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Mittwoch, 22. Oktober 2008

Pleitebuden mit Modellcharakter

Sachsen LB und Fannie Mac, Freddie Mac und Bayern LB, IKB und KfW, Depfa und Weserbank - nach dem Vorüberrauschen der erste Welle der Finanzkrise, die in den USA von zwei staatlichen Banken ausgelöst wurde und hierzulande vor allem staatliche oder ehemalige staatliche Institute ins Trudeln gebracht hat, sieht eine Mehrheit der Deutschen nur einen logischen Weg aus der Krise: Mehr staatliche Beteiligung, mehr staatliche Überwachung, mehr staatliche Banken.

Nach einer Allensbach-Umfrage steht für die große Mehrheit außer Frage, dass der Staat das Bankenwesen insgesamt so stark kontrollieren und regulieren sollte, wie er das bei seinen eigenen Banken tut. 63 Prozent halten es für die richtige Folgerung, Institute wie die Deutsche Bank oder die Tochterfirmen der französischen BNP Paribas, die von der Krise nicht existenziell bedroht sind, künftig genauso zu führen wie bisher staatliche Banken wie die IKB, die West LB und die Bayern LB geführt wurden, die inzwischen ohne staatliche Zuschüsse pleite wären.

Allein mehr staatliche Regulierung könne die Gefahr krisenhafter Entwicklungen mindern, glauben fast zwei Drittel, dass der Augenschein dagegen spricht, stört sie nicht.

Infolge der tatkräftigen Meinungsarbeit von Merkel, Steinbrück und den vereinigten Medien wächst in Woche vier der großen Krise auch der Rückhalt für staatliche Interventionen über das Bankenwesen hinaus. Vor drei Jahren waren nur 25 Prozent der Bürger der Auffassung, der Staat greife zu wenig in die Wirtschaft ein, jetzt sind es 37 Prozent. Der Staat, der das bisher nicht einmal bei den Chefs seiner eigenen Institute versucht hat, müsse Bankmanagergehälter begrenzen, fordern viele. Ob damit auch die Forderung verbunden ist, etwa dem Chef von Porsche das Gehalt zu kürzen, weil der Autobauer den Großteil seiner Gewinne mit Vermögensanlage erwirtschaftet, ist ebenso unklar wie die Rechtsgrundlage, auf der der die Bundesregierung geltende Verträge zwischen Unternehmen und Managern für ungültig erklären könnte.

Doch wenn Krise ist, schlägt die Stunde der Macher: Oskar Lafontaine etwa, der verspricht, die Globalisierung mit drei, vier klugen Gesetzen zu stoppen, die Banken zu verstaatlichen und Gerechtigkeit über öffentliche Hilfsprogramme herzustellen. Danach wäre es nur noch ein kleiner Schritt zurück zu sozialverträglichen Arbeitslosenquoten von zwischen 12 und 14 Prozent, wie sie Lafontaine in seiner Zeit als Ministerpräsident des Saarlandes in den 80er Jahren erreichte.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Heute schreibt das Handelsblatt, die Regierung plane Wirtschaftsförderung durch verstärkte Vergabe von Krediten durch die KfW, wobei die Kreditrisiken erst einmal eine untergeordnete Rolle spielen sollen. Subprime 2.0?

politplatschquatsch hat gesagt…

ja, las ich auch. genialer plan! haben sie von der feuerwehr, die zündet ja auch den wald an, gelegentlich, um feuer zu löschen

Tim hat gesagt…

Subprimo subprimem lupus, hervorragend. Wo steht denn das? Kann ich noch gar nicht glauben ...