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Dienstag, 2. September 2008

Panoramafenster für die Burg

Wenn Heiko Schulze bei der Renovierung seines geerbten Hauses Plastikfenster statt solcher mit Holzrahmen einbaut, weil sein Geld anders nicht reicht, geht das nicht bis zum Richtfest gut. Aufmerksame Beamte der sogenannten Unteren Denkmalschutzbehörde stehen eines Tages vor der Tür, die Baustelle wird geschlossen, Schulze zahlt ein Ordnungsgeld, hat nun noch weniger übrig für die teuren Holzfenster, muss sie aber dennoch bestellen. Weil es der Denkmalschutz so will.

Wenn Wolfgang Böhmer eine seiner Burgen ausbaut, ist alles anders. Natürlich, auch hier wird am Ende alles teurer als vorher gedacht - statt 12 Millionen Euro werden mindestens 18 fällig, ehe die historische Moritzburg in Halle an der Saale endlich saniert und erweitert als Gemäldegalerie eröffnet werden kann.

Wo aber Heiko Schulze in seinem denkmalgeschützten Erbstück aufpassen muss, dass er den Zuschnitt der historischen Räumlichkeiten nicht unzulässig so verändert, dass seine Familie die neue Wohnung optimal nutzen kann, darf Wolfgang Böhmer seinen Architekten beauftragen, mal so richtig die Sau rauszulassen: Eine Melange aus neu und alt, eine Burg mit Aluminiumdach, aus deren mittelalterlichen Mauern neue, schicke Panoramafenster leuchten. Statt der Unteren Denkmalbehörde, die Ordnungsgelder verhängt, kommt dann Bundespräsident Horst Köhler. Und hält zur Einweihung eine lobende Rede.

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