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Dienstag, 4. November 2014

Mediale Aufrüstung: Die Sprache des Krieges

„Atombomber“ (Bild) unterwegs in Richtung Europa, russische Jäger von deutschen Eurofightern „abgefangen“ (dpa), lettische Marineeinheiten „sichten“ russische Kriegsschiffe (dpa) und der „Spiegel“ sieht in „Russlands Luftmanöver im Westen“ eine „ Machtdemonstration über den Wolken“. Krieg liegt in der Luft, wenn die Schreibtischtäter ihre Schreibmaschinengewehre durchladen und ihre Leserschaft zur Schlachtbank führen: Greifbar scheint die Bedrohung durch Russenflieger und Kanonenboote. Der Luftraum verletzt, der Frieden in Gefahr.

So geht einfach wird aus Ereignissen, die nicht stattgefunden haben, eine Gelegenheit, den Wehrwillen zu stärken. Es braucht keine Lügen dazu, keine Erfindungen, sondern wie immer nur ein paar Begriffe, die halb falsch, halb unbeholfen verwendet und als Glanzlichter in eine Geschichte gesteckt werden, die bar jeden Inhalts ist wie diese: Russische Flugzeuge sind durch internationalen Luftraum geflogen, wie das Flugzeuge aller Nationen zuweilen tun. Es waren russische Militärflugzeuge, die sich diesbezüglich nicht anders verhalten als chinesische oder argentinische. Auch Schiffe waren unterwegs, wie immer.

Und doch entsteht hier dank kluger Regie ein packender Drive in Richtung Waffengang. Die Atombomber sind keine Atombomber, sondern sie könnten welche werden, rüstete man sie mit Atombomben aus. Diesen kleinen Halbsatz aber muss niemand in die Überschrift schreiben. Russen-Jäger über Europa? Ja, ein Viertel der russischenLandfläche gehört zu Europa – und selbst ein Flug über der Ostsee oder der Nordsee ist kein Eindringen in nationale Lufträume. Aber wer das in den vierten Absatz schreibt, provoziert bewusst, dass die Botschaft eine andere ist: Russen über Europa, Luftraum verletzt, kurz vorm Angriff, Machtdemonstration über den Wolken.

„Abgefangen“ wurden sie dann glücklicherweise doch noch. Abgefangen? Das bedeutet im normalen Sprachgebrauch der Luftwaffe, das das eindringende Flugzeug aus dem eigenen hoheitlichen Luftraum hinaus oder bis zur Landung auf einem Flughafen eskortiert wird. Hier war aber kein Flugzeug im eigenen Luftraum, es wurde auch keines zu einem Flughafen zwangseskortiert.

Das vermeintliche Abfangen war folglich ein reines Nebenherfliegen im internationalen Luftraum – ohne rechtliche Grundlage und deshalb auch ohne weitere Aktion als der Beobachtung. Erst im Nachhinein wurde es zu einem militärischen Manöver erklärt und den Medien als „Abfangen“ verkauft.

Klingt toll, klingt richtig kriegerisch.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

„Russen fliegen über ihrem eigenen und internationalem Territorium, Nato-Flugzeuge gucken zu.“

Bei solchen Meldungen würde der Kampfwille der friedliebenden Völker auf der Strecke bleiben.

quer hat gesagt…

Vor 51 Jahren war ich mal sog. "Jägerleitoffizier" (ILO) und habe als solcher "Abfangjagd" geführt. Hätten die Schreiberlinge von heute auch nur die leiseste Erfahrung darin, oder Ahnung davon, sie schissen sich vor Angst in jede greifbare Hose.

ppq. so hat gesagt…

der große vorteil ist doch aber, dass sie keine ahnung haben

Gerry hat gesagt…

Abfangen heisst im normalen Sprachgebrauch der Luftwaffe, das Flugzeug abschiessen. Eine Abfangrakete fliegt auch nicht nebenbei her und winkt mal rüber.

ppq. so hat gesagt…

ja, aber in der rein technischen definition lauten die internationalen standards: aufruf, abfangen, zeichen geben, warnschüsse, abschuss.

Anonym hat gesagt…

PPQ hat recht, und Abfangraketen gibt es nicht. Wäre aber witzig, die EU könnte ja mal eine entwickeln (25 Jahre und 25 Milliarden Euro später wissen wir dann, wie eine aussieht).

quer hat gesagt…

"Abfangen heisst im normalen Sprachgebrauch der Luftwaffe, das Flugzeug abschiessen...."

Eben nicht. Abfangen ist die Vorstufe. Bedeutet: Stellen, abdrängen, bzw. zur Landung zwingen.

Geht das nicht, dann Warnschuß (mit Maschinenwaffen). Est dann folgt der Abschußbefehl mit Luft-Luft-Raketen.

Die Geschwindigkeit der Abfolge richtet sich nach der Situation und der Tiefe des Raums.

Hab' ich so als ILO gelernt und praktiziert. Auch ein scharfer Schuß war dabei....

ppq. so hat gesagt…

der punkt ist, das hier nichts von dem getan (es gab ja gar keinen grund), das aber als "abfangen" bezeichnet wurde

quer hat gesagt…

@ppq,
so isses! Nicht nur in diesem Falle, sondern auch in anderen Bereichen wird mit Begriffen und Bedeutungen hantiert: Ohne jedes Wissen, bzw. gegen jedes Wissen. Man nennt diesen Vorgang Manipulation. Krieg ist Frieden, Islam ist Frieden, Demokratie ist links, rechts davon ist Faschismus, usw, usw.

Gerry hat gesagt…

Dank der Experten hier lerne ich dazu.

Folgende Frage bleibt dann aber immer noch offen: wem wollen die Schreiberlinge mit ihren Spins was beweisen? Welche Richtung, welches Ziel soll es denn sein? Einen Krieg mit Russland etwa? Lächerlich.
Oder wollen sie sich selber moralisch aufrüsten, sich stark fühlen auch wenn sie wissen, dass da nix ist?
Oder, wenn sie wissen, dass Krieg nicht in Frage kommt, soll jeder Strohhalm verwendet werden um das Bild von Russland als dem Bösen zu vervollkommnen. Damit alle Sanktionen, jede Propaganda gerechtfertigt erscheint.

Captchachek: 17441

ppq. so hat gesagt…

ich denke, das letztere. man will recht gehabt haben. am anfang war es einfach eine geile story, russland dreht durch, putin der zar usw. man konnte schön fordern, man hatte einen bösen und war selbst auf der guten seite...

jetzt ist es nur noch rechthaberei, ohne ziel. denn krieg verkauft jetzt auch nicht so gut zeitungen

quer hat gesagt…

"...denn krieg verkauft jetzt auch nicht so gut Zeitungen"

Mag schon sein. Aber wie man deutlich (in Sachen Ukraine) lesen kann, wird tatsächlich mit Desinformation und Halbwahrheiten auf einen Krieg hingearbeitet. Aus der Vergangenheit ist bekannt, daß man dazu vor allem einen aufgebauten Buhmann braucht, gegen den alles irgendwie gerechtfertigt erscheint. Die Größe des angesagten Spiels spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle.
Und gelingt es nicht gegenüber Rußland, dann eben woanders. Wir können hier nur von Glück sprechen, daß Putin nicht der gleiche Hitzkopf wie seine Gegner ist. Ganz im Ernst, als Historiker.....

ppq. so hat gesagt…

kann sein. aber ich mag nicht glauben, dass die mehrzahl der schreiber in solche überlegungen eingeweiht sind. mit viel größerer wahrscheinlichkeit sind da einfach opportunisten zugange, die wissen, was die stunde geschlagen hat, wenn alle ruingsum auf putin eindreschen: da muss man mitmachen, da muss man fantasie zeigen und sich selber mal eine beschuldigung ausdenken

Gernot hat gesagt…

All das kommt von den Leuten, die den Kindern das Kreigsspielzeug verboten haben.

derherold hat gesagt…

"... mit viel größerer wahrscheinlichkeit sind da einfach opportunisten zugange ..."

@ppq ist halt jemand, der mit überbordender Sympathie an das Gute im Menschen glaubt.

derherold hat gesagt…

"... mit viel größerer wahrscheinlichkeit sind da einfach opportunisten zugange ..."

@ppq ist halt jemand, der mit überbordender Sympathie an das Gute im Menschen glaubt.

Anonym hat gesagt…

Fischverpackungsdesigner. Was haben wir unlängst gelacht, im Waffenfetischistenverein, als ein Schmierfinke in einem Regionalblättchen blödelte: Es wurde mit einer Waffe im Kaliber 22 mm geschossen.

ppq. so hat gesagt…

@herold: darauf kannst du wetten!!!!

Anonym hat gesagt…

der meinte wohl : 20 mm Rheinmetall - hab ich immer am Mann .

Der Sepp

Reichswehrkraftverstärker