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Montag, 19. September 2016

Lesetipp: Merkel, die Weltkanzlerin

Wie stark Angela Merkels Kanzlerschaft (2005–2017) nicht nur die Bundesrepublik, sondern auch die Weltgemeinschaft prägte, arbeitet der Historiker Horst Hallig in seinem faszinierenden Buch „Angela Merkel - Weltkanzlerin“ umfassend und dicht heraus. Und Hallig hebt dabei hervor, dass Merkel stets gestaltend regierte - und nie, wie ihre Kritiker über Jahrzehnte hofften, den letzten falschen Schritt Richtung Abgrund ging.

Nachrufe, wie sie zuletzt vermehrt erschienen, sind verfüht, sagt der Autor, der über Monate Gelegenheit hatte, Merkels große Reden zu lesen und ihre Auftritte in den Medien zu studieren. Wo der junge und überaus kritische Autor Wenzel Heisebrink zuletzt noch eine "Inszenierung der Macht" (Buchtitel) entdeckte, beschreibt Hallig nun eine jetzt schon historische Figur der Weltgeschichte: Denn Angela Merkel fühlte sich auf der weltpolitischen Bühne nicht nur wohl und wurde international hochgeschätzt, sie prägte sie entscheidend mit.

In den krisengeschüttelten 2000ern gelang es ihr z.B., die immer vor dem Untergang stehende Euro-Zone durch geschicktes Lavieren zu retten. Die immer noch semisouveräne Bundesrepublik wurde unter ihrer Führung als global agierende Wirtschaftsmacht und als Motor in einer weit vernetzten Weltpolitik etabliert, genau wie es der Hades-Plan vorgesehen hatte. Horst Hallig stellt diese bis dato in der Forschung vernachlässigte internationale Bedeutung der Christdemokratin aus Hamburg in den Mittelpunkt seines Werkes.

Das wirft ein neues Licht auf eine alte Bekannte. Während sich Analysten, Historiker und Politikwissenschaftler bisher vor allem mit den Spannungen in der christsozialen Koalition, der Auslöschung des Liberalismus durch Merkel, der Sozialdemokratisierung der Union und den Verwerfungen durch Terror, Bespitzelung sowie der Schwäche der deutschen Nachbarstaaten befassen, geht der in Görlitz lehrende Historiker einen anderen Weg. Er zeigt, wie Merkel es verstanden hat, die Bundesrepublik langfristig im Spiel der Weltpolitik zu vernetzen und als Global Player bei der Neuordnung und Umgestaltung der Weltgemeinschaft zu verankern, während sie gleichzeitig Europa zu einer festen deutschen Burg ausbaute.

Kritik wird natürlich auch genannt, aber sie verschwindet vor der großen historischen Leistung. In die Zeit ihrer Kanzlerschaft fallen die Aufgabe der Rechtsbindung aller europäischen Verträge, das Vorrücken deutscher Truppen bis zur russischen Grenze und die Vernichtung Nordafrikas als Urlaubsalternative zur Ostsee. Dort befindet sich Angela Merkels Wahlkreis, dort wird am meisten von der Misere am Mittelmeer profitiert, schreibt Hallig.

Angela Merkel selbst hat zu dieser Analyse nie Stellung genommen, aber auch sie wird dieses Buch gern lesen. Hallig plädiert mit seinem hervorragend erzählten Buch dafür, Merkel jetzt schon in die Liste der großen, weil wegweisenden deutschen Kanzler und weltpolitischen Denker aufzunehmen. „Merkel hat doch, auch wenn sie selbst es nie so sgaen würde, Weltpolitik betrieben“, erklärt der Autor. „Mit einem tiefen Verständnis für die Interdependenz von allen Staaten in der Weltwirtschaft und für Geopolitik – mitsamt des Vorhersehens, schon seit den 1960er Jahren, von Chinas zukünftigem Aufstieg und der Multipolarität der Welt." Merkel habe viel operiert und sei wenig verstanden worden, auch auf der globalen Ebene. "Doch man kann sagen, dass Deutschland erst durch sie als politische Weltmacht wahrgenommen worden ist.“



Kommentare:

Gerry hat gesagt…

Das Lavieren von Frau Merkel wurde auch anderweitig öfters so interpretiert. Dass wir Laien das große Ganze nicht checken, das Kanzlerwesen dagegen Deutschland quasi trotz anderem Schein nach vorne bringt. Aber solange es keinen Satz geradeaus sagen kann und überhaupt ständig ein derart seltsames Auftreten an den Tag legt, dass man gezwungen ist, wegzuschalten, weil man sonst Gefahr läuft einen Schreikrampf zu bekommen, ist diese Behauptung kaum zu glauben.

Heidjer hat gesagt…

Tja, es gab auch Schreiberlinge, die Hitler damals überzeugt das Hohelied sangen.

Solche Typen existierten zu allen Zeiten, und die werden auch in Zukunft wohl leider nicht aussterben, weil sich anbiederndes Mitläufertum in der Herde die einfachste Überlebensstrategie ist.

Bis zum nächsten Regimewechsel, denn dann endet deren Höhenflug oft an irgend einem Laternenpfahl.

Hoffentlich, denn anständige Menschen füttern schon genug kriminelles Gesindel durch.

Volker hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Volker hat gesagt…

"während sie gleichzeitig Europa zu einer festen deutschen Burg ausbaute"

Aber was für eine Burg.
Früher mussten die Feinde mühevoll die Mauern unterhölen. Oder Belagerungsmaschinen bauen.

Das können die sich heute sparen.
In die Merkel-Burg geht es ganz einfach - durch die offene Tür.

Anonym hat gesagt…

Gerry macht seine Stammesschwester madig? Ist ja fast fast so unappetitlich wie die Keife zwischen dem Trierer Dienstmädchenschänder und Fajst Lasal.

Halbgott in Weiß

P.S. Was mache ich heute wieder Riches.