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| Noch im März soll die Flotte aufsteigen. |
Es ist ein einziges Sterben, ein Leiden des Volkes und seiner Institutionen unter dauernden Angriffen. Seit dem Beginn der von deutschen Experten umgehend als völkerrechtswidrig eingestuften Attacken der USA und Israels auf das friedliebende Mullah-Regime in Teheran steht die Welt fassungslos vor einem Rückfall der globalen Gemeinschaft in atavistische Reflexe. Auf einmal sprechen wieder die Waffen, wo die Diplomatie über Jahrzehnte hinweg nichts erreichen konnte. Auf einmal zeigen sich Staaten entschossen, nicht wie Chamberlain den "Frieden für unsere Zeit" höher einzuschätzen als den Frieden für künftige Generationen.
Entsetzen über Benzinpreise
Das Entsetzen ist groß, vor allem wegen der gestiegenen Benzinpreise. Die Empörung richtet sich wie immer gegen die Regierungen in Jerusalem und Washington, aber auch gegen die in Berlin, Paris und Brüssel. Dort hatten sich die führenden Köpfe schon wenige Stunden nach dem Beginn der Angriffe von IDF und US-Air-Force auf den souveränen Gottesstaat Iran mit der Idee eines blutigen Systemwechsels arrangiert. Bedenken bestanden nicht wegen der brutalen Methoden, sondern wegen des zweifelhaften Erfolges. Nicht das Leiden der Iraner und ihrer zumeist friedlichen Revolutionsgarden unter dem Bombenteppich der hochtechnisierten Angreifer erregte Sorgen, sondern die Auswirkungen der Offensive auf das zarte Pflänzchen Aufschwung, das die Bundesregierung den angeschossenen Medienanstalten eben erst ans Herz gelegt hatte.
Widerworte und Widerstand
Das Schweigen in Europa, einst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, war ohrenbetäubend. Aus Angst vor Donald Trump, der Widerworte und Widerstand zumeist mit hohen Zöllen bestraft, saß Bundeskanzler Friedrich Merz über eine halbe Stunde wie ein Schuljunge neben dem US-Präsidenten, freundlich nickend, mit allem einverstanden.
Sein französischer Kollege Emmanuel Macron beeilte sich sogar, der US-geführten Koalition der Willigen bei ersten Gelegenheit zu Hilfe zu kommen. Kaum hatte der Iran in seinem verzweifelten Abwehrkampf einige Raketen auf die EU abgeschossen, setzte er eine Fregatte in Marsch, den bereits im Mittelmeer kreuzenden Flugzeugträger Charles de Gaulle und seine Kampfgruppe zu verstärken. "Wer Zypern angreift, greift auch Europa an", widersprach Macron sogar der unter allen Europäern verabredeten Sprachregelung, dass Zypern in diesem Fall wegen alter Verträge aus der Kolonialzeit nicht Europa, sondern nur Großbritannien sei.
Aktivist*innen setzen Zeichen
Solidarität mit den Iranerinnen und Iranern wagte niemand. Die Furcht davor, dass alles aus den Fugen gerät, lähmt nicht nur die diplomatischen Bemühungen der EU, die Mullahs von einer Beendigung ihres Atomprogrammes zu überzeugen, sondern auch die Friedensbewegung.
Jetzt erst schüttelt die Friedensszene, die im Gaza-Krieg noch unüberhörbar für die Teheraner Proxys von der Hamas getrommelt hatte, den Schock über die Militäraktionen am persischen Golf ab. Pro-iranische Aktivist*nnen aus einer Vielzahl europäischer Staaten wollen endlich ein Zeichen setzen. Sie planen die Fahrt einer großen Luftflotte aus Heißluftballon bis nach Teheran.
Schon im kommenden Monat soll es losgehen. Die Iran Solidarity Air Fleet wird von Katar aus Richtung Buschehr, über den öffentlich bekannten und den streng geheimgehaltenen Atomanlagen des Iran Richtugn Norden drehen, um über Ishfahan nach Teheran zu fliegen. Möglich machen sollen das die zu Frühlingsbeginn stets von West auf Süd wechselnden sogenannten بادهای چرخان, auf Persisch Badehaye Charkhan, im Deutschen so viel wie Quirlwinde.
Im Bruderbund mit Katar?
Den Organisatoren zufolge stehen die Behörden in Katar dem Vorhaben angeblich relativ offen gegenüber. Das Emirat unter Tamim bin Hamad war vor wenigen Jahren selbst Sanktionen unterworfen worden, weil dem absolutistisch regierten Land mit dem weltweit bei weitem höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf der Bevölkerung die Finanzierung von Terrorgruppen wie der Hamas vorgeworfen wurde.
Mit der Solidaritäts-Flotille wollen die Aktivisten um prominente Köpfe wie die frühere Klimakönigin Greta Thunberg, die Millionärin Marlene Engelhorn und andere bekannte Stars der Bewegung ein klares Zeichen setzen. Die Aktion soll die völkerrechtswidrigen Angriffe auf die islamischen Mullahs stoppen und humanitäre sowie medizinische Hilfsgüter direkt an die bedrängten Revolutionsgarden (IRGC) liefern, heißt es in Manifest der Initiatoren.
Eskalation als Antwort
"Our answer is escalation", schreiben die Teinehmer der Air-Flotilla, die sich als Teil einer globalen Bewegung gegen Israel, die Amerikaner und deren Proxy in der EU sehen. Die Flotte aus bis zu 200 Heißluftballons vom Netzwerk Global Sumud Air Coalition organisiert – eine Blaupause der medial äußert erfolgreichen maritimen Solidaritätsaktionen gegen Israel im vergangenen Jahr.
Eine zentrale Figur ist wieder die schwedische Klima- und Solidaritatsaktivistin Greta Thunberg, deren Festnahme durch israelische Behörden auf offener See bis hete als einer der größten Mediencoups der hamas gilt. Thunberg hatte sich bereits vor einigen Jahren vom Kampf gegen das Klima losgesagt, Sie nutzt ihre Prominenz seitdem am liebsten für sie Sache islamistischer Bewegungen wie Hamas oder Islamischer Dschihad.
Größte Luftintervention der Geschichte
Ersten Informationen zufolge wird Thunberg wieder als prominentes Gesicht der Luftkampagne auftreten, die knapp 250 Jahre nach der Erfindung des Heißluftballon durch die französischen Brüder Joseph-Michel und Jacques-Étienne Montgolfier neue Maßstäbe für friedlichen Protest setzen soll. Die 23-Jährige war zuletzt von der Bildfläche verschwunden. Unbestätigten Informationen zufolge erholte sie sich in der Schweizer Bergen von den Folgen der im letzten Einsatz erduldeten Folter.
Der brasilianische Aktivist Thiago Ávila spricht stolz von der "größten koordinierten humanitären Luftintervention für den Iran in der Geschichte". Der bekannte Antisemit, der dem von der israelischen Luftwaffe getöteten Hisbollah-Terroristen Hassan Nasrallahmit Jahr 2021 bei dessen Beerdigung seine Saufwartung gemacht hatte, gehört wie die Berliner Aktivistin Yasemin Jollah zum Führungskreis der Flotilla. Ávila, früher ebenfalls Klimaschützer, kündigte die Mobilisierung von Tausenden Unterstützern aus über 100 Ländern an. Gemeinsam werde man mit mehr als 200 klimaneutralen Heißluftballons aufbrechen.
"Humanitäre Hilfe für die Revolutionsgarden"
Die Ballons tragen Banner mit Aufschriften wie "Iran Solidarity Air Fleet", das iranische Staatsemblem und Slogans wie "Stoppt illegale Angriffe auf islamistische Mullahs" und "Hilfe für die Revolutionsgarden". Urprünglich hieß das Projekt "Handala Sky" – ein direkter Bezug auf die Ikone der palästinensischen BDS-Bewegung, ein gezeichneter Junge, Symbol des ewigen Widerstands. Das erschien der Führungsriege aber dann zu wenig plakativ.
Mit an Bord nehmen wollen die Aktivisten die bekannten symbolischen Kisten mit Hilfsgütern, darunter Medikamente, Kurbelradios und Schlafsäcke. Zusätzlich ist eine parallele Boden-Kolonne geplant, die die Luftflotte über Land begleitet, unterwegs Quartier macht und dafür sorgt, dass nach der Landung am Abend Verpflegung bereitsteht.
Pläne in finaler Vorbereitungsphase
Die Organisatoren betonen, dies sei eine rein friedliche, humanitäre Mission, um die "unterdrückten Mullahs und ihre Verteidiger" zu schützen und internationale Aufmerksamkeit auf die "mit nichts zu rechtfertigende Aggression" gegen den Iran zu lenken. Derzeit befinden sich die Pläne in der finalen Vorbereitungsphase - Ballons werden mit Hilfe von Spenden aquiriert und bemalt, unter Leitung erfahrener Heißluftballonpiloten finden Trainings statt, es wird geübt, wie Hilfsgüter abgeworfen werden können und was bei Angriffen von Jagdflugzeugen zu beachten ist.
Ziel der Aktion sei es, sagen die Organisatoren, die Luftraumblockade der israelischen und amerikanischen Streitkräfte über dem Iran zu durchbrechen. Man woll die humanitäre Lage in Teheran instrumentalisieren, um Israel und seinen US-Alliierten mit dem verweis auf das Völkerrecht und den offiziell stets friedlichen Charakter der Mullah-Regierung zu diskreditieren, heißt es.
Sie wollen weiterfliegen
Der schwäbische Aktivist Franz Lever Naumann geht sogar noch weiter in seinen Erwartungen. Möglicherweise werde man Israel mit der Luftflotilla veranlassen können, einen "Massenmord in der Luft" zu begehen. "Wenn sie uns zwingen wollen, zu landen, werden wir trotzig weiterfliegen, das haben wir uns geschworen", sagt er. Greife Israel dann zu Gewalt, könnten viele Mitreisende sterben. "Wir hätten das Jerusalemer Regime dann dort, wo wir es haben wollen - auf der Anklagbeank."
Die ehemalige Russia-Today-Mitarbeiterin Iara Modarelli hat in den sozialen Netzwerken bereits ein Foto veröffentlicht, das sie in einem Heißluftballon zeigt. An der Ballonhülle prangt das Zitat des iranischen Dichters Forough Farrokhzad: "Wenn ich fallen muss, musst Du fliegen, um meine Geschichte zu erzählen."
Nach Angaben der früheren Miss Moskau auf Instagram hat die 28-Jährige ihr Testament gemacht, ehe sie aufbrach, um die Versorgung der notleidenden Zivilbevölkerung mit symbolischer Solidarität sicherzustellen. "Wir müssen unterwegs jederzeit mit einem Abfangmanöver rechnen", schreibt Modarelli, "ein schrecklicher Tod ist auf unserer Reise fest eingepreist".
Radikalisiert und friedlich
Dass ihre Ballons den Luftraum über Teheran vermutlich nicht erreichen werden, ist den Verantwortlichen der "Iran Solidarity Air Fleet" durchaus bewusst. Franz Lever Naumann, der sich im Zuge der Klimaproteste der 2010er Jahre radikalisierte und nach der Absage der EU an den ehemals gefeierten "Green Deal" ganz in den Widerstand wechselte, sieht in der Luftflotte kein nur gefühliges humanitäres Hilfsprojekt zur Unterstützung der notleidenden Bevölkerung im Iran. "Unsere Ballons werden eine Bühne sein, auf der vor aller Augen militanter Protest stattfindet", kündigt der gebürtige Nördlinger an.
Die Organisator*innen sprechen von bis zu 500 Person*innen in den Ballonkörben. Wie viele Menschen in welchem Ballon tatsächlich mitfliegen, wird aber derzeit noch bewusst verschleiert. Erstens agiert nur ein geringer Teil der Aktivist*innen öffentlich. Zweitens werden unterwegs immer wieder Personen die Ballons wechseln, manche verlassen die Flotte komplett, neue Kräfte stoßen hinzu. Viel orientiert sich auf die Produktion von Social-Media-Content. Viele Aktivist*innen bringen eine hohe Online-Reichweite mit, da sie Influencer*innen, Künstler*innen oder TV-Prominente sind. Aus der Luft werden sie per Starlink im Netz agieren.
Bis der Iran reist
Zur Gruppe der fest gebuchten 13 Deutschen an Bord gehört die Aktivistin Kübra Cinar. In einem Video verspricht sie ihren Anhänger*innen: "Sollten unsere Ballons gewaltsam abgefangen oder zur Landung gezwungen werden, wird das nicht das Ende unserer Bemühungen sein." Man werde so lange weitermachen, bis der Iran frei oder man selbst tot sei. Teilnehmer*innen posten bereits aus dem Trainingslager im Allgäu, dass die Spannung steige. "Noch ein bisschen, bevor wir Geschichte schreiben. Mit Deiner Erlaubnis, O Allah".
Eine Teilnehmerin aus Algerien sagte auf ihrem Instagram-Kanal, dass sie sich schon darauf freue, sich mit dem Ballons der Herrlichkeit Gottes zu nähern. Der als Kapitän des "Zero" genannten Schlussballons wird in einer italienischen Regionalzeitung damit zitiert, er gehe davon aus, dass es Schwerverletzte und möglicherweise auch Tote geben wird, sehe darin aber "notwendiges Märtyrertum". Eine Aktivistin formuliert die unbeugsame Haltung in der Gruppeso: "Wir werden immer für den Iran stehen, egal, was Israel mit uns macht."
Geschart um den Mutterballon "Mother"
Diese Entschlossenheit teilten alle Teilnehmer, sagt Franz Lever Naumann. Von ihm selbst über Ávila, den irischen Komiker Tadhg Hickey, den Südafrikaner Manda Mandela und die israelfeindliche Aktivistin Louna Sbou und die zahlreichen queeren Akteure würden sich alle um den intern "Mother" genannten Führungsballon scharen.
Das von Cameron Balloons aus Großbritannien klimaneutral hergestellte Fluggerät verfügt über eine reißfeste Polyesterhülle aus Bio-Polyurethan. Der Brenner an Bord wird mit natürlichem Faulgas befeuert. Auch andere bekannte Hersteller wie Kubicek Balloons (Tschechien), Ultramagic (Spanien) und Fire Balloons aus Deutschland nutzen die Chance, das Beste zu zeigen, was die antriebslose Mobilität vorzuweisen hat.
Aussortierte Extremisten
Aussortiert haben die Veranstalter Personen mit direkten Verbindungen zu den rechtsextremen Grauen Wölfen, die über ihre Social-Media-Kanäle bekanntgegeben hatten, in das Projekt eingebunden zu sein. Nachdem die Leitung der Luftflotte klarstellte, dass man gezielt Europa stärker in die Verantwortung nehmen wolle und dafür mehrheitlich europäische Teilnehmer*innen benötige, reisten die türkischen Nationalisten mit der Begründung ab, aus strategischen Gründen auszuscheiden.
"Für die Organisator*innen war entscheidend, dass weiße Europäer*innen an Bord sind", hieß es bei Tiktok. Sollte Israel gegen die Flotte vorgehen, wären europäische Regierungen in der Pflicht, die eigenen Staatsangehörige zu schptzen. "Unser Skandalisierungspotenzial steigt dadurch erheblich", freut sich Franz Lever Naumann.
Die letzte Hoffnung der Mullahs
Nach den Maßstäben des engagierten Schwaben kann die Luftflotte nur erfolgreich sein, wenn die Reise in einer Konfrontation endet und dabei Videomaterial entsteht, das sich zur Illustration der Grausamkeit Israels benutzen lässt. Auf dem Instagram-Account der Flotte heißt es: "Our answer is escalation. Touch one, touch all." Man sei die letzte Hoffnung für das bedrohte Regime im Iran, weil das Durchbrechen der Luftraumkontrolle den Weg für weitere symbolische Hilfslieferungen freimachen würde.
Gelinge der Durchbruch nicht im ersten Anlauf, werde bei günstigem Wind eine zweite Welle von Ballons gestartet. Diese zusätzliche Luftflotte unter dem Namen "Thousand Madleens Sky" soll von Marseille aus in die Luft gehen. Jeder einzelne dieser offiziell 80 Heißluftballons trägt einen Kampfnamen. Ein Ballon ist nach der palästinensischen PFLP-Terroristin und Flugzeugentführerin Leila Khaled benannt, ein anderer wird der größte Passagierballon der Welt sein, ein Monstrum namens "مقاومت", auf Persisch "Widerstand", in dessen Korb sich etwa 100 Aktivist*innen drängen werden.
Die ersehnte Opferrolle
Wahrscheinlich ist, dass Israel oder die USA die Ballons zur Landung zwingen, die Akteur*innen inhaftieren und sie später nach Hause schicken. So verfuhr man mit den ersten Seekonvois nach Palästina. Doch schon dies könnte angesichts der Gruppengröße enorme symbolische Wirkung entfalten.
Am Ende könnte schon ein einzelner prominenter Inhaftierter, der über Hunger oder Durst klagt, zur globalen Ikone werden. Seine Festnahme könnte ein Bild werden, das weltweit Bewegungen prägen könnte. In der Szene der radikalen Israel- und USA-Feinde hofft man auf einen "Vietnam-Moment", wie ihn das Gedicht "If I Must Fall" beschreibt, das Franz Lever Naumann auf Instagram verbreitet. Die Verse sind im Kosmos der Luftflotten-Unterstützerschaft enorm populär. Sie enden mit den Worten: "Wenn ich fallen muss, lass es Hoffnung sein".


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