Google+ PPQ: Der Tod des Datenschutzes

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Der Tod des Datenschutzes

Sie verraten bedenkenlos ihren Namen, ihren Geburtstag, manchmal ihren Beruf, häufig ihre Religion, immer ihr Alter, ihren Familienstand und den Wohnort, sie nennen oft rücksichtslos sogar die Namen von Kindern und anderen Verwandten samt deren geschützter Lebensdaten, und das in aller Öffentlichkeit und teilweise mit Bild.

Entsetzen steht deutschen Datenschützern in die Gesichter geschrieben, werden sie mit den Zuständen auf deutschen Friedhöfen konfrontiert. Während "das Ende der Privatheit im Internet" erst immer näher kommt, wie der zuletzt wegen eines gestohlenen Logo kriminaltechnisch auffällig gewordene BDK-Chef Klaus Jansen jetzt hellwach konstatiert, ist dieses Ende zwischen den Grabsteinen längst gekommen: Zwischen Efeu und ewigem Licht gibt es keine Privatsphäre mehr, alles wird ausgeplaudert, in Stein geschrieben und vor aller Augen öffentlich gemacht. Trude Karasek starb unverheiratet, Werner Schmalhans als Ehemann seiner dritten Frau. Müllers hatten vier Kinder, überlebten aber alle, Horst Becker dagegen hatte Malermeister gelernt und eine Vorliebe für kitschige Blumenmotive. Eltern stellen den frühen Tod ihrer Babys aus, Kinder üben Rache für eine schwere Kindheit, indem sie die Grabpflege vernachlässigen.

"Friedhöfe sind wie ein offenes Buch für jeden, der Menschen ausspionieren will", sagt der Grabforscher Heiko Weidenbart, der mit Deathbook.com den ersten virtuellen Online-Friedhof gegründet hat. Nach dem Vorbild des Internetministers, der auf Anraten der deutschen Kriminalbeamten die "drängenden Datenschutz-Probleme im Netz mit Nachdruck und aus einem Guss" (Klaus Jansen) lösen soll, fordert der Bestattungsexperte einen Friedhofsminister, der die überhand nehmenden "drängenden Datenschutz-Probleme auf unseren Gräberfeldern mit Nachdruck und aus einem Guss" aus der Welt schaffen müsse.

Auch auf den heute schon aus allen Nähten gehenden Begräbnisfeldern müsse der Datenschutzbeauftragte gestärkt werden, so Weidenbart, der auf windige Geschäftemacher verweist, die heute schon versuchen, aus den auf Grabsteinen hinterlassenen Lebensdaten Profile der Hinterbliebenen zu gewinnen. In der Zukunft stehe den immer älter werdenden Deutschen das große Sterben erst noch bevor, dann werde die Veröffentlichung so sensibler Daten zu einem massenhaften Problem. Als Sprecher des Verbandes der virtuellen Begräbnisunternehmer in Deutschland (VBD) schließe er sich der Forderung des Bundes der Kriminalbeamten an, die "deutlich schärfere Regeln zum Schutz der Persönlichkeitsrechte im Internet" angemahnt hatten. Seiner Ansicht nach müssten diese aber zuerst einmal "im wirklichen Leben, also auf unseren tatsächlichen Friedhöfen gelten", stellte Heiko Weidenbart klar.

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