Google+ PPQ: Punkrock im Rechtsstaat

Dienstag, 21. August 2012

Punkrock im Rechtsstaat

Sie wollten nur genauso viel Spaß haben wie die Pussy-Riot-Musikerinnen: Drei Nachahmer der russischen Punkband haben im Kölner Dom Protestsongs gesungen und Plakate hochgehalten.Nachdem sie von Kirchenordnungskräften aus der Kathedrale gezerrt wurden und eine Verurteilung wegen Störung der Religionsausübung, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsrecht droht, reißt die Empörung über den Umgang mit den Künstlern nicht ab.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), forderte, künftig sportliche Großereignisse in Deutschland zu nutzen, um auf das Schicksal von Regimegegnern aufmerksam zu machen. Gott selbst habe kein Interesse an einer sofortigen Bestrafung erkennen lassen, da müsse der Rechtsstaat tolerant sein. "Im kommenden Jahr ist in Deutschland die Volleyball-Hallen-EM, ein Jahr später die Volleyball-WM – beides darf nicht zu einer Propaganda-Show für das Regime werden", sagte Löning.


"Viele fragen: Urteilt so ein Rechtsstaat? Ich verstehe alle, die Zweifel haben", kritisierte auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Zwar hätten die jungen Musiker mit ihrer provokanten Aktion gewiss religiöse Gefühle verletzt, aber gleichzeitig müsse "ein starkes Land so viel künstlerische Freiheit aushalten", glaubt er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht das ähnlich. „Das steht nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie“, sagte Merkel. Eine lebendige Zivilgesellschaft und politisch aktive Bürger seien eine notwendige Voraussetzung und keine Bedrohung für Deutschlands Modernisierung.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), machte die Regierung für das harte Vorgehen gegen die Künstler verantwortlich . "Das ist Merkels Prozess gewesen. Es ist Merkels Urteil. Und es ist ein Urteil, das jeder Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit hohnspricht", sagte Polenz, der erwägt, selbst eine Punkband zu gründen und in der Tradition des DDR-Dissidentenrock ausschließlich in Kirchen aufzutreten.

Nachahmer bei Die Anmerkung

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Teilnehmer planen, einen Tag nach der Verurteilung in Internet ein neues Lied zu veröffentlichen, in dem sie das Volk auffordern werden, einen Bürgerkrieg gegen die gewählte Regierung anzuzetteln und insbesondere Reichstagschefin Angela Merkel aus dem Amt zu jagen. +++ fuldainfo

Anonym hat gesagt…

Äußerst innovativer Protest in einem lähmenden gesellschaftlichen Klima, das andere Formen des Dagegen kaum mehr zuläßt.
Sachen aus dem Ausland sind schick und zeitlos. Bald soll mit Bergarbeiterstreiks und Selbstverbrennungen zu rechnen sein.

Kurt hat gesagt…

Hö, hö, Bergarbeiterstreiks...
Der Bergbau in Deutschland befindet sich eher am Beginn eines neuen Booms. Wenn die Rohstoffpreise weiter steigen, wird es ans Lausitzer Kupfer gehen. Im Erzgebirge gibt es auch so einige Projekte. Und zuallerst ist der Braunkohlenbergbau zu nennen. Dank dem fehlgeschlagenen sozialistischen Experiment mit der deutschen Solarindustrie wird jetzt richtige Kohle gebaggert ohne Ende. (Im Gegensatz zu den Staatssubventionen, die ja nur im übertragenen Sinne Kohle genannt werden).
Ich tippe deshalb neben den nie ganz aus Deutschland verschwundenen Selbstverbrennungen und dem Aufbegehren des unterdrückten und geschundenen schwarzen Blocks noch auf Selbsmordbomber von Muslimen für Muslime, auf innere Emigration in die Trinkhalle und auf die Neugründung von Parteien. Letzteres scheint mir derzeit als brutalstmögliche Protestform in Deutschland en vogue zu sein.

derherold hat gesagt…

Für gewöhnlich guten unterrichtete Kreise haben durchsickern lassen, daß die Bundestagsfraktion der CDU eine eigene Protestaktion gegen sexuelle Unterdrückung plant.

Unter dem Decknamen "Lieder, so schön wie der Norden" will man als flashmob in der Lobby eines Düsseldorfer Hotels "Sweet little sixteen" intonieren.

Anonym hat gesagt…

Keine Sorge, Pussy Riot! Berlusconi ist schon auf dem Weg, um Euch zu retten: http://andreasmoser.wordpress.com/2012/08/21/pussy-riot-berlusconi/

Volker hat gesagt…

In der Southpark-Episode Nur körperliche Liebe im Vatikan bringt Pfarrer Maxi einen Fingerzeig auf den Grund:
„Und wenn ihnen die Mythologie als Anleitung dazu fehlt wie sie leben sollen, dann kommt eben bloß ´n Haufen Scheiße aus ihrem Mund.“

Mir scheint, er hat Recht.