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Dienstag, 1. März 2011

Der türkische Sarrazin

Krude Thesen die Zweite: Bei einem Gastspiel in Düsseldorf hat der türkische Premierminister Erdogan den Schulterschluß mit dem deutschen Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin gesucht. Erdogan hielt eine öffentliche Rede für "seine Landsleute in Deutschland" (Der Spiegel), mehrere tausende fest integrierte Deutsche feierten ihn daraufhin "wie einen Popstar" (Der Spiegel).

Was aus dem Versammlungssaal nach draußen drang, macht Hoffnung darauf, dass die leidige Integrationsdebatte nicht nur verstummt ist, sondern bald auch begraben wird. Vor hunderten türkischer Flaggen sangen tausende türkischer "Landsleute" begeistert die türkische Hymne - der türkische Premierminister ist gerührt und er spricht die deutschen Staatsbürger im Publikum als "meine Staatsbürger" an.

Ist Blut doch dicker als Wasser? Bleibt Türke, wer alsKind von Türken geboren ist? Geht es nach Erdogan, dann ist das so. Bevor ein türkisches Kind in Deutschland deutsch lerne, solle es erst einmal türkisch lernen. Erdogan gibt als Ziel aus, was Sarrazin als Krankheitsbild beschrieben hat: Türke bleibt Türke, egal wo und wie lange er dort lebt. "Integriert euch in die deutsche Gesellschaft, aber assimiliert euch nicht", ruft der Mann, der die Türkei in die EU führen will, aber "keiner hat das Recht, uns von unserer Kultur und Identität zu trennen."

Um die zu erhalten, hat sich der im Nebenberuf als Internet-Erneuerer tätige Erdogan eine Staatsbürgerschaftsdefinition ausgedacht, die das deutsche Verbot der doppelten Staatsbürgerschaft unterläugt. Mit einem neuen Ausweis dürfen Türken, die eigentlich Deutsche sind, künftig wieder alle Rechte in Anspruch nehmen, die Türken haben, die türkische Staatsbürger sind. "Die Identität eines Volkes oder einer Gesellschaft ist ja nichts Statisches, dennoch gibt es sie", rief Erdogan unter großem Jubel, und er rede dabei "nicht von Türken oder Arabern, sondern von muslimischen Migranten." Diese integrierten sich zum Glück überall in Europa deutlich schlechter als andere Gruppen von Migranten.

"Die Ursachen dafür sind nicht ethnisch, sondern liegen offenbar in der Kultur des Islam. Vergleichen Sie die Integrationserfolge von Pakistani und Indern in Großbritannien", analysierte der Premier, der Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie in Deutschland mit "erheblicher Beunruhigung" beobachtet. Erdogan appellierte an deutsche Politiker, diese Ausländerfeindlichkeit nicht noch "aufzubauschen". Er mahnte die politisch Verantwortlichen in Deutschland und in der Türkei, sich um gegenseitiges Verständigung zu bemühen. Integration sei schließlich keine Einbahnstraße, und auch Deutsche könnten Türkisch lernen. Man müsse doch fragen, warum es in fast jedem europäischen Land eine wachsende muslimische Minderheit gebe, die wesentlich größere Integrationsprobleme hat als andere Minderheiten, so Erdogan. "Und dann ist die Frage, warum es in keinem Land auf dieses sich seit 30 Jahren abzeichnenden Problem eine zukunftsweisende Antwort gibt!"

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