Google+ PPQ: Schuhstadt ohne Datenschutz

Donnerstag, 6. Mai 2010

Schuhstadt ohne Datenschutz

Nur Stunden nach dem gigantischen Datenleck bei SchülerVZ bahnt sich ein neuer, umfassender Datenskandal an. In der mitteldeutschen Mittelmetropole Weißenfels an soll nach einer Ankündigung, die im Internet aufgetaucht ist, in Kürze mit der Ausgabe von 42.300 Büchern begonnen werden, die unverschlüsselt "topaktuelle private und gewerbliche Adressen und Telefonnummern" aus der "Stadt an der Saale" (Zitate Eigenwerbung) enthalten. Die Abgabe der Datensammlung erfolge kostenlos, den Vertrieb habe ein großes deutsches Logistikunternehmen übernommen.

Es ist ein Alptraum für jeden Datenschützer: "Mit seinem reichhaltigen Informationsangebot" helfe das in Buchform veröffentlichte Kompendium, "alle wichtigen Ansprechpartner zu Freizeit, Beruf und Alltag" in Weißenfels zu finden. Selbst Namen, Adressen, Spezialisierungsrichtung und Rufnummern von Ärzten und Kindereinrichtungen erhält das Verzeichnis, in dem Datenschnüffler offenbar ganz bequem auch online nach interessanten und intimen Details aus dem Leben anderer suchen können. Über die Adresse lasse sich die Wohngegend jeder einzelnen Familie identifizieren, warnen Datenschützer, daraus ließen sich leicht Schlüsse zu Einkommen, Lebensumständen, Immobilienbesitz und der Anbindung an die "Datenautobahn" (Helmut Kohl) ziehen. Pädophile, fürchten besorgte Eltern, könnten gezielt Kindertagesstätten ausfindig machen und dort nichtsahnenden Kindern auflauern.

Dazu müssten sie nicht einmal zu Hause bleiben. Sogar unterwegs ließe sich "digital nach Telefonnummern, Namen und Adressen" (Eigenwerbung) suchen, so dass etwa ein Autofahrer, der seinen Wagen gerade in seine Garage fährt, mit wenigen Mausklicks identifizierbar wird. Dazu reiche es aus, unter Nichts bleibt geheim mit einem internetfähigen Handy, Smartphone oder PDA zu suchen, Sei nur der Name des Gesuchten bekannt, stehe unter www.oe-navi.de eine kostenlose Software zum Download bereit, die über eine einfach zu bedienende Naivigationslösung direkt bis vor die Haustür der ausspionierten Familie führt.

Und das nicht nur im kleinen Weißenfels, der ehemaligen Schuhmetropole der DDR, sondern bundesweit, denn vergleichbare Lösungen finden Eingeweihte bereits heute für sämtliche 12.244 Städte und Gemeinden im Land. Wie bedrohlich das Ausmaß des neuen Datenlecks ist, zeigen die Zugriffszahlen, die die Anbieter notieren: Danach nutzen rund 60 Millionen Menschen jährlich das Onlineportal Lokalverzeichnis geheimer Daten um Namen, Berufe, Telefonnummern oder Wohnadressen auszuspionieren. Längste ein Volkssport: Laut der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) gehört die Seite bereits heute zu den Top 20 der meistbesuchten Internet-Seiten in Deutschland.

Kommentare:

derherold hat gesagt…

*psst, psst, psst* Ich sage das jetzt unter Verschwiegenheit, so ganz entrez-nous:

Das ist Teil einer großen, aus Westdeutschland gesteuerten Verschwörung. Die Preisgabe dieser sensiblen Daten der Einwohner der Stadt ist *Stufe 2 der Vernichtung*.

Stufe 1 war "wenn wir Schweinefels etabliert haben, wird die Stadt niemand mehr als *Barockstadt an der Saale* wahrnehmen !

ppq hat gesagt…

nein, ich glaube, das stectk die datenkrake dahinter. die tatsache, dass es kostenlos ist, deutet klar auf google