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Freitag, 25. April 2014

Sprache als Chance: Genderation X

Gut, dass sich die Gesellschaft trotz zunehmender Armut noch solche mutigen "Anregungen zum antidiskriminierenden Sprachhandeln" leistet, wie die AG Feministisch Sprachhandeln des Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität jetzt nach jahrelangen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten anbietet!

Erstmals werden in dem Leitfaden für die Genderation X ausgehend vom generischen Unterstrich zehn wirkungsvolle Sprachwandelformen erarbeitet, mit denen sich Menschen geschlechterspezifisch ansprechen lassen können, ohne dass der Ansprechende noch verstehen muss, mit wem er redet. Von der X-Form, die etwa im Falle von "Studierenden", den früheren "Studenten" nun porentief geschlechtesneutral von "Studierx" spricht, bis zur A-Form, die dasselbe mit Hilfe eines versöhnenden End-As leistet, werden zehn Möglichkeiten angeboten, unter dem Titel “Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_ortungen statt Tatenlosigkeit!” mitzumachen beim Sprachmatschen, das antidiskriminierend dahingehend wirkt, dass sein Restsinngehalt gleichermaßen von niemandem zu begreifen ist.

Eine kleine Broschüre für die Gendergerechtigkeit, ein großer Schritt für die Dummheit. "Sprache ist kein bloßes Kommunikationsmittel, das auf neutrale Weise Informationen transportiert", mahnen die Verfasser, "Sprache ist immer eine konkrete Handlung". Sprache als Handlung, ähnlich wie Denken. Genderistisch gesehen verhält sich Sprache wie ein Fuß, der auch eine konkrete Handlung ist, ebenso wie ein Ohr, ein Geruch oder eine Nachspeise. "In der Aufforderung‚ alle lesen bitte diesen Text zum nächsten Mal‘ ist beispielsweise vorausgesetzt, dass ‚alle‘ lesen können", prangern die Verfasser an. Da das zuweilen nicht der Fall sein muss, komme es nun darauf an, die NichtlesenkönnendX , die hier aufgrund ihrer Sonderbegabung des Nichtlesenkönnens diskriminiert werden, einzuschließen, indem sie sprachlich sonderbehandelt werden.

"Sprachhandlungen orientieren sich vielfach an den Maßstäben, die in der Gesellschaft als ‚normal’ gelten, und verstärken diese Normen dadurch, dass sie gerade nicht benannt werden müssen", erklären die Sprachweiterentwicklerx. So sei zum Beispiel eine "momentan häufig unbenannte Norm in Bezug auf Menschen, männlich, → weiß, umfassend nicht-beHindert (→ ableisiert) zu sein sowie heterosexuell, → nicht-migratisiert, → cis-gegendert und Mittelklasseprivilegien zu haben". Da auf diese "implizite Weise gesellschaftliche → Machtverhältnisse umso machtvoller re_produziert, normalisiert und bestätigt" werden, müsse künftig in jedem Satz mindestens vierundneunzigmal das Zeichen "→" untergebracht werden.

Das bedeute gleichzeitig: "Auch wenn ich schweige, handle ich". Auch wenn ix spreche, bin ix stumm. Auch wenn ix nix sage, ist das strukturell ungerecht denen gegenüber, die noch nicht aufgegessen haben. Auch wenn ich ein X an alles anhänge und "nicht aktiv zuhöre, auch dem Schweigen Anderer nicht", diskriminiere ich die, die nicht mitschweigen können oder wollen oder dürfen. Ein erster Schritt, heißt es in dem mit Bundesmitteln geförderten SprachführX, ist dann getan, "wenn allex lachen und ich mitlache, wenn ich mein Unwohlsein mit sprachlichen Interaktionen runterschlucke, wenn ich verdränge und nicht wahrhaben will".

Kommentare:

Heinz hat gesagt…

generisches Femininum haben sie, aber die sprachlich nicht verhunzte Form, das generische Maskulinum wird um jeden Preis verteufelt.

Volker hat gesagt…

Ich weiß schon, dass das ziemlich arrogant rüberkommt, hier regelmäßig die in der zoologischen Fachsprache als "Professoren" bezeichneten Agit-Prop-Affen als das zu bezeichnen, was die sind: Agit-Prop-Affen.
Das Dumme ist nur, kannst hingucken wo De willst, überall die gleiche Professorenscheiße.

Wie schon von Grund auf unsinnig der Sprachkampf ist, hat Stephan Pohl (Geiernotizen) auf die Schnelle so zusammengefasst:

"Es gibt im Deutschen das sogenannte »generische Maskulinum«, ein grammatisches Constuct, das auf Personengruppen unbekannten oder verschiedenen Geschlechts bezogen ist. Grammatisch ist es männlich, tatsächlich ist es unbestimmt: Wer von den Lehrern einer Schule spricht, meint damit eben alle Lehrer ungeachtet ihres physischen Geschlechtes, wer von den Studenten einer Universität redet, meint natürlich männliche und weibliche gleichermaßen. Das generische Maskulinum ist also eine geschlechtsneutrale Sammelbezeichnung, und da im Deutschen der Genus (das grammatische Geschlecht) ohnehin nicht in jedem Falle mit dem Sexus (dem biologischen Geschlecht) zusammenfällt — man denke nur an das Mädchen und die Mannschaft — hat auch die grammatische Verallgemeinerung, die das generische Maskulinum mit sich bringt, niemanden gestört, bis ca. in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts überspannte Kleingeister den Gedanken entwickelten, daß das generische Maskulinum diskriminierend sei, da bei all den Beamten, Wanderern, Brandstiftern, Mördern, Radfahrern und Brillenträgern die weiblichen jeweils nur »mitgemeint« seien, ohne aber ausdrücklich bezeichnet zu werden. Es wurde behauptet, das generische Maskulinum sei ein patriarchalisches Unterdrückungsinstrument zur Marginalisierung der Frau. Wie gesagt: Der deutsche Genus folgt nicht gerade den Regeln der Logik, es ist weder einsichtig, warum das Messer sächlich, die Gabel weiblich, der Löffel aber männlich sein soll, noch warum der grammatisch männliche Tisch ein sächliches Bein hat. Aber der Diskriminierungsvorwurf, so absurd er auch ist, ließ sich, einmal erhoben, nicht mehr aus der Welt schaffen, und ein großer Teil der Sprachgemeinschaft läßt sich seitdem von ein paar ideologisch verblendeten Feministen (beiderlei Geschlechts, natürlich) am Nasenring durch die Manege führen."

Gernot hat gesagt…

"... runterschlucke, wenn ich verdränge und nicht wahrhaben will".
...

Sollte es nicht "ix" heißen statt ich?