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Freitag, 23. Mai 2014

Wie die Ukraine verschwand

Kein Weltkrieg, nirgends. Zwei Monate nach dem Ausbruch der Ukraine-Krise in den deutschen Medien ist die Meute weitergeeilt zu neuen akuten Schlachten und Kämpfen. Thailand, Steuersünder und Rentenpaket, Inklusion und Erdogan - galt die Ukraine noch vor einigen Wochen als die Mutter aller Themen, zumindest für dieses Jahr, so zeigt sie heute schon, wie schnell fallen kann, was hoch gestiegen ist. Der kommende Krieg, die Spaltung Europas, der Rauswurf Russlands aus der friedliebenden Völkerfamilie, das alles spielt medial gesehen schon heute kaum noch eine Rolle, wie die unbestechliche Trend-Statistik der Suchmaschine Google zeigt.

Kein Weltkrieg in Sicht und nirgendwo klare Frontlinien. Stattdessen nur mühsames Auseinanderklamüsern von Schuldanteilen: Kosaken gegen Tataren, Russen gegen Prorussen, Separatisten gegen Föderalisten, CIA gegen KGB, Putin gegen Hitler. Berauschte sich die deutsche Presse zu Zeiten der Krim-Krise noch an Begriffen wie "Annexion" und "Einmarsch", ist die Krim-Berichterstattung mit dem Anschluss der Halbinsel an Russland fast völlig erlahmt. Ein paar müde Reiseberichte, ein Aufruf, die Rechte der Tataren zu schützen. Aus, Ende, vorbei.

Im Zuge des allgemeinem Themensterbens in der deutschen Medienlandschaft, dem nach Untersuchungen eines Forscherteams des An-Institutes für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung in Halle an der Saale zuletzt der Fall Hoeneß, der Fall Edathy, die Terrorgruppe NSU und der "Cyberdialog mit Amerika" (Steinmeier) zum Opfer gefallen waren, ist die Ukraine in einem großen Loch aus Nichts verschwunden. An manchen Tagen wird die größte Krise, die Europa seit 1945 erlebt, immerhin noch in einer Fußnote erwähnt. An anderen überhaupt nicht mehr.

Für den Medienwissenschaftler Hans Achtelbuscher, der vor Jahren erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte, wie es zum grassierenden Themensterben in den deutschen Leitmedien kommt, ist das keine Überraschung. "Es kommt ja nicht darauf an, wie wichtig ein Thema wirklich ist", ist sich Achtelbuscher sicher, "sondern auch darauf, wie es sich medial vermitteln lässt." Im Fall der Ukraine sei mit Fortgang der Ereignisse eine immer unsicherere Nachrichtenlage entstanden, aufgrund der sich Gut und Böse auch mit der in allen deutschen Redaktionsstuben aufgebrachten Mühe nicht mehr klar einteilen ließen. "Das ist dann immer der Punkt, an dem man sagt, was gibt es denn sonst noch Schönes?"

Die großen Linien, an denen sich die Ereignisse weiterhangeln werden, sind für Experten völlig klar. "Spätestens nach der Europawahl am 25. wird die Ukraine im selben Orkus verschwinden wie Syrien", heißt es bei Eingeweihten. Der Fahrplan danach ist übersichtlich: "Danach folgen zwei Wochen der üblichen Ganzjahresloch-Themen, bis endlich die WM anfängt." Anschließend könne man sich dann "endlich wieder herrlich über Korruption, Fremdenhass und Homophobie auslassen".

Kommentare:

karleduardskanal hat gesagt…

Ja was? Die Medien haben festgestellt, daß der grobe Keil nichts genützt hat. Nun kommen die Mühen der Ebenen. Die tägliche Kleinarbeit, um den Deutschen sturmreif zu schießen für den nächsten heißen Krieg.

Wenn man Leute andauernd anbrüllt, dann werden sie taub oder ignorieren das Mediengeschrei. Steter Tropfen höhlt aber das Hirn. Immerhin gibt es ja diese "Bunt statt Braun" - Events und "Unsere Stadt ist Nazi - frei." Da hätten die Leute, um 1980 herum, auch nur den Kopf geschüttelt.

Teja hat gesagt…

Glückwunsch an Tolotes für die präzise Einschätzung. Kaum zu fassen, wie schnell das ging, stand doch der Weltfrieden auf dem Spiel.

Aber auch irgendwie folgerichtig. Das waren ja nicht nur ein paar Verschwörungsblogger, die wie immer dagegen waren, sondern schon eine breite Bewegung. Das macht dann keinen Spass mehr ist klar.

Nur, wenn diese Lügen nicht aufgearbeitet werden, dann sacken die Zeitungsauflagen demnächst verstärkt ab. Warum soll man sich Schwachsinn reinziehen, die anderen Nachrichten werden dann ähnlich herbeiphantasiert sein. Sich nicht zu informieren ist in dem Fall besser als desinformiert zu sein.