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Donnerstag, 21. April 2011

Spielkonsolen im Bildungspaket

Die Armen wollen das Geld nicht haben, das der Staat ihnen gern geben würde. Vielleicht, man weiß es nicht, sind sie zu arm, einen Antrag stellen, zu ausgegrenzt, um überhaupt von der Antragsmöglichkeit gehört zu haben. Oder schlicht, wie frühere FDP-Chefs vielleicht gesagt hätten, zu faul und tranig, Wohlstand anzunehmen, wenn er nicht gänzlich anstrengungslos vorbeigebracht wird.

Ursula von der Leyen, die Erfinderin des Bildungspaketes, das am Desinteresse der zu Bildenen zu scheitern droht, verbessern, mag ähnlich Befürchtungen haben. In einem Land, dessen Wesen daraus besteht, dass jeder zumindest verbal unter Verweis auf sein eigenes Gerechtigkeitsempfinden Ansprüche auf alles anmelden kann, aber nicht muss, möchte die frühere Familienministerin, die nunmehr als Sozialministerin dient, ehe sie bald Kanzlerin zu werden hofft, "betroffene Hartz-IV-Familien mit einem Brief" über ihr Recht auf die Förderung von Reitunterricht, Klavierlehrer, warmes Mittagessen und neue Schulranzen informieren.

"Bildung der Kinder ist der Weg aus Hartz IV", verriet die als "Zensursula" bekanntgewordene CDU-Politikerin in der Passauer Neuen Presse. Deshalb müsse man einfach jede Hartz-IV-Familie einzeln anschreiben. Schließlich sei der fürsorgliche Staat als Instrument geschaffen worden, möglichst alle Menschen bei jeder Gelegenheit an der Hand zu nehmen und ihnen ein schönes Morgen zu zeigen. Zwar könne man “das Bildungspaket mit einem einseitigen “Ankreuzer” beantragen, "einfacher geht es wirklich nicht”, verweist von der Leyen stolz auf Erfolge einer weitsichtigen Politik, die den Menschen dort abholt, wo er ist.

Doch “nicht alle sind darin geübt, die richtigen Angebote zu finden”, weiß sie, weshalb Hilfe dringend nottue. Die bisherige Bilanz des Bildungspaketes sei nur so zu erklären. Nachdem 2,6 Millionen Euro für Plakate, Werbeflächen und kleine, pfiffige Promo-Filmchen ausgegeben worden waren, hatte sich rund ein Prozent der Fördermittelberechtigten bereit erklärt, die Zuweisung von Geld zu beantragen.

Andere meinte jedoch, ihre Kinder wollten weder Fußball spielen noch zur Ballettschule gehen, auch nicht gegen Bezahlung. Die Wünsche gingen mehr in Richtung Nintendo Wii plus das große Sportspielepaket. Auch machten einige ihre Zustimmung zur Annahme zusätzlicher staatlicher Mittel davon abhängig, dass von der Leyen sie persönlich bitte, ihre Kinder zur Teilhabe einzuladen. Die Ministerin überlegt wohl noch: Eine erste Meldung, nach der sie bereit sei, jeden einzelnen Hartz4-Empfänger persönlich anzuschreiben, ließ sie ihre Sprecherin inzwischen dementieren. Vorerst gebe es eine Fristverlängerung für die die Anträge bis zum Sommer,hieß es. Wer danach keine Fördermittel beantragt habe, bekomme die Leistungen aus dem Bildungspaket automatisch zugewiesen. Dabei werde das Sozialministerium mit dem japanischen Hightech-Konzern Nintendo kooperieren. Somit könne jedem Bedürftigen ab Juni die von vielen Betroffenen geforderte Wii-Konsole mit einer Grundausstattung an sportlichen ("Nintendo Family Ski")und bildenen Spielen ("Prof. Kawashimas Gehirnjogging", "Little Amadeus") zur Verfügung gestellt werden.

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Kommentare:

Volker hat gesagt…

Der menschenverachtende Kapitalismus erwartet also, dass der Sozialadel den A. aus dem Sessel hebt und sich das Geld beim Amt abholt?
Schlimm, dass es 66 Jahre danach schon wieder so weit ist.

Anonym hat gesagt…

Bildungspaketbombe

apollinaris hat gesagt…

Wenn schon, dann Bildungspaket frei Haus, nix Antrag beim Amt. Mit Preisausschreiben und schönen Gewinnen. Z. B. liegt jedem 10. Paket ein neuer 150er Flachbild-TV bei. Jedem 5. Paket ein Jahresabonnement Oettinger von einem Getränke-Heimdienst nach Wahl. Jedem 2. Paket ein Gebinde Chantre-Flachmänner. Türkisch nix-Alkohol-Familie kann die Gewinne dann verhökern.