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Donnerstag, 27. September 2018

Merkeldämmerung: Kanzlerin wechselt in die SPD

Keine Träne in der Union nach dem Meuchelmord an der Kanzlerin, kein Mitleid mit der auf "offener Bühne Enthaupteten" (SZ)oder gar ein Einsehen der Schuldigen, dass Deutschland Angela Merkel zu viel verdankt, als dass die letzte Kämpferin für die Demokratie in der Welt aus dem Amt gejagt werden kann, ehe sie die Amtszeitrekorde von Adenauer und Kohl überholt hat. Was im Dezember 2019 und im Dezember 2021 der Fall wäre.

Wenigstens aber in der deutschen Sozialdemokratie spüren sensible Genossinnen, was fehlen wird, wenn Merkel erst weg ist. Sawsan Chebli, einst Pressesprecherin des Außenministers Walter Steinmeier und heute als "Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales" ganz vorn in der Integrationsfront, macht bei Twitter keinen Hehl aus ihrer Trauer: "Wahnsinn, wie sich jetzt alle auf Merkel stürzen", schreibt sie, "als Frau, als Sozialdemokratin, als Angehörige einer Minderheit hat sie seit 2015 meinen tiefsten Respekt."

Chebli, Tochter einer palästinensischen Familie, fühlt mit der Noch-Kanzlerin. Auch sie hat ein SPD-Parteibuch, wie Merkel, die Sozialdemokratin. Auch sie gehört als zweitjüngstes von zwölf Kindern zu einer Minderheit wie Merkel, die Ostdeutsche, die aus dem Westen stammt. Zwei, die sich nahe sind, auch dabei, dass sie nie "nur was von Toleranz und Vielfalt, vom Kampf gegen Rechts" (Chebli) erzählen. Nein, so die 40-Jährige frühere Steinmeiervertraute über Merkel, die frühere Kohlvertraute: "Sie meint es."

Dass sich Angela Merkel mit ihrer lange geheimgehaltenen Mitgliedschaft in der SPD den Zorn der Konservativen in CDU und CSU zugezogen hat, wäre eine Erklärung für das Desaster um die gescheiterte Wiederwahl Volker Kauders zum Fraktionschef. Dass Chebli allerdings als einzige führende Genossin das Selbstbewusstsein hat, die Kanzlerin nun auch offiziell in den Reihen der ältesten und immer noch mitgliederstärksten deutschen Partei zu begrüßen, verwundert schon.


Kommentare:

lesandi hat gesagt…

Natürlich hat die Frau nur ungeschickt formuliert, aber ebenso natürlich kann man sich diese Steilvorlage nicht entgehen lassen.

ppq hat gesagt…

meinst du? ich kann mikr das nicht vorstellen. die ist sprecherin des außenministers gewesen, also offensichtlich eine frau des wortes, die genau weiß, was man wie sagt. wenn sie merkel als sozialdemokratin bezeichnet, dann denke ich, die ist auch eine. chebli hat die aussage ja bisher auch nicht korrigiert

derherold hat gesagt…

Ich finde wir sollten dankbar sein. Jedes öffentliche Auftreten von Frau Chebli ist ein Geschenk Gottes.

Richtig: Frau Chebli war als Antisemitismusbeauftragte im Gespräch.
Falsch: Horst Mahler wird deutscher Botschafter in Israel.

Anonym hat gesagt…

Vor einiger Zeit wurde Frau Chebli auf einer Kommentarseite von einer Leserin falsch, aber treffend als Chebla bezeichnet. Das hat sich mir eingeprägt.