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Freitag, 31. März 2017

Deutschlands neue Spaltung: Der Schulz-Graben


Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört. Und Sollbruchstellen zeigen sich dort, wo landschaftlich seit Jahrhunderten und wirtschaftlich seit Jahrzehnten  unterschiedliche Kulturen blühen. Sechs Monate vor der Bundestagswahl zeigt Deutschland ein neues Gesicht: Die Transfergebiete im Norden hängen einer neuen Studie zufolge dem neuen SPD-Star Schulz an. Der ökonomisch prosperierende Süden hingegen hält Kanzlerin Angela Merkel die Treue.

Noch barmen die Ostbeauftragtinnen, noch pöbeln die Leitmedien regelmäßig gegen Ostdeutsche, noch besteht die Fußball-Nationalelf nur aus einem einzige gebürtigen DDR-Bürger, der umgeben ist von Alt-Wessis, die ihn zumindest offiziell als Gleichberechtigten in ihren elitären Kreis aufgenommen haben. Doch nun kommt Martin Schulz, ein Westler reinsten Wassers, und er spaltet Deutschland entlang eines ganz neuen Äquators.

Der Riss, der gerade noch zwischen Ost und West klaffte, hat sich Wettstreit zwischen Schulz und seiner Rivalin Angela Merkel geschlossen. Aufgerissen ist an seiner Stelle ein Rubikon, der Deutschland Norden vom Süden trennt: Oben zeigen exklusive Auswertungen des Suchverhaltens der Deutschen, die das Bundesblogampelamt im mecklenburgischen Warin vorgenommen hat, eine dominierende Vorliebe für Schulz. Unten hingegen suchen die Deutschen viel lieber nach Angela Merkel.

Die Trennung von Ost und West ist damit erstmals Geschichte. Der Schulz-Graben, bereits seit fünf Jahren zu beobachten, aber von sämtlichen Nachrichtenmagazinen ignoriert, hat die Wunden des Kalten Krieges geschlossen. Übrig geblieben ist eine blaue Insel im roten brandenburgischen Schulz-Meer, die an den früheren Status West-Berlins erinnert: Die alte Reichshauptstadt, durch eine Kollektivanstrengung der Konservativen wieder mit alten Ehren ausgestattet, trotz der Geografie. Und sucht nach Merkel, während ihr gesamtes Umland Martin Schulz verfallen ist.

Halbe-halbe zeigt sich das Land, eine Nation, die zerrissen ist wie nie. Hier interessieren sich Menschen für ihre Kanzlerin der Herzen, die allein Griechenland zwölfmal gerettet hat. Dort wollen sie alles über Schulz wissen, den Gerechtigkeitsspender, der den Brexit organisierte und in Sachen Europa nicht lockerlässt.

Es ist, als ginge ein Zeitalter zu Ende. Jahrzehntelang wurde Deutschland von zwei politischen Lagern geprägt, standen sich Ostdeutsche und Westdeutsche gegenüber. Alle Staatspräsidenten kamen aus den Reihen der Westdeutschen, alle Kanzler, die meisten Manager, Minister und Staatssekretäre. Streit gab es immer – doch nun scheint das gesamte Koordinatensystem deutscher Politik ins Wanken zu geraten, so dass ein Mann wie Schulz in einem Teil des Landes wie ein Heilsbringer verehrt wird. Während im anderen eine vielkritisierte Dauerkanzlerin noch immer Neugier weckt.

Eine gefährliche Entwicklung: Beide Volksparteien, die sozialistische SPD wie die sozialdemokratische Union, zerfallen in regionale Einzelgruppen, Selbstverständlichkeiten sind keine mehr, politische Verlässlichkeit wird zur Ausnahme. Die Bürgerinnen und Bürger schwindeln bei Meinungsumfragen, die Demoskopen schützt nur ihr Schweigepakt mit den Medien, die Parteizentralen lavieren durch Nebel. Statt Ost gegen West heißt es nun Nord gegen Süd.

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