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Montag, 9. November 2015

Vom ADAC bis DFB: Deutschland einig Mafialand

Denn zum Fressen sind sie da, die Mäuse.
Über Jahre hinweg schien es so, als seien Korruption, Bestechung und Mafiastrukturen ein Problem südeuropäischer Bananenrepubliken. Deutschland dagegen hatte den Sachsensumpf ausgetrocknet und die Frösche mit Beförderungen bestraft. Alles sauber im Land, keine Verdachtsfälle.

Bis der ADAC kam und auch öffentlich zu einem Höllenloch aus Günstlingswirtschaft wurde. Nichts stimmte mehr, alles war gelogen und alle hatten über Jahre mitgemacht. Die, die das hätten enthüllen müssten, machten selbst mit: Deutschland beste waren die, die von besten Freunden ausgesucht wurden. Nicht die, die dem Publikum am besten gepasst hätten.

Der Schein zumindest blieb gewahrt, selbst als sich herausstellte, dass Deutschland ein Staat ist, in dem der Bundespräsident den Chef der größten Zeitungsmacht privat anzurufen pflegt, um ihn darum zu bitten, eine Geschichte nicht zu drucken. Wie oft hat er vorher angerufen, und damit Erfolg gehabt? Welche Nummern hat er noch? Und wer alles hat die der anderen Zeitungen, Sender, Verlage?

Man kennt sich, man trifft sich, man tut sich nichts. Wie in der alten DDR ist der Staat zum Staat im Staate geworden, in dem ein abgegrenzter Zirkel Auserwählter Politik macht. Bananenrepublik, Wunschdemokratur. Sie sind keine Mafia, aber sie wirken wie eine, wie ein Blick auf den Aufsichtsrat der Volkswagen AG verrät.

Alle sind hier versammelt, in unter einem Brennglas werden die gesellschaftlichen Verhältnis der Bundesrepublik kenntlich: Der katarische Prinz Hussain Ali Al-Abdulla und der katarische Minister Akbar Al Baker sitzen neben dem Wolfsburger Betriebsratschef Uwe Fritsch, die Gewerkschafter Babette Fröhlich und Berthold Huber, Louise Kiesling, eine Nichte des SS-Mannes und NSDAP-Mitglieds Ferdinand Porsche, nimmt neben dem niedersächsischen Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Platz, daneben Ministerpräsident Stephan Weil. Gegenüber, aber im selben Boot, sitzen Peter Mosch, ein Betriebsrat der mit Zwangsarbeiterblut aufgebauten Audi AG und mit Ferdinand Oliver und Wolfgang Porsche zwei Familienvertreter.

Eine Art postdemokratische Elite aus Geld und Gewerkschaftskraft, vom Wähler verliehener politischer Bedeutung und altem Nazi-Erbe. Da kommt keine Luft zwischen Arbeit und Kapital, da gibt es keinen Streit zwischen Macht und Volk, denn die Macht geriert sich, als sei sie das Volk. Korporativ organisiert, gleicht das Aufsichtsgremium über den Konzern, dessen Puff-, Lustreisen- und Korruptionstradition Legende ist, einem Bündnis, das von gleichen Interessen geeint wird: was gut für uns ist, ist auch gut für das Land und die Menschen.

Ein System, das der DFB adaptiert hat. In einem unverbrüchlichen Bündnis mit der Politik organisierte der weltgrößte Sportverband sich um das Jahr 2000 herum die Durchführung des weltgrößten Sportereignisses. Moralisch fragwürdige Gestalten wie der spätere Verbandschef Theo Zwanziger, der steuergünstig im Ausland residierende Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach, ein intimer Kenner der Besitzverhältnisse in der US-Medienbranche, marschierten nun zusammen mit dem vom Linksradikalen zum Law-and-order-Mann gewendeten Otto Schily und dem Kanzler Schröder, dessen Nähe zu einem Hannoveraner Versicherungsmakler einerseits von seinem raketenhaften Aufstieg kündete, es ihm andererseits auch erlaubte, an einer Biografie zu verdienen, die kaum jemand je las. Ziel war es, Deutschland eine WM zu kaufen.

Der Preis war egal, denn das Ziel einte alle, wie sie nun auch die Empörung eint: Niemand hat nichts gewusst, keiner war mit keinem verschworen. Das Gesetz der Omerta umschließt den kleinen Kreis der Täter, die sich immer sicher sein dürfen, mit einem blauen Auge davonzukommen.



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