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Montag, 28. Oktober 2013

HFC: Geiselnehmer in der Kurve

In Dortmund bewerfen sie den eigenen Torwart. In Dresden muss das Spiel unterbrochen werden. In Rostock schließlich beginnt die 2. Halbzeit der Hausherren gegen den Halleschen FC später, weil ein Trupp seit Jahren Unverbesserlicher wieder einmal mehr Spaß daran hat, die Aufholdjagd der eigenen Mannschaft, die 0 zu 2 zurückliegt, durch das Anzünden von Feuerwerkskörpern und das Werfen von Knallkörpern auf Rostocker Zuschauer zu boykottieren. Später werden die Gäste aus Halle einen Imbiss stürmen und verwüsten, die Toilettenanlagen zerlegen und - so zumindest Berichte aus Rostock - Ordner und Imbissangestellte mit Messern bedrohen.

Der Verein aus Halle, finanziell nicht auf Rosen gebettet, wird dafür wieder einige tausend Euro bezahlen müssen. Es ist nicht das erste Mal, auch nicht das zweite. Dass selbsternannte "Ultras" aus dem Umfeld der Fangruppierung "Saalefront" mit ihrem vermeintlichen Recht, auf den Rängen Feuerwerkskörper abzubrennen, gegen den Rest der Fans opponiert, hat auch in Halle eine lange, schadensreiche Geschichte: Vor Jahren, die jüngsten der Täter von heute waren noch nicht eingeschult, wurde dem hartnäckig von einer zahlenmäßig kleinen, aber überaus auffälligen Gruppe von gewalttätigen Kriminellen mit vernichtender Liebe verfolgte Hallesche FC wegen ähnlicher Vorfälle bereits einmal ein "Geisterspiel" verordnet.

Einmal schien sich danach alles zum Guten zu wenden. In einem Pokalspiel gegen den FC Union Berlin muckte der diesseite Teil der Fankurve gegen einen der Wahnsinnigen, die angetreten sind, die positive Entwicklung des Vereins von der Saale nach Kräften zu stören, entschlossen auf: Der Mann, der einen Brandsatz nach dem Union-Torhüter geworfen hatte, bekam umgehend eine handfeste Ermahnung erteilt.

Seitdem aber ist der Aufstand der Anständigen wieder zu solidarischem Schweigen geworden. In beinahe jedem Spiel des HFC fordert das Grüppchen der krankhaft um Aufmerksamkeit buhlenden Möchtegern-Fans ein Ende aller Stadionverbote, eine Kündigung des HFC-Stadionverbotsbeauftragten und niedrige Eintrittspreise. Und untermalt werden die Forderungen regelmäßig mit großem Feuerwerk.

Der DFB verurteilt anschließend. Der Verein, der jeden Euro für Spielergehälter oder den nach der Flut notwendigen Neubau des Nachwuchszentrums brauchen könnte, zahlt. Der Staat, an dem es wäre, dem kriminellen Treiben auf den Rängen Einhalt zu gebieten, duldet die rechtsfreie Zone in der Kurve. Und die normalen Fans, die Fußball sehen und ihren Verein anfeuern wollen, wagen es nicht, die gewalttätigen Geiselnehmer in die Schranken zu weisen. Auf die Idee, die Feinde des eigenen Vereines allein in der Kurve stehen zu lassen, auf dass sie sich wenigstens nicht mehr in der Masse verstecken können, ist noch niemand gekommen.

So bleibt alles, wie es ist. Nach jeder gezahlten Strafe mahnt der bedauernswerte HFC-Präsident Schädlich, dass all die tausende von Euro, die der DFB an Strafen kassiert, bei der Finanzierung einer Mannschaft fehlen, die in der 3. Liga oben mitspielen kann. Und nach jeder Mahnung reagiert die erlebnishungrige Szene mit neuen dreisten Pyroaktionen, Prügelorgien und bigotten Protesten gegen die hilflosen Verteidigungsmaßnahmen des Vereins. Ende offen. Aber es wird kein gutes sein.

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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es ist immer wieder befremdlich, weshalb hier neben vielen exzellenten Beiträgen immer wieder dem Proll-Gott Fussball Reverenzen erwiesen werden, (oder der Trivial-Kadenz-Musik).

Über den Proletenkult, bzw. das staatlich geförderte Pöfel-Sedativum, seine überbezahlten Protagonisten, die intriganten Häuptlinge und ihre mafiösen Machenschaften lassen sich die Sternspiegelbildzeitungen doch schon zur Genüge aus.

Könnten wir fürderhin nicht etwas mehr von diesem „vulgären Komplex“, dieser „ordinären Thematik“ verschont bleiben. (Allein schon, weil dadurch das nervige Überblättern solcher Beiträge auf der Suche nach interessanten/relevanten entfallen könnte.)

Anonym hat gesagt…

Neinnn! Ich kenne kein anderes Blog bzw keine andere Schreibe, die den HFC so kenntnis- und geistreich, messerscharf analysiert und dennoch liebevoll kommentiert. <3 HFC, love PPQ :)

Anonym hat gesagt…

Dieser Artikel löst absolute Sprachlosigkeit bei mir aus. Auf Grund der beschriebenen, hirnverbrannten Tatsachen, aber auch der absolut überragenden, versteckt sachlichen und auf den Punkt gebrachten Schreibweise. Ich bin begeistert. Made my Day!

Anonym hat gesagt…

"...die den HFC so kenntnis- und geistreich, messerscharf analysiert und dennoch liebevoll kommentiert."

DAS isses doch gerade. - Wieso wird in POLIT!-platschquatsch soviel Aufhebens um diese "irren, einer aufgepumpten Lederblase hinterher hetzenden Stolperer" gemacht ??

ppq. so hat gesagt…

@anonym 1: das mag befremdlich wirken, zumal auf menschen, denen es nicht vergönnt ist, als jemand erwählt worden zu sein, der verstehen kann, wie sich die dramen des lebens ausgerechnet in den dramen des fußballs spiegeln, wie sie hier erst verständlich werden und auf die gesellschaft zurückschlagen. es ist aber eben nicht befremdlich, genau wenig wie der umgang mit trivial wirkender kadenz-musik. auf der authentischen kadenz beruht musik seit der spätromantik, auch wenn das weitgehend verdrängtes wissen ist. wir sind deshalb angetreten, aus dem einfachen (fußball, rockmusik) das komplizierte (politik, gesellschaft) herauszulesen wie der schamane die zukunft aus knochen und asche. das vulgäre erscheint uns als das wahre, unbetrügbare, nur darum geht es.

@anonym 2: weil platsch und quatsch die beiden weiteren bestandteile der mischung sind, neben polit

Anonym hat gesagt…

Nee unglaublich aba solche Leute gibt es in jeder fanzene aba ich sage mal de Bauern haben es aba auch schon oft versucht uns zu provozieren sage bloß 2010 in Md

Anonym hat gesagt…

In Dortmund wurde garantiert nicht der Torwart eworfen ich weiss zwar nicht wo ihr das gesehen habt baer ich Stand im Block und habe mich zum Schlußß noch mit Kleinheider unterhalten... Er wäre wohl kaum zum Zaun gekommen wenn er beworfen wurde....

ppq. so hat gesagt…

in dortmund. weidenfeller.

Anonym hat gesagt…

"..das vulgäre erscheint uns als das wahre, unbetrügbare, nur darum geht es." sicher?
muss schwer sein

ppq. so hat gesagt…

sicher. ist aber für die, die erwählt sind, ganz leicht

Anonym hat gesagt…

Dieses Seditativum ist offenbar so weit verbreitet und so allgegenwärtig, dass 99,9 % gar nicht mehr merken, dass sie dauerfussballchlorofomiert sind.