Google+ PPQ: Frust statt Befreiungsschlag

Samstag, 6. April 2013

Frust statt Befreiungsschlag


Im Mittelpunkt steht am Ende ein Held, der das Heldentum verweigert. Michael Preuß, in der Regionalliga aus Halberstadt nach Halle gekommen und hier nach anfänglich bravourösen Leistungen nie richtig glücklich geworden, hätte im Spiel gegen den Drittliga-Konkurrenten Wacker Burghausen alles klar machen können für den Halleschen FC. Dreimal hatte der 29-Jährige den Führungstreffer auf dem Fuß. Dreimal verspringt ihm der Ball. Und weil auch der bisher so verlässliche Dauertorschütze Timo Furuholm diesmal nicht trifft und der später eingewechselte Nils Pichinot kurz vor Schluss seine einzige große Chance nicht verwerten kann, steht am Ende wie am Anfang ein 0:0 auf der Anzeigetafel.

Ein 0:0 der schlechteren Art zumal, denn nicht nur Preuß lässt in diesem ersten Heimspiel nach vier Wochen wetterbedingter Heimspielpause alle Tugenden vermissen, die zuletzt noch für Euphorie beim halleschen Anhang gesorgt hatten. Nie gelingt es dem wieder mit allen Winterneuzugängen startenden Hausherren, das Tempo in ihr Spiel zu bekommen, das das Aufbrechen der Burghausener Abwehr erlaubt hätte. Viel geht quer, viel geht hoch, zwingend geht wenig. Und wenn, dann enden die Versuche zuverlässig in den Armen von Wacker-Torwart Vollath.

Die Aufbruchstimmung, die den HFC binnen zweier Monate aus dem Tabellenkeller geführt und ganz große Optimisten schon von einem noch möglichen Aufstieg hatten träumen lassen, ist im Ekelfrühling 2013 schnell wieder verflogen. Mannschaftskapitän Maik Wagefeld läuft seiner Form aus dem letzten Sommer noch immer hinterher, Abwehrturm Steven Ruprecht agiert noch immer eher auffällig als verlässlich. Und die Neuen Ziebig, Ziegenbein, Leistner, Kujola und Furuholm tauchen heute wie schon am Mittwoch beim Auswärtsspiel in Wiesbaden an der Seite der Alten Hartmann und Wagefeld unter.

Dennis Mast ist der einzige, dem die 5400 im Stadion nach einer halben Stunde noch zutrauen, entscheidende Akzente setzen zu können. Doch auch der erstmals wieder ohne Gesichtsmaske auflaufende Hoffnungsträger hat nicht den glücklichsten Tag erwischt. Gelingt es ihm mal, auf seine unnachahmliche Weise bis zur Grundlinie durchzubrechen, verfehlt die folgende Flanke heute stets ihren Empfänger.

Die Fankurve zumindest meckert nicht. Pausenlos wird angefeuert, gelegentlich unterbrochen von rätselhaften Plakataktionen zur Rettung des Rufes der deutschen Pyrotechnikkultur. Aber der Funke zündet nicht. Nach überlegen geführten 40 Minuten, in denen Burghausen ausschließlich darauf bedacht ist, das 0:0 zu halten, grätscht Holz Daniel Ziebig an der Außenlinie um und sieht dafür zurecht Rot. Doch leichter wird das Spiel auch in Überzahl nicht. Der über die Rote Karte sichtlich erboste Omodiagbe entwickelt sich zum Alptraum der HFC-Offensive. Gnadenlos haut er weg, was zumeist unkontrolliert in den Strafraum fliegt. Und was doch durchkommt, wird von irgendeinem anderen Burghausener Bein, Arm oder Kopf abgelenkt.

Der HFC findet kein Mittel. Aber Trainer Sven Köhler, im Herbst schwer unter Beschuss, nach der Siegesserie zu Rückrundenbeginn aber sofort wieder als Trainergott gefeiert, sucht auch keins. Michael Preuß, der nach seinen vergebenen Chancen in der ersten Hälfte so verunsichert ist, dass ihm einfachste Zuspiele verspringen, bleibt auf dem Platz. Dafür muss der offenbar angeschlagene Marco Hartmann gehen. Für ihn kommt Erich Sautner, auch keiner, der ein Spiel gewinnt. Nico Kanitz dagegen, dem das gelegentlich gelingt, bleibt erstmal noch draußen.

Auf den Rängen hat sich nach 75. Minuten Frust breitgemacht. Ist die Mannschaft vielleicht nicht so schlecht, wie sie noch im Dezember wirkte, ist sie nun doch vielleicht auch nicht so gut, wie alle im goldenen Februar glaubte.

Das Ergebnis ist so nur konsequent. Halle müht sich, hauptsächlich über Masts linke Seite. Aber der Aufwand bringt nichts Zählbares ein. Immer fehlt ein Schritt, ein Zentimeter, eine Idee. Es ist, als glaubten inzwischen alle, der Abstieg sei kein Thema mehr. Und beschäftigten sich deshalb im Hinterkopf schon mit der nächsten Saison: Wer spielt dann wo? Wer darf bleiben? Wer wird aussortiert? Auch Nico Kanitz, der seine Laufbahn beenden wird und fünf Minuten vor dem Schlusspfiff doch noch kommt, richtet nichts mehr aus, ebensowenig Nils Pichinot, der das Versprechen, ein Torjäger zu sein, in Halle wohl nicht mehr einlösen können wird. 0:0 zum Anpfiff, 0:0 zur Pause, 0:0 am Ende. Das erlebt Michael Preuß auf der Bank, seine vielleicht letzte Chance auf eine Vertragsverlängerung dürfte erledigt sein. Am Dienstag ist Pokalhalbfinale in Halberstadt, in der Verfassung von heute ist auch das nicht zu gewinnen.

Kommentare:

stephan hat gesagt…

Du hast Recht gehabt, Pokalspiel gegen HBS verloren, hatte ich übrigens auch so befürchtet.

Bei den SF-Transpis ging es zum einen mal wieder um die Pyrotechnik aber nicht nur. Es ist wohl so, daß an Hand von Foto-und Filmmaterial einige der Fackelträger vom Heimspiel gegen RB in der letzten Saison identifiziert werden konnten. Statt aber den ertappten Missetätern einfach einen Strafbefehl über soundsoviel Tagessätze entsprechend dem Einkommen wegen wasweißich zuzustellen, was sicherlich der Tat angemessen wäre, gibt es in Halle einen Richter, der sich nicht zu blöd ist, mehr als ein dreiviertel Jahr später die Beschuldigten mit Hausdurchsuchungen zu beschenken. Das soll in diesem Frühjahr bereits dreimal geschehen sein. Gefunden wurde Wunder über Wunder kaum etwas. Es sei die Frage erlaubt, ob es für Richter, Ermittlungsbehörden und Polizei in Halle keine schwereren Taten aufzuklären gibt. Der entsprechende Aufwand ist eigentlich nicht vertretbar. Zum einen steht der Ermittlungsaufwand in keinem reellen Verhältnis zur vorgeworfenen Tat. Zum anderen ist es fraglich, was man eigentlich denkt, was man bei diesen Durchsuchungen zehn Monate nach der Tat zu Tage fördern könnte.

ppq. so hat gesagt…

ist ja interessant. mich bewegt zwar die pleite von heute mehr, denn das gibt wieder existenziellen ärger. aber das andere... großes besteck. soll wohl abschrecken, einschüchtern. alles alles tun, wozu ein ermittlungsverfahren nicht gedacht ist