Google+ PPQ: Germania geh du voran

Dienstag, 19. Mai 2009

Germania geh du voran

Sie waren alle da, außer Erich Honecker. Linksextremisten mit einem Rechtsdrall, Rechtsradikale, die an Ufos glauben, Althippies und Neu-Aussteiger, der Oberschenker ÖffÖff und geldmüde Vermögenslose, frisch ernannte Adlige und ehemalieg Kinderpornografenopfer. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm hatte in der Bevölkerung des selbsternannten "Fürstentum Germania" messerscharf das Böse an sich erkannt, man wisse nur noch nicht, wieso es böse sei. Der Staat, der sich selbst in einem zerfallenen schloß samt Garten gegründet hatte, sei selbstverständliuch illegal, Pässe, die die Fürstentumsführung angekündigt hatte, ausgeben zu wollen, würden "sofort beschlagnahmt".

Unklar war, aufgrund welcher Rechtsvorschrift, denn bislang galt in Deutschland die Regel, dass die Herstellung von eigenen Ausweispapieren mit Hilfe von Bleistift, Kugelschreiber, speziellen Softwareprogrammen oder im Kartoffeldruck im Gegensatz zu ihrer "mißbräuchlichen Anwendung" straffrei ist.

Zum Glück gibt es ja aber noch das Baurecht, mit dessen Hilfe sich verdächtige Bestrebungen noch immer am wirksamsten unterbinden lassen. Weil das von Geburt an marode Fürstentum nicht an die Abwasserentsorgung angeschlossen und der früher als Kindergarten benutzte Bau nicht per Antrag auf Nutzungsänderung zum Wohnen umgewidmet worden war, beendete die Polizei die extremismusverdächtige Episode der langen Geschichte des Schlosses Krampfer heute durch eine kurzfristig anberaumte Räumng. Das nunmehr wieder leere Schlossgebäude in Plattenburg in der Prignitz solle versiegelt werden, verriet ein Polizeisprecher.

Es habe sich beim Eingreifen der Truppen des Innenministeriums völkerrechtlich nicht um einen Angriffskrieg gehandelt, die Bewohner des Schlosses, die es laut Jörg Schonbohm erstmals in der deutschen Geschichte geschafft hatten, Rechts- und Linksextremismus zu einer gesunden Mischung zu verschütteln, hätten "kaum Widerstand" (dpa) geleistet. Ob die Räumung im nächsten Jahresbericht des Verfassungsschutzes als rechtsextreme oder als linksetreme Straftat Berücksichtigung finden soll, wird eine hochrangige Regierungskommission unter Leitung führender Mathematiker beraten.

Kommentare:

nwr hat gesagt…

Schade, die waren zwar etwas abgedreht, aber interessant. Verständlicherweise lassen die Mächtigen keine soziologischen Experimente zu, die auch nur den geringsten Ansatz aufweisen, herrschaftsgefährdend sein zu können. Selbst ein zehnköpfiges Fürstentum nicht.

Ja, rinks oder lechts? Da es sich um ein Fürstentum mit Kartoffeldruckausweisen handelt, wäre vielleicht "ausländischer Terrorismus" die treffliche Kategorie.

ppq hat gesagt…

manchmal erkennt man ja daran, dass jemand angst vor dingen hat, vor denen man keine angst haben muss, dass er irgendwas zu verbergen hat