Google+ PPQ: Hellas droht mit Hitler

Dienstag, 28. August 2012

Hellas droht mit Hitler

Der griechische Premier Samaras hat bei seinem Besuch in Berlin bei Kanzlerin Merkel klar gemacht, dass Europa nur überleben wird, wenn sein Land Zeit erhält, Reformen allmählich anzugehen. Die Bild-Zeitung fragte den Griechen-Premier nach Einzelheiten - PPQ-Gebärdendolmetscherin Frauke Hahnwech hat das Wortlautprotokoll des Gespräches mit Antonis Samaras übersetzt und herausgearbeitet, was der beliebte griechische Politiker den Deutschen sagen will, wenn er von "kurzfristigen Problemen", "Luft zum Atmen" und "Reformen" spricht.

Frage: Herr Ministerpräsident, Sie hatten eine schwere Augenoperation kurz nach Ihrer Wahl. Wie geht es Ihnen heute?

Antonis Samaras: Es geht jeden Tag besser, danke. In einem Monat bin ich wieder ganz der Alte. Und ich sage Ihnen: Ich bin mehr denn je entschlossen, alles zu tun, um den Eindruck zu erwecken, dass wir handeln. Die Opfer der Griechen sollen nicht umsonst sein, sie sollen den Rest Europa schon etwas kosten. Und alle unsere Partner sollen wissen: Wir Griechen strengen uns wirklich an, trotz der Hitze. Ich bin sicher, wir werden es schaffen, ohne dass ich Ihnen jetzt sagen kann, was „es“ ist. Ebenso sicher bin ich, dass die europäischen Partner an unserer Seite sind, weil sie gar nicht mehr anders können. Der Gläubiger ist ja ebenso die Geisel des Schuldners wie umgekehrt. Dieser griechische Erfolg wird Europa stärken – alle anderen wissen nun, dass wir durch die Gemeinschaftswährung auf Gedeih und Verderb aneinander gebunden sind.

Frage: Wie ist es, ein Land zu regieren, das fast täglich den Bankrott fürchten muss?

Samaras: Das ist nicht so. Wir fürchten allenfalls aller zwei Wochen, dass es zu Ende geht. Wir müssen heraus aus dieser Negativ-Psychologie, die wie ein tiefes schwarzes Loch ist. Schauen Sie sich um hier in Athen: Die Sonne scheint, die Busse fahren, es gibt Essen zu kaufen und kalte Getränke. Die Griechen haben eine neue Regierung gewählt, um das Land auf neuen Kurs zu bringen. Wir kommen bei Strukturreformen und Privatisierungen nicht voran, warten im Moment noch auf die ersten Einnahmen. Aber es ist nicht fair, wenn uns manche in Europa trotzdem in dieses Loch zurückstoßen wollen, das nur aus Psychologie besteht. Griechen und Deutsche haben viel gemeinsam, nicht nur die Vorliebe für Zaziki. Auch wenn das viele Ihrer Leser bei genauem Nachdenken verstören wird, sage ich jetzt mal: Auch wir können eine Tragödie in eine Erfolgsgeschichte verwandeln.

Frage: Hier verbietet sich eine Nachfrage, was Sie damit meinen. Aber es heißt, im September seien die griechischen Staatskassen leer.

Samaras: Wir haben kurzfristig Probleme, aber langfristig kommt doch Geld rein. Dank der Vereinbarungen steht unsere Finanzierung für die nächsten drei Jahre. Europa hat versprochen, uns auszuhalten. Das Entscheidende ist, dass die Wirtschaft rasch wieder wächst, die Steuereinnahmen verbessert werden und die Strukturreformen greifen.

Frage: Will Ihr Land Aufschub bei den Reform- und Spar-Auflagen?

Samaras: Lassen Sie mich sehr deutlich sein: Wir fordern kein zusätzliches Geld. Aber wie Sie in Deutschland sagen: Zeit ist Geld. Wir fordern also Zeit. Wir stehen zu unseren Verpflichtungen und zur Erfüllung aller Vorgaben, aber eben nicht heute und morgen, sondern irgendwann. Vorher brauchen wir mehr Geld, um das das Wachstum anzukurbeln, weil das jede Menge Geld spart. Alles, was wir wollen, ist ein wenig ,Luft zum Atmen’, um die Wirtschaft in Gang zu bringen und die Staatseinnahmen zu erhöhen. Europa muss uns helfen, in den kommenden 100 Jahren eine leistungsfähige Computerindustrie, Flugzeugfabriken, Autowerke und Anlagen für die Herstellung von Nanotechnik aus Oliven aufzubauen. Dann bedeutet mehr Zeit automatisch mehr Geld.

Frage: Braucht Griechenland einen weiteren Schuldenerlass?

Samaras: Selbstverständlich, irgendwann. Aber wir haben darüber wurde nie diskutiert, weil das klar ist.

Frage: Tut Griechenland genug?

Samaras: Die Frage ist wofür. Viel ist falsch gelaufen, in Griechenland und außerhalb von Griechenland. Nehmen Sie die Türkei, die unsere Südflanke bedroht, so dass wir hohe Rüstungsausgaben stemmen müssen. Oder damals die Schlacht um Troja. Wieviel wäre heute schöner, wenn nicht soviel Griechenland durch Griechen vernichtet worden wäre. Jetzt packen wir alle nötigen Reformen an.

Frage: Wirklich?

Samaras: Ja. Griechenland blutet, aber es ist nicht nur unser Blut, was da läuft. In den letzten zehn Jahren ist unsere Wirtschaft künstlich auf das Doppelte gewachsen, weil so viel Geld hereinströmte. In den vergangen drei Jahren ist sie dann um ein Fünftel geschrumpft. Der Lebensstandard, der sich seit der Einführung des Euro wegen der Konsumption durch geliehenes Geld um 40 Prozent verbessert hatte, ist wieder um ein Drittel gesunken, die Rentner haben ein Fünftel ihrer Einkommen verloren, nachdem sie zuvor Renten bekommen hatten, die wir durchweg mit Krediten finanziert haben. Nun ist die Hälfte unserer Jungen arbeitslos, auch weil der Tourismus durch den Euro teuer geworden ist. Da fahren die Deutschen lieber in die Türkei. Aber wir tun alles, diese Zusammenhänge nicht öffentlich zu machen. Wir müssen Europa zusammenzuhalten und wir müssen den Geist der Europäischen Union bewahren, also immer sagen, es ist besser so, wie es ist, der Euro bringt Frieden und Wohlstand, der Euro ist Liebe und Solidarität. Ließe man Griechenland jetzt fallen, würde die Verwundbarkeit der anderen Euro-Staaten wachsen. Von den dramatischen Folgen auf den Finanzmärkten ganz zu schweigen. Aber bitte verstehen Sie das nicht als Drohung.

Frage: Die Staatswirtschaft mit den enorm vielen Beschäftigten ist ein großes Problem, aber es ist fast nichts geschehen.

Samaras: Das kommt noch, irgendwann. Ich habe entschieden, dass wir für zehn pensionierte Beamte nur einen neuen einstellen. In 40 Jahren wird der Staatsapparat dadurch enorm geschrumpft sein. Wir werden dann einen kleineren, gesünderen und deutlich leistungsfähigeren öffentlichen Dienst haben. Dazu senken wir die Gesamtzahl der öffentlichen Angestellten.

Frage: Oder wäre es doch besser für Ihr Land, zur Drachme zurückzukehren?

Samaras: Um Gottes willen, nein. Die Folgen wären eine Katastrophe für Griechenland. Wie sollten wir dann noch Marmelade aus dem Schwarzwald importieren, um unsere Bauern zu ernähren? Woher käme die homogenisierte Milch, die wir derzeit aus Österreich einführen? Gar nicht zu reden von Autos, Bier und Wurst. Es würde mindestens fünf weitere Jahre Rezession bedeuten und die Arbeitslosigkeit über 40 Prozent steigen lassen. Ein Albtraum für Griechenland: wirtschaftlicher Kollaps, soziale Unruhen und eine nie dagewesene Krise der Demokratie. Das können Sie jetzt ruhig als Drohung verstehen. Der griechische Lebensstandard ist in den letzten drei Jahren um 35 Prozent gesunken, die zwei Prozent mehr verglichen mit meiner Antwort oben haben wir in den drei Minuten seitdem verloren. Eine Rückkehr zur Drachme würde ihn sofort um mindestens weitere 70 Prozent senken, vielleicht sogar unter Null. denken Sie nur, was das für ein Leben wäre, ohne Schwarzwälder Marmelade, Bounty und Salamander-Schuhe. Welche Gesellschaft, welche Demokratie könnte das überleben? Am Ende wäre es wie in der Weimarer Republik. Dann kommt Hitler. Wollen Sie das wirklich?




1 Kommentar:

R.A. hat gesagt…

Als der Spruch mit "Luft zum Atmen" in die Schlagzeilen kam, mußte ich an "Asterix im Arvernerland" denken.

Da soll ein Legionär den Hof fegen - und der Zenturio erwischt ihn, wie er auf seinen Besen gestützt Nickerchen macht.

Und da sagt dann der Legionär: "Ich fege eine halbe Platte, dann verschnauf' ich ein bißchen, dann fege ich wieder eine halbe Platte ..."