Google+ PPQ: Väterchen Stalin dichtet

Montag, 12. März 2012

Väterchen Stalin dichtet

Er hatte ein gar empfindsam Herz, dieser Iosseb Bessarionis Dschughaschwili. Er träumte. Er war verbannt. Er hatte keine Vergangenheit. Keine Zukunft. Er war der Führer von Nichts, der Gefolgsmann von niemandem. Er lebte in Kurejka im kalten Turuchansker Gebiet. Es gab nichts zu tun für ihn. Er zählte Waggons. Und schrieb Gedichte. Mit Ausrufezeichen aus Stahl am Ende.


Wenn der Mond mit seinem Schein
plötzlich die Erde erhellt
Und sein Licht über dem weitem Horizont
spielt in blassem Blau,
wenn über Hainen in Iazur
die Nachtigallen singen.

Und die sanfte Stimme der Schalmei
frei erklingt, ohne zu schmelzen,
wenn für einen Augenblick verstummen,
um von Neuem einzusetzen die rauschenden Quellen der Berge,
und wenn das sanfte Lied des Windes
weckt in der Nacht den stummen Wald.

Wenn der Flüchtende vor seinem Feinde flieht
und wieder in seine kummervolle Heimat findet,
wenn erschöpft vor Finsternis,
er plötzlich die Sonne erblickt
Dann weicht von drückenden Wolken der Seele
die finstere Decke.

Die Hoffnung mit mächtiger Stimme
dir das Herz von neuem weckt.
In die Höhe strebt die Seele des Poeten,
und das Herz schlägt nicht vergebens.
Ich weiß, dass diese Hoffnung
gesegnet ist und rein!

Väterchen Stalin, in Deutschland geschützt

Kommentare:

Kurt hat gesagt…

Dieser, euer Beitrag zur Leipziger Buchmesse ist euch gelungen.
Leider habe ich keinen Band von Stalins Poemen. Aber ich habe noch mindestens zwei Büchern mit Trauergedichten. Lamentos über Stalins Dahinscheiden. Eines ist von Max Zimmerring. Immer wenn ich den inneren Drang spüre, Lyrik zu erfinden, erinnere ich mich an diese Gedichte und schreibe nichts. Denn wie sollte ich soetwas Schlechtes unterbieten können?

ppq hat gesagt…

ja, ich fand, das passt

ich weiss aber gar nicht, ob es stalins dichtwerke schon als buch gibt.

alles andere halten wir hier wie du

es sind die ungesungnen lieder, die in uns hallen immer wieder

Anonym hat gesagt…

DER Max Zimmering? Die Jagd nach dem Stiefel...("Sie sin' in wat rinjetreten...Pudding war't nich'...") oder: ("Ein deutscher Junge spielt nicht mit Negerpuppen...")
-Hildesvin-

Anonym hat gesagt…

Frei nach Erich Weinert, für die zu spät Geborenen:

Im Kreml brennt noch Licht.
Stalin schläft noch nicht.

Anonym hat gesagt…

im Kreml brennt noch Licht - der Stalin find` den Nachttopf nicht . so geht der Spruch .

VRIL

Kurt hat gesagt…

Ja, Erich Weinert. Der berühmteste Magdeburger vor Jürgen Sparwasser. Dem Weinert sein mutmaßlich letztes Buch habe ich auch noch irgendwo. Das waren Nachdichtungen sowjetischer Lyrik. Mal schauen, ob da drinn Stalingedichte sind, Bis es dieser Band in das Gutenberg-Projekt schafft, dauert es aber noch 11 Jahre. (Vorrausgesetzt, die Content-Mafia ändert nicht die Regeln)

Und ja, ich meinte d e n Max Zimmering. der nach seiner Rückkehr nach Dresden ganz kommunistisch-proletarisch standesgemäß ein nettes Häuschen auf der Collenbuschstraße bewohnte, inklusive Haushälterin und Chauffeur; zwei Straßen entfernt vom Haus Martin Andersen-Nexös. Nexö schrieb Weltliteratur. Für Zimmering gilt das Prädikat: Unlesbar

cephilein hat gesagt…

Im Kreml brennt noch Licht.
Väterchen Stalin schläft noch nicht.

Wenn schon dann komplett ;-)