Google+ PPQ: Not macht erfinderisch

Samstag, 15. August 2009

Not macht erfinderisch

Als Reaktion auf den Vorschlag des Netzzensur-Boards PPQ nach einer Beschäftigung aller knapp vier Millionen aktenkundigen deutschen Arbeitslosen als Cybercops hat der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine Ausweitung der allgemeinen Web-Zensur von Kinderporno- auf rechtsextreme Internet-Seiten gefordert. Gegenüber dem Internet-Fachblatt "Bild" sagte der Politiker: "Die Zahlen zeigen, dass wir zur Bekämpfung härtere Maßnahmen wie eine Sperrung von rechtsextremen Internetseiten dringend brauchen".

Hermann verwies auf die vom ehrenamtlichen Jugendschutz-Blog PPQ im vielbeachteten Aufsatz "Der virtuelle Nazi" vorgelegte Untersuchungsergebnisse, denen zufolge die Zahl der rechtsextremen Internetseiten seit Jahren steigt - und zwar sehr viel langsamer als die Zahl der Internetseiten insgesamt.

So hat sich die Zahl rechtsextremer Seiten in Deutschland von 330 im Jahr 1999 auf 1800 im Jahr 2008 erhöht und damit nicht ganz versechsfacht. Die Zahl der freigeschalteten Domains stiegt allerdings im selben Zeitraum von zwei Millionen auf 200 Millionen - eine Verhundertfachung. Der Anteil rechtsextremer Seiten, wie sie von Extremen und Radikalen als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Bundeszensurbehöden wie Jugendschutz.net unterhalten werden, sank damit innerhalb von nur zehn Jahren auf nur noch 0.0009 Prozent aller Seiten. Andersherum gerechnet: Rein statistisch betrachtet muss ein Internetsurfer etwa 100000 Seiten besuchen, um auf eine rechtsextreme Seite zu treffen - eine Relativierung der neuen ernsten und akuten Zahlen, die rennommierten Plattformen des echten und hochbezahlten Journalismus wie der Welt streng verboten ist. Hier dürfen Zahlen nie ins Verhältnis zu anderen gesetzt werden, weil das ihren Alarmcharakter vermindern könnte.

Das aber gilt es zu verhindern, denn durch "rechtsradikale Webseiten" wie 88tube, auf der das meistgesehene Video immerhin 6000 Aufrufe in zwei Jahren verzeichnen konnte - ist nicht nur die Demokratie hochgradig bedroht, wie die "Spiegel"-Praktikanten mutmaßen. sondern auch die Arbeitsplätze bei jugendschutz.net sind nicht mehr sicher. Zuletzt warnten die bundeseigenen Experten deshalb schon davor, dass Rechtsextreme ihre strafbaren rechtsextremen Inhalte inzwischen erst ins Internet stellten, nachdem alle strafbaren rechtsextremen Inhalte entfernt worden sind. Damit entzögen sie sich geschickt der Strafverfolgung.

Künftig sollen deshalb auch alle Seiten, die keine strafbaren rechtsextremen Inhalte enthalten, vorsichtshalber als strafbare rechtsextreme Seiten mitgezählt werden. Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der entgegen allem Anschein weder verwandt noch verschwägert ist mit dem ehemaligen SED-Propagandachef Joachim Herrmann, mitteilte, könnten dann viel mehr Seiten gesperrt werden, weil die Zahlen dann sofort noch viel deutlicher zeigen könnten, wie nötig das sei.

Noch mehr erstaunliche Statistik, die keine Zeitung drucken darf, beiNetzpolitik.org

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Der virtuelle Nazi" :-)))

Klasse. Lieber ein Virtueller, als gar keiner, kennen wir von Zensursula und ihren feinstofflich-virtuellen Kinderschändern "im Internet".

Eher grobstofflich, konkreter National-SOZIALIST klärt:

„Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke…
Nichts ist uns verhaßter als der rechtsstehende nationale Besitzbürgerblock.“

Joseph Goebbels
http://lichtschlag-buchverlag.de/rezension/37

Kurt aus DD hat gesagt…

In Bezug auf die Rechtschreibschwäche von Nazis: Man beachte bitte die Frakturschrift auf dem Foto. Arbeitsplätze und Kriegseinsätze hat jeweils das falsche s in der Wortmitte. Am Silbenende kommt das Schluß-s und nicht das lang-s.

Das Nazis nicht mal ihre "Nazischrift" richtig schreiben können - Kopfschüttel

ppq hat gesagt…

naja, das mit der nazischrift stimmt nicht. fraktur war im zuge der staatsmodernisierung anno 1941 per erlaß für "undeutsch" erklärt worden - die echte und offizielle nazischrift war dann die antiqua.

weiß auch nicht, warum das im nachhinein immer alle andersherum denken

nwr hat gesagt…

Diese Leute sind offensichtlich auch noch zu dämlich, in ihren Frontplakaten die Frakturschrift richtig anzuwenden. Da haben sie nun also im Fernseher gesehen, daß man als echter Nazi Fraktur zu schreiben hat, ohne allerdings den Erlaß ihres verblichenen Führers Martin Bormann zu kennen oder die Bedeutung zweier Schrift-s für den Lesefluß zu kennen oder überhaupt die Fähigkeit zu besitzen, die Schriftsprache ihrer Großeltern richtig anzuwenden.

Allerdings können sie mit Nachsicht rechnen: Auch die Gegenseite schreibt falsch - die Verblödung ist allumfassend.

PS: Jetzt lese ich die Kommentare - alles schon resümiert...

Kurt aus DD hat gesagt…

Warum gebrochene Schriften synonym mit Nazischrift seien sollen, erfährt man in diesem PDF.
http://www.publish.de/data/hefte/pdf/ddpp200212/PP_2002_12_051.pdf
Aber weniger durch die vermittelten Fakten, als eher durch den Ton des Schreibers. Wer schon immer mal wissen wollte, wie ein klarer Klassenstandpunkt im real existierenden Sozialismus rübergebracht wurde, kann das hier nachvollziehen. (Dasss man Frakturfonts im www nur über rechte Sites bekam, war schon 2002 falsch!)
Seit 2002 hat sich allerdings einiges getan. Es gab inzwischen ein gefeiertes Buch von Judith Schalansky "Fraktur, mon amour". Hiphopper benützen Fraktur usw.
Der in dem PDF verhöhnte Bund für deutsche Schrift und Sprache ist so rechts wie die katholische Kirche :-)
Link: http://www.bfds.de/