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Mittwoch, 14. Januar 2009

Terrorfürst allein zu Haus

Was für ein tragisches Schicksal. Noch vor acht Jahren war der islamische Terroristenführer Osama bin Laden der Schrecken der Menschheit. Mit tausenden zu allem entschlossenen Kämpfern in Afghanistan verbarrikadiert, drohte der vollbärtige Bauunternehmersohn der Welt mit dem "Heiligen Krieg", der den Westen und alle seine Werte vernichten werde. Ein großes Reich Allahs sollte entstehen, ein weltumspannendes Heiliges Kalifat, in dem die Umma endlich sie selbst sein kann. Dann kam der 11. September, Bin Ladens größter Triumph. Und anschließend der schleichende Niedergang: Zuerst verlor Bin Laden Afghanistan, dann die tausende von verhüllten Mitkämpfern. Inzwischen hat der greise Bombenguru nicht einmal mehr Zugang zu einer Videokamera für 79 Euro. Er muss allein mit einem Diktiergerät in der Hand zum Heiligen Krieg aufrufen. Ja, Bin Laden, 911 mit einem Riesenhit gestartet, tritt seitdem nur noch auf Dorf auf, die Hitparade ist fern und schon fragen Beobachter besorgt, wie sich ein solches Terrortalent so verschwenden konnte.

Der Terrorfürst allein zu Haus, ein Schicksal, das zu Tränen rührt. Anlass der neuesten "Tonband-Ansprache" (Spiegel) ist diesmal natürlich die israelische Offensive im Gazastreifen, die Bin Laden die arabischen Massen zu beenden auffordert. Nicht in Ordnung seinen die Regierungen arabischer Staaten, die ihre Bürger daran hinderten, für die "Befreiung Palästinas" zu kämpfen. "Das Tonband", weiß die Financial Times, "wurde auf einer Website militanter Islamisten veröffentlicht, die regelmäßig Botschaften von Bin Ladens Terrornetzwerk Al-Kaida sendet." Die Stimme ähnele derjenigen in früheren Botschaften Bin Ladens. Nunja, der Inhalt ja auch, abgesehen davon, dass die Ziele des Heiligen Krieges bescheidener geworden sind: Nicht mehr die Welt, sondern der winzige Gaza-Streifen beschäftigen den einstigen Schrecken der westlichen Zivilisation, nicht mehr den Terror ins letzte holsteinische Dorf zu tragen verspricht er, nein, er schilt nur noch die arabischen Potentaten, trotzig wie ein ins Altenheim abgeschobener Schwiegervater.

Osama Bin Laden, der Ritter von der traurigen Gestalt, muss inzwischen sogar Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück zitieren. Die Finanzkrise, natürlich seiner Ansicht nach ausgelöst durch die Flintenschüsse der Mudschahidin am Hindukusch, hätten die USA "jetzt schon stark geschwächt", sagt der Al-Kaida-Chef, der seit Jahren nicht mehr nur keinen Hit mehr gelandet, sondern auch kein Lied mehr geschrieben hat.

Nun wechselt er also vom islamistischen Terror zur sozialdemokratischen Amerikakritik. Steinbrück, nach dessen Ansicht Deutschland "kaum betroffen" von der Krise ist, hatte Ende September mitgeteilt, dass die Bankenkrise ein "Erdbeben" sei, in dessen Folge die USA ihren Status als «Supermacht des Weltfinanzsystems» verlieren würden. Ob Deutschland oder Al Kaida an die Stelle der Vereinigten Staaten treten werden, ist jedoch noch nicht entschieden.

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