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Dienstag, 7. August 2018

Wagenknechts Aufstehen: Soziologie eines Aufstands von oben

Ein Landschaftsbauer ist da, ein Mann aus London, zwei Journalistinnen, eine Gewerkschafterin und eine Rentnerin, ein Unternehmer, eine Lehrerin und ein Kameramann, ein DJ, ein Privatier und eine Lehrerin, eine Schülerin, ein Bürgermeister, ein engagierter Vater, ein Pastor und zwei Studenten.

Sahra Wagenknechts Startaufgebot für die neue Bürgerbewegung "Aufstehen" zeigt schon beim kursiven Überflug ein Kernproblem dessen, was die Initiatoren für "links" halten: Es ist ein Links der Lattetrinker, Großstädter, Fremdversorgten und Funktionäre, ein Links der Erwartung an andere, ein Links ohne Arbeiter, Angestellte, Handwerker.

Bemerkenswert: Nur sieben von 18 Kronzeugen für die Notwendigkeit einer "Sammlungsbewegung" (Wagenknecht) der Linken sind weiblich. Doch alte weiße Männer kommen unter den Zeugen Sahras trotzdem nur als Funktionsträger vor: Pfarrer und Bürgermeister halten schüchtern die Fahne derer hoch, die den Politikbetrieb jenseits des Palastes der sozialen Gerechtigkeit dominieren.

Es ist ein Aufstand von oben, den Wagenknecht mit ihrem Mann Oskar Lafontaine ausgerufen hat. Alles, worin die früheren Arbeiterparteien SPD und PDS einst ihre Wurzeln hatten, fehlt hier. Wagenknecht scheint entschlossen, das Milieu um sich zu sammeln, dem die Grünen ihren derzeitigen Umfrageaufschwung zu verdanken haben.

Das Publikum, das einst die Stammwählerschaft der SPD bildete und heute noch den Kern der PDS stellt, ist außen vor. Der VW-Arbeiter, der Fliesenleger, der Zahntechniker, die Ärztin, Nagelstudiobetreiberin oder die Ladeninhaberin, sie haben keinen Platz in Wagenknechts schöner neuer Sammlungswelt, in der der Klassenkampf als Kampf gegen die Klassen fortgeführt wird, die die Gesellschaft am Laufen halten.

Wagenknecht, in ihrem Leben ganze drei Monate regulär in einem Erwerbsarbeitsverhältnis gefangen, sucht die neuen Mehrheiten für eine linke Wende zurück zur vermeintlich so sozialen Gesellschaft der DDR abseits der Menschen, die früher einmal links gewählt haben. Nicht der gewöhnliche Steuerzahler soll hier offenbar mitmachen, sondern der Leistungsempfänger, der vom Vollversorgungssystem staatssozialistischer Prägung träumt.

Von Eigenverantwortung ist bei "Aufstehen" nicht die Rede, dafür hagelt es Forderungen nach billigen Mieten, beitragsfreien Kindergartenplätzen und höheren Renten. Geld spielt keine Rolle, Geld ist, so glaubt man bei Wagenknechts, irgendwie immer da, war doch so in der Finanzkrise und bei Flüchtlingen auch. Warum nun nicht mal denen geben, die kleine Renten und große Wohnungen haben, die sie fast nicht mehr bezahlen können? Die im Auslandsjahr gesehen haben, dass Schulen in Kanada viel schicker sind als hierzulande? Oder das rumänische Internet loben, weil das besser ist als das deutsche?

"Werde Teil der Bewegung an", lockt Wagenknecht mit einer Wortwahl, die bestimmt kein Zufall ist. Es lockt wiedermal die Vermassung, das Gesinnungskollektiv. Jeder darf hier mitmachen, es kostet nur die Preisgabe einer E-Mailadresse. Die niederen Instinkte, hier erhalten sie endlich die höheren Weihen.

Kommentare:

Immo Sennewald hat gesagt…

Treffend beschrieben. Der Zulauf dürfte sich entsprechend rekrutieren. Wirklich schlimm ist, dass jene, die hierzulande den Wohlstand erarbeiten, nur noch die Wahl zwischen verschieden ausgeprägten Spielarten politbürokratischer Herrschaft haben - und kaum noch eine glaubwürdige Stimme. Sie finanzieren die Imperien der Weltenretter, ihre Wahnvorstellungen von der Klimarettung und der Erlösung im Eiapopeia allumgreifender Menschlichkeit. Entschädigt werden sie dadurch, dass sie sich in der Freizeit zu Tode amüsieren dürfen von Medien als quoten- und klickbringende Dummbatzen betrachtet, bevormundet, befürsorgt, der Verantwortung enthoben. Mal sehen wie lange's noch gutgeht.
Die Wagenknechtsche "Bewegung" könnte enden wie die "Piraten", wobei die Machtkämpfe immerhin ein interessantes Schauspiel gäben. Wer zahlt, ist jedenfalls längst klar.

Sauer hat gesagt…

So geht Sozialismus: Es ist vielleicht nicht weit bekannt, daß Lafontaine gewöhnlich bekannte Künstler, Sänger, etc., die gerade in Saarbrücken sind, gern zum Essen einlädt. Nach dem Essen, wenn es ans Zahlen geht, hält sich Lafontaine nicht mehr für zuständig, so daß der Gast die Rechnung übernehmen muß, will er Aufsehen und Ärger vermeiden. Lafontaine praktiziert damit privat bereits die Ziele seiner Bewegung: Mit am reich gedeckten Tisch sitzen, aber die anderen für das Mahl aufkommen lassen. Sozialismus ist halt der heuchlerischste Beschiß, den sich Leute ausgedacht haben, die nicht für die Kosten ihrer Existenz aufkommen wollen, sondern den von anderen gelieferten Rahm absahnen wollen.

ppq hat gesagt…

lafos art, das wäre auch mein sozialismus

derherold hat gesagt…

Die gute Wagenknecht ist doch in der Hand westdeutscher Medien.

Wenn die Losung ausgegeben wird, daß Frau Wagenknecht genauso häufig in Talkshows zu sitzen hat, wie Meuthen von der AfD, dann war es das mit der "Sammlungsbewegung".

Vielleicht kommt dann auch ein Journalist auf die Idee, sich zu fragen, wie Frau Dr. Wagenknecht in einem Fach promovieren konnte, daß sie niemals studiert hat, woher ihre Kenntnisse von mathematischen Modellen und Regressionsanalysen stammen, die in ihrer Dissertation auftauchen ... und warum ihr Promotionsthema aber so gar nicht mit dem zu tun hart, was Sahra W. ansonsten verbal oder schriftlich verkündet. ;-)

Stehaufmännchen hat gesagt…

Eigentlich ist es doch wurscht, von welchen Politparasiten der malochende Doofmichel sich abzocken lässt, denn sein "schwarmintelligentes" Untertanenenkleinhirn schreit ja regelrecht verzweifelt nach Führung und Ausbeutung.

Dieser herdentriebige Jochochse ist für sein deutsches Sklavendasein doch devot dankbar, denn afrikanische Verhältnisse möchte er trotz aller gutmenschlichen Bimboimportjubelei dann dennoch nicht.

Dazu ist er zu korinthenkakerisch aufs ordentliche Autowaschen und -polieren fixiert.