Google+ PPQ: WM der Rassisten: Blockwarte im Fanblock "

Mittwoch, 2. Juli 2014

WM der Rassisten: Blockwarte im Fanblock

Schlimme Bilder aus Brasilien: Rassisten zeigen unbehelligt White- und Color-Facing.

+++Warnung: Dieser Artikel dokumentiert rassistische und diskriminierende Entgleisungen während der Fußball-WM. Deshalb enthält er an einigen Stellen rassistische und gewaltvolle Sprache+++


Whitefacing, ein Flitzer mit einer Telefonnummer auf der Brust, mehr als ein Captian America auf der Tribüne – kehrt bei dieser WM der offene Rassismus in die Fußballstadien zurück? Ein Interview mit Claudia Kromizsch vom Anti-Rassismus-Netzwerk "Fare", das PPQ-Gebärdendolmetscherin Frauke Hahnwech aus dem Korrekten übersetzt hat.

Frage: Claudia Krobitzsch, Sie engagieren sich im Netzwerk „Fußball-Aufpasser retten Entsetzen“ – kurz „Fare“. Bei den Spielen Deutschland gegen die USA und Belgien-USA traten Fans als „Captain America“ auf, eine Propaganda-Figur, die einst erfunden wurde, um die Amerikaner in den Weltkrieg gegen Deutschland zu treiben. Ist das wieder trauriger Alltag bei Spielen der US-Elf?

Krobitzsch: Captain America war lange nicht mehr zu sehen. Das hatte für mich ebenso eine neue Dimension wie die ghanaischen Fans, die sich vor dem Spiel gegen Deutschland mit weißer Farbe anmalten. Diese Praxis erinnert an das Whitefacing, ein Stilmittel des Theaterschauspiels mit Ursprung im Italien des Mittelalters, das sich rassistischer Stereotype bedient und mit dem sich weißgeschminkte Männer als Weißclowns zum Gespött machen mussten.

Frage: Sie haben die Fifa auf beide Vorfälle hingewiesen und auch das Foto von den Captain Americas an den Verband geschickt. Was ist darauf Entsetzliches zu sehen?

Krobitzsch: Die Männer in Captain-Kostümen waren während der Hymnen zu sehen. Es handelt sich dabei offenbar um Amerianer oder deutsche Amerika-Fans, wir konnten sie jedoch keiner bestimmten Fanclub-Gruppe zuordnen. Wer Hinweise zur Identifizierung hat, kann sich bei uns melden.

Frage: Beim Spiel gegen Ghana stürmte zudem ein Mann aufs Feld, bei dem nicht ganz sicher ist, welche Botschaft er vermitteln wollte. Ist das nicht total schlimm?

Krobitzsch: Der Flitzer soll ein Pole sein, der davon spricht, dass er nur seine Telefonnummer und E-Mail-Adresse auf den Bauch gekritzelt hat – dummerweise mit den Kombinationen HH, 44 und CC, also mit Codes, die häufig in Hamburg, als Vorwahl für Großbritannien und bei Versenden von Emails verwendet werden. Mehr können wir dazu bislang noch nicht sagen, denn wir haben weder versucht, ihn anzurufen, noch ihn anzumailen. Wir brauchen ihn ja als schreckliches Beispiel, das können wir uns nicht kaputtrecherchieren. Aber schlimm ist das schon.

Frage: Diskriminierende Botschaften sind beim Fußball offenbar kein rein amerikanisches Problem. Jeder diskriminiert jeden. Wurden Sie auch über Vorfälle aus anderen Stadien informiert?

Krobitzsch: Wir haben auch Franzosen oder Belgier gesehen, die sich schwarz angemalt haben. Nigerianer traten weiß auf, Brasilianer grün und Kroaten hatten sich rot angemalt, vermutlich, um Indianer zu imitieren, wie wir glauben. Wir nennen die Betroffenen indigen und haben vollen Respekt dadurch. Wir würden Klagen auf Entschädigung unterstützen. Bei Spielen Mexikos wurde der gegnerische Torhüter mit homophoben Rufen („Puto“, Stricher, d. Red.) beleidigt, also wenn er es hat hören können im Stadionlärm, dann müsste er sich beleidigt gefühlt haben, glauben wir. Besonders grauenhaft ist zudem das Foto eines offenbar kolumbianischen Fans, der mit einem Umhang voller Hakenkreuze ins Stadion gelangte, die in den meisten Ländern der Welt als Glückssymbole gelten, obwohl Hitlers Laufbahn ja gezeigt hat, dass sie gar kein Glück bringen.

Frage: Müssen wir uns Sorgen machen? Gelangt Hitler vielleicht über diese zehn oder 200 Rassisten unter den Millionen Zuschauern in den WM-Stadien schon bald wieder an die Macht?

Krobitzsch: Ich würde nicht sagen, dass die Rassisten mehr geworden sind. Sie sind dank unserer engagierten Werbearbeit für sie nur sichtbarer geworden. Jede Anklage von uns, dass da jemand eine Telefonnummer gezeigt, einen Umhang getragen oder verbotene Schminke verwendet hat, bietet den Rassisten einen neuen Kanal zum Publikum, das ja zwischen den einzelnen Spielen kaum etwas zu tun hat.Dann beschäftigt es sich damit.

Frage: Seit einigen Jahren dokumentiert Ihre Netzwerkorganisation „Fare“ solche Verfehlungen, um an Fördermittel heranzukommen. Es gibt allerdings den Vorwurf, dass Sie selbst etwa deutschsprechende Menschen diskriminieren, indem sie ihnen den Zugang verwehren. Warum tun sie das genau?

Krobitzsch: Das Fare-Netzwerk hat vor einigen Jahren ein sogenanntes Monitoring-Programm entwickelt. Bei der EM 2012 haben wir pro Spiel zwei Mitarbeiter ins Stadion geschickt, die so kostenlos Fußball schauen konnten. Danach haben sie dann im Blockwart-Stil detaillierte Beobachtungsprotokolle angefertigt und samt Fotos oder Videos von Tätern und möglichen anderen auffälligen Personen an die Uefa geschickt. Dass wir unsere Ergebnisse nicht auf Deutsch anbieten, hat damit zu tun, dass uns gegenseitiger Respekt so wichtig ist. Da hat Deutschland zuerst einmal eine Bringepflicht.

Frage: Reagiert die Fifa auf Ihre E-Mails?

Krobitzsch: Wir schicken unsere Reports an die Social-Responsibility-Stelle des Verbandes und bekommen auch Feedback. Meistens in Form von „Ihre Mail wurde am soundsovielten ungelesen gelöscht“. Aber wenn der Verband bei der jetzigen WM gemäß seiner Null-Toleranz-Politik oder dem Credo „No to racism“ handelt, führt eigentlich kein Weg an Konsequenzen für den Reichskriegsflaggenhalter vorbei. Die Reichskriegsflagge ist zwar nicht einmal in Deutschland verboten und in Brasilien ist sie es schon gar nicht. Aber das muss man den Medienarbeitern, die für uns als Treibriemen in die Öffentlichkeit fungieren, ja nicht aufs Brot schmieren.

Frage: Im Gegensatz zur EM 2012 sind Sie mit Ihren Mitarbeitern dieses Mal nicht in den Stadien. Wieso?

Krobitzsch: Wir haben der Fifa ein Angebot gemacht, dass wir Beobachter nach Brasilien schicken, doch wir erhielten keine kostenlosen Karten.

Die Anmerkung ermittelt wegen Whitefacing

Kommentare:

mosereien hat gesagt…

Ob verboten oder nicht, wer eine KRIEGSflagge zu einem Fußballspiel hißt, hat sie nicht mehr alle. Aber zu WM-Zeiten setzt wohl bei vielen das Hirn aus: http://mosereien.wordpress.com/2014/06/26/fussballpatriotismus/

ppq. so hat gesagt…

mit sicherheit

Teja hat gesagt…

@mosereien

Und? Ist doch jedem selbst überlassen, wie er sich in der Öffentlichkeit zeigt. Aber man sollte nicht kriminell verleumdet werden, wenn da nix ist.

karleduardskanal hat gesagt…

Viele Feinde Deutschlands waren ja so arm, daß sie sich keine Kriegsflagge angeschafft haben. Wie Frankreich oder Engeland Oder Amerika. Die haben unter ihren zuvilen Farben Krieg geführt. Die Vereinigten Staaten übrigens auch. Dennoch würde niemand sagen, uh, schaut mal, unter dem Sternenbanner haben sie etlichen Staaten Leid und Elend gebracht, laßt uns sie deshalb zu Deppen erklären.

karleduardskanal hat gesagt…

Bei diesen guten Menschen von Schmarotzern und Parasiten zu sprechen, würde ihrem Verhalten zwar gerecht, andererseits aber schlimme Erinnerungen wachrufen. Es gleicht ungefähr den Zeitgenossen, die den ganzen Tag über Falschparker melden, um sich besser zu fühlen.

Diese hingegen haben aber nicht mal rechtliche Grundlagen auf denen sie denunzieren, außer ihrem eigenen Regelwerk.

Die Anmerkung hat gesagt…

Für das Whitefacing war im tagesspiegel kein Platz mehr, die Ausgabe mußte unters Volk.

Aber solange das, die einzigem, will heißen lächerlichen Probleme der WM sind, chapeau. Keine Hools, keine Protestdemos, keine gestiegene Kriminalität im Umfeld, kein Hurenaufschrei üner ausbleibende Kunden. Was will man mehr. Die WM läuft wie geschmiert. Der Franz weiß, wie's gemeint ist.

Anonym hat gesagt…

Die Mexikaner rufen nicht „puto" (Stricher), sondern „burro" (Esel). Alles ein bisschen hanebüchen und halbinformiert

ppq. so hat gesagt…

die deutschen malen sich auch nicht rassistisch an. aber die expertin weiß es eben nicht besser

Anonym hat gesagt…

@mosereien

aber auf dass keineswegseste. Für die in die Stadien flutenden Prolls ist der Fussball Krieg, oder zumindest ein adäquates Surrogat. Die selben animalischen Affekte und primitiven Impulse werden da ausgetobt, wie sie dunnemals in die Birnen der (Ur)Grossväter implantiert wurden, als jenne über die WW-I/II-Schlachtfelder robbten.
Frage mich übrigens immer wieder, weshalb die Pozilei die aufs Messer(Schlagringe, Knüppel) verfeindeten Hooligan-Banden immer wieder auseinander zu halten versucht.- Sollen doch die Dinge ihren "natürlichen Gang" nehmen lassen. Es würde zur alsbaldigen Reduktion der Hooligan-Schwemme führen.

Anonym hat gesagt…

Geradezu ekelerregend finde ich die deutschen Fans, die zwar nur ein Gesicht haben, damit aber black- red- und yellowfacing gleichzeitig betreiben.
Da kommt wieder dieses Übermenschengetue heraus, indem sie ihre Verachtung nicht nur für eine, sondern für quasi alle Rassen zum Ausdruck bringen.
Hier sollte die EU eingreifen und Gesichtsbemalung in schwarz-rot-gold streng verbieten.

derherold hat gesagt…

"Für die in die Stadien flutenden Prolls ist der Fussball Krieg, oder zumindest ein adäquates Surrogat. Die selben animalischen Affekte und primitiven Impulse werden da ausgetobt,..."

Vielleicht fehlt es mir da an Bildung aber ich habe bisher noch keinen Krieg gesehen, der Rollstuhlfahrern mit Vereinsschal, 20-jährigen Mädchen mit Gesichtsbemalung und 45-jährigen mit Bunny-Öhrchen geführt worden ist.

Anonym hat gesagt…

Tja, Herold. Dann laß UvdL noch eine Weile machen, dann gibts Krieg mit geschminkten Mädels und Kerle mit Bunny-Öhrchen, selbstverständlich alles barrierefrei.

Der fußballaffine Vor-Kommentator war nur seiner Zeit voraus.