Google+ PPQ: Hypocrisy Day: Der stille Held der Heuchelei

Sonntag, 26. März 2017

Hypocrisy Day: Der stille Held der Heuchelei

Vor 185 Jahren stellte sich am Strand von Boltenhagen der erste Heuchler öffentlich vor seine Wähler.

Am 26. März vor über 185 Jahren feierten die Bewohner des ostdeutschen Badeortes Boltenhagen eine revolutionäre Premiere: An diesem Tag im Jahr 1830 gab zum ersten Mal ein städtischer Politiker zu, dass er bei der Beschreibung einer geplanten Baumaßnahme nicht die ganze Wahrheit gesagt und über einen Teil der Kosten geschwiegen hatte. Zudem habe er Kritikern signalisiert, dass er auf ihrer Seite stehe und für ihre Pläne kämpfen werde, wenn er erst gewählt sei. Rolf Heinrich Radewig, ein überaus geachteter Bürger, der zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahrzehnte im Stadtrat gesessen hatte, bezichtigte sich selbst der Heuchelei. Er habe, so sagte er, nur Gutes gewollt. „Aber ich wählte die falsche Methode.“

Die ewig gleiche Methode


Eine Premiere, die das Verhalten in der Politik weltweit gravierend änderte. Niemals wieder würde ein Politiker von hier an als Erster zugeben können, dass er bigott geheuchelt, gelogen und die falschen Methoden gewählt hat, um seine ehrenwerte Ziele zu erreichen. Radewig, den keine Not drängte und der ganz aus Gewissenspein heraus handelte, war und bleibt für immer und alle Ewigkeit der Erste. Der amerikanische Präsident Ronald Reagan proklamierte dieses Datum deshalb 1984 zum „Hypocrisy Day“, der inzwischen weltweit jährlich gefeiert wird.


Die Möglichkeit, das eine zu tun und das andere zu sagen, ist schon länger bekannt, erforscht und ausprobiert. Doch niemals aber wurde sie so extensiv und engagiert genutzt wie in den Tagen der „Fake News“, die immer nur von anderen kommen, der unzulässigen Wählerbeeinflussung aus dem russischen Ausland und der beschworenen eigenen Superpolitik, mit der alle Menschen einverstanden sein müssten, wären sie nur recht bei Trost.

Was Heuchelei in Deutschland so beliebt macht

Was aber macht die Heuchelei über die Jahrhunderte und bis heute so beliebt? In Deutschland heuchelt mittlerweile fast jeder, Politiker sowieso, aber auch die sie kontrollierenden Medien, dazu Behördenchefs und Karnevalsvereine, Fußballer, Manager und Verbandsfunktionäre, selbst einfache Wähler, die sich immer häufiger einen Spaß daraus machen, denen von ihnen verachteten Demoskopen einzureden, der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz habe eine reelle Chance, Bundeskanzler zu werden.

Ausgerechnet Schulz, einer der führenden Heuchler der Republik. Allein seine Partei produziert nach Angaben von Hypocrisy-Forschern wöchentlich rund 43 Kiloäquivalenten Heuchelei, die CDU kommt auf 37, Linke und Grüne zusammen auf 53, die AfD liegt bei 35. Über die letzten vier Jahre betrachtet, wächst die Heuchelei auffällig (im Durchschnitt +211 Millionen Kilogramm im Jahr). Das bestätigt auch der aktuelle „Ehrlichkeitsreport" von Honesty International: Über 55 Prozent der Deutschen legen danach Wert auf eine einfache und schnelle Erkennbarkeit von Heuchelei, sie heucheln aber auch zu selbst, nie (67 %) oder doch kaum zu heucheln (22%).

Hier sehen Wissenschaftler ein sogenanntes Echo der Ausgangsfrage: Der Mensch greife naturgemäß gern zu Heuchelei, um eine unangenehme Wahrheit nicht aussprechen zu müssen.

Heuchelei ist Alltag


Besonders für die Gruppe der unter 30-jährigen (72 %) ist Heuchelei heute Alltag. Heucheln  ist in Deutschland aber auch so beliebt, weil immer weniger Menschen Bedenken haben, angenommene Gefühle als echt zu auszugeben: Empörung, Abschau und Entsetzen werden taktisch eingesetzt, Schauspielern, Nachrichtenansagern und Politikern abgeschaut und als originär ausgestellt.

Rolf Heinrich Radewig, der heute längst vergessene stille Held, der als erster erkannte, auf welchen Irrweg das multiple Heucheln führt und sich unter Einsatz seines Amtes, seiner Person und seines bis dahin äußerst erfolgreich verlaufenden Lebens gegen die wuchernde Hypocrisy wandte, würde  sich im Grabe umdrehen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

1830 war Ostdeutschland Memel. du Knalltüte!

ppq hat gesagt…

von hamburg aus gesehen war auch boltenhagen ostdeutschland, du ossihasser!

Anonym hat gesagt…

Also, ich (Anonym) war das nicht. Schmähungen wider den Blogwart halte ich für Meintat. Ich mag nur den Sauer ein wenig am Bein ziehen, wegen seines einfältigen Glaubens an die heilige Einspritzpumpe.