Millionen Jugendlichen irgendwo schon, die mit solcher Kakophonie aufwachsen , die solches infernalische Gerülpse und Gewürge für Musik halten.

Anonym hat gesagt…

Dank eines alten Mannes für den Hinweis auf Frei.Wild. Ja die Südtiroler... Auf Sprache und Kultur bestehen? In Europa? Wohl wahnsinnig geworden? Riesengefahr für den Weltfrieden! Separatisten! Man fragt sich woher diese Verwirrung in den europäischen Köpfen kommt. Siehe auch Katalonien, Basken allgemein, Schottland, Flamen Und die ReferendumsSeparatisten in UK und Holland (WDR-Deutsch:Niederlande).
Nun gut. Bedauerlich ist allerdings, dass es in den 50er, 60er und 70er Jahren nicht so aufrechte totale Sprachregler wie die Ärzte, die Greisen Hosen oder J. Rostock gegeben hat. Ok - E. Honecker hatte die Kulturbeurteilungskompetenz wie heute die Hosen oder Niedecken. Aber solche tollen Persönlichkeiten wie Mielke oder Honecker gab es ja im Westen nicht. Was wäre mir erspart geblieben! Ich wurde als Teeni in den 70ern vergiftet durch die sexistischen Texte und die Musik (kann man das eigentlich Musik nennen dieses Yeah, Yeah, Yeah?) von Frank Zappa, dann XTC, Wire später ViolentFemmes und tausend andere.
Noch früher: Kann man die frauenverachtenden Bewegungen eines Elvis Presley nicht nachträglich einfach verbieten, aus den Archiven löschen (wie das geht hat Genosse Stalin vorbildlich gezeigt)? Köstlich die Verzweiflung des Fasch... äh DemokratieabgabeTV beim Versuch aus den Südtirolern eine großdeutsche rechte Band zu machen (http://www.youtube.com/watch?v=kpc6ujWpgbk). 10000 Zuschauer pro Konzert? Die Jugend ist weit weniger doof als ich dachte. Und sei es nur um den Sowjets und Reichskulturkammern in Berlin und Brüssel zu zeigen, dass sie auf sie sch...
Herzliche Grüße an den Popbeauftragten der großen Greisen FunktionärrInnen Partei (aka SPD)!

Teja hat gesagt…

Nee, die Ärzte nehmen nicht am Echo teil. Und so wie ihr Statement zu interpretieren ist, zweifeln sie auch an dem Boykott der Freiwild-Band.

Thomas hat gesagt…

Die deutsche Phono-Akademie hat sich den Heldenstatus im Kampf gegen einen Gegner, der seit fast 70 Jahren tot ist, ehrlich verdient. Indem sie sich von politischen Erwägungen leiten ließen, haben sie erfolgreich einer Politisierung ihren Dingsda verhindert.
Das verdient unser aller Restecp!