Google+ PPQ: Einsame Abweichler

Montag, 16. März 2009

Einsame Abweichler

Keine Umfrage, keine Wahl, kein Abstecher ins Fernsehabendprogramm hält mit der Mitteilung hinter dem Berg. Die nun aber dennoch von den bereits sprichwörtlichen "amerikanischen Wissenschaftlern" noch einmal gründlich untersucht und fundiert begründet wurde.

Jawohl, es ist wahr: Wird ein Mensch in einer Gruppe vor eine konkrete Alternative gestellt und muss sich entscheiden, neigt er dazu, der Mehrheit zu folgen. Um sich so zu verhalten, muss der betreffende weder alt noch klug werden: Schon im Alter von drei oder vier Jahren, schreibt die Forschergruppe um Kathleen H. Corriveau von der Harvard University in der Fachzeitschrift "Psychological Science", orientieren sich Kinder am Verhalten der Mehrheit.

Die meisten zumindest. Im Versuchsaufbau der Amerikaner sollten sich Kindergartenkinder im Alter von drei und vier Jahren in der Gruppe auf einen Namen für einen Gegenstand einigen. Alle bis auf einen "Abweichler" entschieden sich für einen bestimmten Namen, der "Abweichler" für einen anderen. Das Team um befragte die Kinder anschließend, was sie meinten, wie der Gegenstand heiße. Es zeigte sich, dass die Kinder sich der Mehrheitsmeinung anschlossen und - mehr noch - den "Abweichler" mit Misstrauen betrachteten.

In einem Folgeexperiment befanden sich von der Namensgebungsgruppe nur noch zwei Kinder im Raum: Ein Vertreter der Mehrheitsmeinung und der "Abweichler" aus der vorigen Namensgebungsdiskussion. Jetzt sollten die beiden einem weiteren Gegenstand einen Namen geben und waren natürlich wieder uneins. Danach wurden die übrigen Kinder über beide Namensvorschläge informiert und gefragt, wie ihrer Meinung nach der Gegenstand heißen müsse. Obwohl jetzt von Mehrheit und Minderheit keine Rede mehr sein konnte, stimmten die Kinder dem Gruppenmitglied zu, das im vorigen Experiment zur Mehrheit der Namensgebung angehört hatte.

Positiv bewerten die Forscher, "dass Kinder schon früh einen Sinn für Konsens entwickeln". Besorgt aber heißt es die Experimente zeigten auch, "dass jemand, der eine Minderheitsmeinung vertritt, bereits früh ausgegrenzt wird." Dabei müsste er doch nur nicht so starrsinnig sein!"

Keine Kommentare: