Google+ PPQ: Propaganda: Das Böse ist immer nicht überall "

Mittwoch, 19. März 2014

Propaganda: Das Böse ist immer nicht überall

Der Feind ein Tier, ein entmenschtes, von dunklen Trieben beherrschtes Wesen, mit dem nicht mehr debattiert werden kann. Hier helfen nur noch Nahrungsentzug, die Peitsche, ein Käfig, bis er es gelernt hat. Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, der als erstes Völkerkonflikt mit industrialisierter Propaganda auf beiden Seiten Kampfstimmung erzeugte, feiert die Menschheit mit einem großen Revival rein ins runde Jubiläum: Alle wieder da, außer Erich Honecka - die Dämonisierung des Gegners, die Selbsterhöhung, die Tierkarikaturen und das beharrliche Reklamieren der eigenen altruistischen, ausschließlich für das Gute, Fortschrittliche und Moralische eintretenden Motive, die sich grundsätzlich unterscheiden von den grauenhaften und düsteren Absichten der Gegenseite.

Die zielt mit jedem Nachrichtensatz auf militärische Propaganda, während man selbst die Wahrheit meldet und nichts als die Wahrheit und das natürlich unter lauterer Berufung auf das allgemeine Interesse der gesamten Menschheit. Dagegen Putin, ein Teufel in Menschengestalt wie seinerzeit – je nach Blickrichtung – der deutsche Kaiser oder der englische König: Gierig, von niedersten Instinkten getrieben, ein Mann, der dem Posten seines Großvaters als Koch bei Stalin und damit dem gesamten Terrorregime des Georgiers nachtrauert.

Experten marschieren auf, die lauteren Herzens die Stilisierung Rußlands zum Ort ewiger Verdammnis und die Postdemokratien des Westens zum Verwirklichungsort aller nur denkbaren höchsten Menschheitswerte betreiben. Von Russland aus gesehen sind die Deutschen wieder die Usurpatoren, diesmal mit dem Geldsack in der Hand. Und von Deutschland wirken die Russen nach fast einem Jahrzehnt, in dem die deutsche Massenpresse die im Entstehen begriffene demokratische Gesellschaft dort als Despotie, Diktatur und mittelalterliche Günstlingswirtschaft beschrieben hat, wieder wie die unzivilisierten Muschiks, die eine Wanduhr bestaunen und aus dem Wasserklo trinken wollen.

War es 1914 das "War Propaganda Bureau", das fleißig am Bild von den deutschen Kriegsverbrechern malte, um die eigene Bevölkerung für den Kriegseintritt zu mobilisieren, während auf der anderen Seite die Zentralstelle für Auslandsdienst versuchte, Deutschland als Opfer höherer Mächte dastehen zu lassen, sind es diesmal handzahm gefütterte Medien wie Tagesschau, Spiegel, Stern oder Russia Today, die ihrem Publikum extrem überzeichnete polemische Bilder der anderen Seite übermitteln. Der Russe als solcher ist immer ein fetter Bär, ein böser Kosak oder ein trübe blickender Bürokrat mit Putin-Gesicht, der gerade ein Bombe zündet. Merkel hat hängende Mundwinkel oder tritt gleich als Schwein auf, Obama zeigt seine Segelohren oder trägt den 200 Jahre alten Zylinder in Flaggenfarben.

In deutschen Zeitungsartikeln werden Menschen zum „bösen Kobold“ wie damals im Ersten Weltkrieg die Deutschen als affenähnlichen Untermenschen dargestellt wurden, die man "zerstören" müsse. Sanktionen werden bemüht, um dem Feind zu zeigen, wo der Hammer hängt, es wird geschmäht und verteufelt und wer im eigenen Lager anderer Ansicht ist, sieht sich als "kommunistische Sekte“ verunglimpft oder gleich ganz gefeuert.

Harold Lasswell hat das in seinem 1927 erschienenen Buch "Propaganda technique in the World War" detailliert analysiert. Fünf Kennzeichen reichen für die Denunziation des Gegners: Entmenschlichung durch Tiervergleiche, die Diffamierung durch Vorwürfe wie Alkoholismus oder Vergewaltigung, die Dämonisierung etwa dadurch, dass Gewalt gegen Kindermord, Arme oder gläubige Minderheiten angeprangert wird, die Personalisierung weltgeschichtlicher Vorgänge durch eine Zuschreibung von Handlungen auf einen einzigen Menschen ("Putins Reich", „Putins Pläne“, „Putins Truppen“) und eine Mythologisierung des Gegenübers als normalen Vernunftgründen einfach nicht zugängliche Spielernatur. Demokratische Systeme sind nicht gefeit, sondern unter Umständen gar anfälliger für ein Aufschauckeln von Hass und Kriegslust: "Demokratische Regierungen wirken auf die öffentliche Meinung und die öffentliche Meinung wirkt auf die Regierung", hat schon Lasswell festgestellt.

Damals wars, im vorigen Krieg

Kommentare:

Levan hat gesagt…

http://www.km.ru/joke_day/734863

Teja hat gesagt…

"Alle wieder da, außer Erich Honecka..."

Öhm, in dem Satz erkenne ich Zustimmung zu Putins Plänen. Wahrscheinlich nicht so gemeint.

ppq. so hat gesagt…

das ist das eigentlich schöne an solchen konflikten: jeder darf in alles reinlesen, was er will

man darf sogar dem, der sagt, die eine seite handelt nicht richtig, unterstellen, er bezeichne damit das handeln der anderen seite als korrekt

Anonym hat gesagt…

Und wir stehen wieder auf der Siegerseite.

Teja hat gesagt…

"Kurzfristig sehen die Nichtdemokraten immer stärker aus. Mittelfristig sind sie das in der Weltgeschichte nie gewesen." S. Gabriel- Phantasien im Interview.

Das alte Griechenland als die Mutter aller Demokratien endete in einer Tyrannis, später dann von den Makedonen und die wieder von den Römern erobert, beides "imperiale" Mittel, wie heute das bezeichnet wird.

Immer das Gelaber von Demokratie. Was wir wollen, ist ein Rechtsstaat, und der funktioniert sowohl in einer Republik (Gründung der USA) als auch in einer Monarchie (die alten Reiche wie Persien, Babylonien, Preussen).

Gabriels Politik ist nicht rechtsstaatlich und damit auch nicht freiheitlich.

Anonym hat gesagt…

" Entmenschlichung durch Tiervergleiche, die Diffamierung durch Vorwürfe wie Alkoholismus oder Vergewaltigung, die Dämonisierung etwa dadurch, dass Gewalt gegen Kindermord..."

Ich möchte mal betonen, dass der "Hitlervergleich" das absolute Maximum der Entmenschlichung, der Tyrannei, des Bösen schlechthin, darstellt.

Der "Hitlervergleich" stellt propagandistisch alles in den Schatten, was an Vergleichen des BÖSEN je möglich ist und war,
selbst Satan, Teufel, Belzebub.

So dachte auch Hillory Clinton,

Wenn einem soviel pöser Putin wird beschert, das ist schon ein Vergleich mit Hitler wert.



ppq. so hat gesagt…

der hitlervergleich (besser: die gleichsetzung mit hitler) stand natürlich auch diesmal ganz am anfang nämlich hier: Putler bzw. Adolf Putin

nur wegen der historischen verschränkung des textes mit dem 1. WK wurde auf eine erwähnung verzichtet

Anonym hat gesagt…

Bis auf Georg Bush endeten die Hitler ja nicht gerade friedlich schlafend im Bett. Und Georg Bush soll sogar noch am Leben sein. Trotz Frau Heide Simonis.

derherold hat gesagt…

Der Recherche-Verbund Südnorddeutsch hat Dokumente vorliegen, die ich einsehen durfte.

Danach hat @ppq massive Zahlungen von russischen Propagandasendern erhalten und diese zum Schaden des deutschen Volkes "steuersparend" in offshore-Sparbüchern angelegt.

Was die Sache noch schlimmer macht ist, daß er sogar Hochschuleinrichtungen mißbraucht haben soll, um für Tausende Euro Rüstungsforschung zu betreiben.

ppq. so hat gesagt…

sind wir also aufgeflogen. zugegeben: die rüstungsforschung fand in der rüstkammer in dresden statt

Volker hat gesagt…

5 Kennzeichen reichen, das ja. Aber das sind nicht immer die gleichen, sondern wird jedesmal am Zeitgeist justiert.

Der Vorwurf des Alkoholismus traf zur Zeit, als der protestantische Arbeitsethos in großen Teilen der westlichen Welt noch verbreitet war, als Calvinisten und Puritaner als leicht spinntert, jedoch im Großen und Ganzen honorige Leute galten.

Auch der Vergewaltigungsvorwurf wird von den zeitgenössischen Nazis nur selten verwendet. Wenn in Oslo 100% aller Vergewaltigungen (in D 80%) von Muslimen begangen werden, tun die Faschisten gut daran, lieber keine Diskussion zu diesem Thema anzustoßen. Auch weil nach Meinung der Bunten neuerdings nicht die Vergewaltigung, sondern die Nicht-Vergewaltigung das eigentliche Verbrechen ist.
Kann jeder überprüfen. Merkel und Gauck sind zu diesem Thema auffällig wortkarg.

Auch von Tiervergleichen nehmen die zeitgenössischen Faschisten Abstand. Man soll ja nicht auf den ersten Blick sehen, dass die Bunten die legitimen Nachfolger der Braunen sind.
Stattdessen werden die Unpersonen über den Phänotyp als Bestien typisiert und andere standardisierte Symbole als außerhalb des Menschheit gekennzeichnet; so wie Merkels und Gaucks politische Vorgänger und Vorbilder das vorgemacht haben.

Die Personalisierung durch Zuschreibung der Vorgänge auf eine einzige Person wird nach Innen von der Propaganda vermieden. Man will gar nicht den Verdacht aufkommen lassen, Unpersonen hätten menschliche Eigenschaften.

Auch zu Gewalt gegen Kinder, Arme und gläubige Minderheiten sind die zeitgenössischen Faschisten bestrebt, nur ja keine öffentliche Diskussion loszutreten.

Konstant seit 1933 jedoch die Mythologisierung des Gegenübers als normalen Vernunftgründen nicht zugängliche Figur.

Ebenso Konstante seit 1933 die Dämonisierung. Nichtlinke durchgehen negativ konnotiert. In 100% aller Fälle. Werden in Deutschland nahezu alle Gewalttaten von unseren ausländischen MitbürgerInnen begangen, geht politisch motivierte Gewalt in über 90% aller Fälle auf das Konto der staatlichen Schlägerkommandos (Antifa) - in der Darstellung des gleichgeschalteten Politik-, Wissenschafts- und Medienbetriebs sind Ausländer und Linke generell Opfer, Nichtlinke generell Täter.

Anonym hat gesagt…

Einsatzbereitschaft herstellen ;

UND

Schuhputz verbessern .

egal : ich lasse jetzt die strategischen Bomber auftanken .

Sepp

Gernot hat gesagt…

In der Tat stellt die Entmenschlichung in der Darstellung historisch die Vorbereitung der Massengräber dar.
Der Vertierung ("Nazi-Schwein") folgt die Degradierung zu Bestien, Ungeziefer oder Krankheiten (braune Ratten, braune Brut,braune Pest) und schlussendlich die Transformation in unbelebte Materie (braune Scheiße).

Hat man den Schwulen, Juden, Heiden, Hexen, Pädophilen oder zu Nazis Ernannten solcherlei Status erfolgreich zugesprochen, erleichtert das die Säuberung ungemein.

Die Mechanismen sind immer die gleichen und widerlichen.