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Donnerstag, 8. Dezember 2011

Ritt auf schwarzem Schimmel: Ehrliche Politik

Es gibt diese Momente, in denen die Maske fällt und aus der Rüstung der Selbstdisziplin aus Selbsterhaltungsdrang der wirkliche Mensch steigt. Kurt Beck, seinerzeit Chef der deutschen Sozialdemokratie, hatte einen solchen Augenblick der Wahrhaftigkeit, als er einem wucherbärtigen Vollzeitpunk, der vor seiner Rednertribüne gegen die Kürzung der Sozialausgaben protestierte, mitteilte, der junge Herr solle sich doch erstmal waschen und rasieren. Dann klappe es auch mit einem Job. Den Spuren von Beck, heute längst vergessener Arbeiterführer, ehemals aber die Hoffnung der SPD auf bessere Zeiten, folgt nun Dietmar Bartsch, derzeit die Hoffnung der Linkspartei auf bessere Zeiten. Bei einer Diskussionsveranstaltung in Berlin-Mitte offenbarte der Steiter für eine gerechtere Welt, dass er so weltfremd gar nicht ist, wie man das eigentlich sein muss, wenn man sich um ein PDS-Parteibuch bewirbt. Auf die Frage, wie er sich all die seit Monaten beherzt tobenden Fraktionskämpfe in der Linkspartei erkläre, soll Bartsch nach Angaben des Blogs Rationalgaleriegestanden haben, dass er durchaus wisse, woran das liege. Und er sagte es sogar: In Zeiten schlechter Wahlergebnisse würden die Mandate knapper. Und daher stritten sich die Abgeordneten der Linkspartei um die Posten eben wie "die Hartz-Vierer um den Alkohol". Parteichef wird Dietmar Bartsch nun zwar nicht mehr. Aber ein Beispiel für wirklich ehrliche Politik ohne Drumherumrederei, das hat er immerhin gegeben. Bartsch dementiert inzwischen, das offene Wort gepflegt zu haben. Gerechtigkeit muss sein: Spielkonsolen ins Bildungspaket!

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Was habe ich jetzt in meinen Archiven rumgewühlt, weil keine Ordnung, doch schlußendlich fand sich ein Artikel aus dem Tagesspiegel vom 28.04.2003 von Sabine Beikler und Matthias Meisner.

PDS-Politiker heute: Sie schreiben Bücher, machen Zeitung, beraten Firmen, stehen an der Werkbank - und einige Ärgern sich

Andere vermitteln gar den Eindruck, richtig Karriere zu machen. Der frühere Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch etwa berät ein Stahlbau-Unternehmen im Süden Brandenburgs, tummelt sich auch im Immobiliengeschäft. Nie wieder, erzahlte er stolz Parteifreunden, wolle er so schlecht verdienen wie im Bundestag. Für die neue PDS-Führung hat er wenig Übrig: "Es fehlt an allen Ecken und Enden. Das ist Abwicklung."


Ich wollte diesen Absatz schon immer mal im Internet lesen. Dank ppq kann ich es nun.

ppq hat gesagt…

warte mal noch zehn minuten, dann dementiert er das auch

Die Anmerkung hat gesagt…

Bartsch hat es gesagt, wie der jw bestätigt wurde.

Das ist fürchterlich. Banal. Die schnöde Wahrheit ist in Deutschland nicht mehr satisfaktionsfähig.

Das Dackelrennen um die Mandate für 2013 (!) ist im Gange und wird ausgetragen wie der Sturm aufs kalte Buffet. War immer so, wird immer so sein.

Erklären läßt sich der Heißluftsturm nur mit dem Wunsch "Bartsch verhindern". Bartsch läßt sich aber nicht verhindern.

Es sind schon ziemlich arme Gestalten, die da jetzt aus ihren Löchern kriechen.

Naja, jetzt hat auch die Linke ihren sozialrassistischen Sarrazin, wie ich gerade las.

Die Anmerkung hat gesagt…

über Dietmar Bartsch

"Er ist ein Ausnahmetalent in der deutschen Politik und wird in den inneren Kämpfen seiner Partei einfach verschwendet."

Das mußte mal gesagt werden.

ppq hat gesagt…

da geht es ihm wie sarrazin ;-)