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Samstag, 17. September 2016

HFC: Unterzahl, scheißegal

Die Spieler wechseln seit Jahrzehnten, das Ergebnis bleibt irgendwie gleich: Zufrieden geht anders.

PPQ-Leser und HFC-Fans mögen mir verzeihen, dass ich nicht in der gewohnten Qualität übers Spiel berichten kann. Ich bin hier Gastautor, der die Ehre hat, diesen Bericht zu schreiben. Hintergrund ist eine langjährige Freundschaft mit den PPQ-Autoren sowie meine Rückkehr nach 30 Jahren. Denn so sieht`s aus: Ich war vor etwa 30 Jahren das letzte Mal im Stadion. Damals noch namens Kurt Wabbel und mit Aschenbahn.

Das erste, was auffällt: Die HFC-Fankurve ist eine Gerade. Es steht zwar groß Fankurve angeschrieben, es bleibt aber eine Gerade. Aus dem Oval ist ein Viereck geworden. Das zweite Auffällige: Die Aschenbahn fehlt, man sitzt also trotz Reihe 13 (Block 14) recht nah am Geschehen. Das ist von Vorteil, sieht man doch alles besser.

 Heute war´s jedoch teilweise zum Nachteil. Je näher man den Fehlern der eigenen Mannschaft ist, desto mehr regt´s einen auf. Also mich jedenfalls. Dann gibt es jetzt da richtig viel Werbung: ein Geldinstitut bietet Fan-Kreditkarten an und eine Wohnungsgesellschaft "organisiert Leben". Da bleiben Fragen offen, aber das wäre an dieser Stelle unangebracht.

Kurz vor Anpfiff wird es volkstümlich. Das ist das Fanlied, erfahre ich, gespielt von den Original Saaletalern.

 Nun, dazu kann man stehen wie man will - ich persönlich stehe nicht so auf die Mucke und auch die Textzeile "...egal wer unser Gegner ist, das Spiel verliern wir nie!" hebt nicht unbedingt meine Einstimmung aufs Spiel. Wenn ich mir selbstverständlich genau das wünsche.

Angetreten ist der FSV Frankfurt - zum  Zeitpunkt des Anpfiffs Tabellenletzter der 3. Liga. Es spielt also Platz zehn gegen Platz 20 - das sollte doch zu machen sein. Andererseits haben die Hessen außer der Schlussleuchte nichts zu verlieren. Manchmal kämpft es sich von unten besser als von oben.

Anpfiff. Nach 30 Jahren steht da natürlich auch eine komplett andere Mannschaft auf dem Rasen, als bei meinem letzten Besuch. Mir sagen die Namen nicht viel, der Vollständigkeit halber sei die Aufstellung von Coach Rico Schmitt genannt: Bredlow, Schilk, Kleineheismann, Ajani, Baumgärtel, Fennell, Barnovsky, Röser, Pfeffer, Lindenhahn, Pintol. Den Kader der Frankfurter hab ich nicht mitgeschrieben, es sei mir verziehen.

 
Beide Mannschaften beginnen zügig und kämpferisch, die Hausherren sind jedoch aktiver, Frankfurt spielt zunächst defensiv. Die ersten Chancen von Halle verpuffen leider in der Frankfurter Abwehr. Aber ich merke: Der HFC macht Druck. Das gefällt mir. Ein Eckball von Röser in der 17. Minute landet auf dem Kopf von Kapitän Kleineheismann, der lenkt das Leder jedoch am Kasten der Hessen vorbei.

Die Spannung steigt, wie auch die Stimmung im Oval. Ähm, ich meinte natürlich, im Viereck. Es folgen Ecken auf beiden Seiten - alle ohne Ergebnis. Dann die wirklich große Chance zur Führung: Nach erneutem Eckball kann Pintol das Leder fast eingeköpfen, der Frankfurter Torwart aber pariert. Den darauffolgenden Eckball setzt Fennell an die Latte, langsam aber sicher muss die Führung her. Doch es sollte nicht sein. Der Herr hinter mir in Reihe 14 bringt es auf den Punkt: Ja. So jehts. Aber im Moment isses eher nüschd.

Es geht wohl ohne Tore in die Halbzeitpause. Ich schmecke schon das Halbzeit-Bier auf der Zunge, als mir der Schreck in die Glieder fährt: Kleineheismann sieht nach einer Notbremse die Gelb-Rote Karte (nach Gelb wenige Minuten zuvor). Nun also zehn gegen elf. Kann das gut gehen?

 Es geht nicht gut. In der 45. trifft der Frankfurter Ornatelli zum Führungstor. Der HFC wirkt nun sichtlich angeschlagen, das Spiel hat aus meiner Sicht keine Ordnung mehr. Der Halbzeitpfiff ertönt und der Herr in Reihe 14 kommentiert das mit: Guggse diche doch an, die Klons. Ich denke mir, er meint Clowns, bin mir aber unsicher, welche Spaßvögel er damit meint. Der Appetit aufs Pausenbier ist mir jedenfalls vergangen.

Die zweite Hälfte beginnt der Stadionsprecher mit: Wie heißt es doch beim Eishockey?

Unterzahl - Scheiß egal. Ich denke mir, hoffentlich behält er Recht. Zunächst sieht es jedoch eher finster aus, wie auch der Himmel, weswegen unterdessen das Flutlicht an ist. Statt Halle stürmt nun Frankfurt und ich rechne fest mit dem nächsten Gegentor, wenn ich mir natürlich das Gegenteil wünsche. Was mir auffällt: Zu viele Pässe der Hallenser gehen in die falsche Richtung, in den leeren Raum oder zu den falschen Spielern. Da läuft etwas schief, oder, wie der Herr hinter mir es nennt: Hört doch off mit dem Schais.

Das haben sie wahrschenlich gehört, denke ich mir, denn ab Minutre 65 kommt wieder Ordnung ins Spiel und Halle kann den FSV wiederholt in deren Strafraum drängen. Es fehlt aber immer wieder der Abschluss, dazu kommt noch Pech und fehlendes Glück. Die Fan-Gerade peitscht nun mit Gesang und Applaus ihre Mannschaft nach vorn. Das steckt an und bei mehreren Aktionen der Gastgeber steht auch Block 14. Das muss doch mal Früchte tragen, denke ich mir gerade, als uns Fenell erlöst:

TOOOOOOOOOOOOOOOOOR!!! Ausgleich. Ich warte auf einen Spruch aus der Reihe hinter mir, aber postive Aktionen werden wohl nicht weiter kommentiert. Halle stürmt daraufhin noch mehrfach gegen die Frankfurter. Zwei wirklich gute Hammer-Schüsse von Lindenhahn und El-Helwe (ab 59. für Röser) kann Frankfurts Torwart abwehren, wenn auch  nur mit Not.

Es bleibt beim 1:1 und nun kommt doch noch ein Kommentar aus Reihe 14, nachdem ich ein "wirklich Schade, so ein Pech aber auch" in die Runde werfe: Eigentlich wie immer. Sagt der Herr und die Dame daneben: Immerhin nicht verloren. So kann man das natürlich auch sehen. Ich war heute einer von 5798 Zuschauern und vielleicht werde ich mal wieder ins Eckige kommen.   

Hallescher FC gegen FSV Frankfurt 1: 1 - eine Spielbetrachtung (Gastautor)


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