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Sonntag, 10. Juni 2007

Kopfschuß in Köln

Als Reinhard Höppner seinen Ministerpräsidentensessel in Sachsen-Anhalt nach der glorios verlorenen Landtagswahl 2002 und acht schrecklichen Regierungsjahren verlassen musste, hatte er alles erreicht, was man erreichen kann, wenn man als Politiker komplett versagen will. Die Wirtschaft des ostdeutschen Bundeslandes war ruiniert, die Stimmung am Boden, Höppners Partei SPD verlor mehr als 15 % und kam gerade mal noch auf 20 Prozent der Wählerstimmen.
Dem Selbstbewusstsein des aus Halberstadt stammenden Mathematikers hat das eigene Versagen jedoch kein bisschen geschadet. Höppner, der aus dem evangelisch geprägten linken Milieu der Pfarrer-SPD stammt, wechselte an die Spitze des Evangelischen Kirchentages und trompetete nun als dessen Präsident seine bewährten Rezepte zur immerwährenden Verbannung des Bösen vom Angesicht der Erde in alle verfügbaren Mikrophone. Jetzt nutzte Teilzeitbuchautor Höppner, als Schriftsteller ähnlich erfolgreich wie als Politiker und deshalb bei bei amazon auf Platz 119.376 der Bestsellerliste geführt, den großen Open-Air-Gottesdienst des Kirchentages, um sich vor 100.000 Zuhörern einen Kopfschuß zu setzen, indem er zum liebevollen Dialog mit Mördern, Entführern und Selbstmordattentätern aufforderte.

Höppner, ein großer Freund der in der End-DDR modischen "Runden Tische", möchte über den Frieden oder zumindest das, was er dafür hält, auch mit den Herren Taliban schwatzen. "Auch Taliban und Terroristen gehörten an den Verhandlungstisch", glaubt der 59-Jährige und fand gleich auch eine passende Stelle in der Bibel: "Nur wo auch mein Feind einen menschenwürdigen Platz hat, kann Frieden werden." Mit ein paar netten Gesprächen und Schulterklopfen ist schließlich, zumindest in Reinhard Höppners Welt, nicht nur Hitler, sondern auch die RAF besiegt worden, Kuwait wurde so befreit und Finnland redete der Sowjetunion die geplante Eroberung aus. Jetzt also Kuscheln mit Al Kaida und Kaffekränzchen mit Bin Laden als logische Weiterführung.

Leider hat die Gegenseite in Form derGlobalen Islamischen Medienfront, Stimme der selbsternannten "Ritter des Märtyrertums" im Kampf gegen das gottlose Abendland, auf das Angebot zu einem freundlichen Schwätzchen auf Augenhöhe noch nicht reagiert. Bin Ladens Truppe hat derzeit auch andere Probleme: Im Aufsatz "79 Gründe, warum die Schiiten Kafir sind" wird den sunnitischen Terrorkollektiven draußen gerade beigebogen, dass auch die Glaubensbrüder mit Iran-Fixierung eigentlich keine richtigen Menschen sind und deshalb ohne große Gewissensbisse weggebombt werden dürfen. Aber vielleicht kann Reinhard Höppner auch hier helfen, indem er auf bewährte Art einen kritischen Dialog innerhalb der islamistischen Terrorbewegungen anmoderiert. Da der Mann seinen Kopf ja schon seit Jahren nirgendwohin mehr mitnimmt, kann ihm dabei auch kaum etwas passieren.

Kommentare:

panzerbummi hat gesagt…

männo! genau darüber wollte ich auch gerade posten :-)
nun gut, dann nur zur erinnerung einige zitate von wiglaf droste, die ich zu diesem behufe herausgesucht hatte:
1.) Die andere Wange jesusmäßig hinhalten ist Quatsch mit Sauce - in seine Feinde soll man Löcher machen, und zwar große.
2.) Alle Welt sucht das Gespräch mit Rechtsradikalen. Warum? Haben sie einem etwas zu sagen? Ist nicht hinlänglich bekannt, was sie denken, fordern und propagieren?
3.) Muß man an jeder Mülltonne schnuppern? Niemand wählt Nazis oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht, - das Gegenteil ist der Fall; Nazis sind Nazis, weil sie welche sein wollen. Eine der unangenehmsten deutschen Eigenschaften, das triefende Mitleid mit sich selbst und den eigenen Landsleuten, aber macht aus solchen Irrläufern der Evolution arme Verführte, ihrem Wesen nach gut, nur eben ein bißchen labil etc.

die zitate 2. und 3. lassen sich ohne größere probleme in den höppner-kontext übersetzen.

politplatschquatsch hat gesagt…

Merke: Dialog mit aktiven Taliban okay, Gespräche mit emeritierten Stasi-Männern ausgeschlossen:

Nach heftiger Kritik ist eine Tagung mit ehemaligen Stasi-Mitarbeitern in Berlin abgesagt worden. Die Max-Planck-Gesellschaft, in deren Räumen die Konferenz am 17. Juni zum Jahrestag des DDR-Volksaufstandes stattfinden sollte, kündigte den Vertrag mit den dänischen Organisatoren, bestätigte die Wissenschafts-Vereinigung am Samstag. Die Süddänische Universität aus Odense hatte neben Historikern aus Deutschland und Russland auch frühere Geheimdienstler und Stasi-Offiziere eingeladen und damit die Proteste ausgelöst

FABRICATED LUNACY hat gesagt…

maenno! genau darueber wollte ich auch gerade posten.

ja, ehrlich.

der is so dumm dass man langsam anfangen muesste, das lebensrecht von bodenlos dummen mitmenschen in frage zu stellen.

da bin ich mit osama auf einer linie: der will die gottlosen ausrotten, ich die geistlosen.

panzerbummi hat gesagt…

gibt es eigentlich auch moderate kinderschänder, antisemiten etc.?