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Freitag, 16. November 2018

Die Weber-Welle

Die Weber-Welle, deutlich zu sehen ganz rechts in der Grafik.

Im Januar noch "hofierte" (Süddeutsche) er einen "81 Jahre alten Parteichef der Forza Italia" (SZ) namens Silvio Berlusconi, im September dann kündigte er die Übernahme der Nachfolge von Jean-Paul Juncker an und im November nun zeigt sich schon, wie ihm die Herzen zufliegen: Manfred Weber wird Spitzenkandidat der EVP für Europa und tritt damit in die großen Fußstapfen des früheren SPD-Gottkanzlers Martin Schulz, der als letzter Deutscher versucht hatte, Chef der EU-Kommission zu werden.

Schulz war damals gescheitert, die Umsetzung des Hades-Planes erlitt einen gelinden Rückschlag. Weber aber scheint es besser auszufechten: Kaum war die Name des völlig unbekannten Niederbayern aus Niederhatzkofen in der Öffentlichkeit, zeigten die Umfragewerte der europaweit völlig unbekannten Parteienvereinigung EVP (EPP) eine prompte Reaktion (Grafik oben).

Die Weber-Welle, sie rollt durch Europa, der erst seit 14 Jahren im Europäischen Parlament sitzende stellvertretende Parteivorsitzende der CSU, immerhin eine Realschullaufbahnlänge jünger als Juncker, bringt der Ankündigung, Beitrittsgespräche mit der Türkei abbrechen und Grenzkontrollen zu Österreich beenden zu wollen frischen Wind in den Wettbewerb der Parteien um die besten Konzepte.

Weber ist sofort nach der Ankündigung seiner Kandidatur und der  Wahl durch die Europäische Volkspartei (EVP/EPP) abgetaucht. Als Gegenspieler des Sozialdemokraten Frans Timmermans, der ebenfalls Kommissionschef werden wollen muss, um eine Art Wahlkampf zu simulieren, obwohl er angesichts des europaweiten Niedergangs der sozialdemokratischen Parteien keine Chance hat, kann sich Manfred Weber nur selbst stoppen. Sagt er zu viel, sagt er das Falsche, im verkehrten Moment oder zur Unzeit, äußert er sich zu Seehoferm, zu Flüchtlingen, zu Trump oder seinem Parteifreund Orban, droht unerwünschte Aufmerksamkeit.

Also sagt Weber Sachen, die Europapolitiker im Vorwahlkampf so sagen. „Ich träume von einem Europa, das niemanden abhängt und wo wir härter arbeiten, um bessere Lebensbedingungen für alle Europäer zu schaffen.“ Er habe den Traum, dass Europäer als erste eine Heilung für Krebs finden. Und „für uns bei der EVP ist jeder Mensch wichtig.“

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