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Samstag, 31. August 2019

Immer hinter dem Hasen her: Deutschland und die Klimaziele

Um die Welt zu retten, bräuchte Deutschland zusätzlich zu den derzeit 28.000 Windrädern nur noch weitere 69.000.

Die Umweltministerin hieß Angela Merkel und als sie vor ziemlich genau 23 Jahren eine internationale Klimakonferenz in Genf eröffnete, hatte sie den Delegierten aus über 150 Ländern nichts Erfreuliches mitzuteilen. Alle Versprechen, die sich allerlei Staatenvertreter auf dem "Erdgipfel" von Rio de Janeiro vier Jahre zuvor gegeben hatten, um den Globus für kommende Generationen bewohnbar zu erhalten, waren leere Absichtsbekundungen geblieben.

Hatten sich die Industrieländer in Rio verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2000 auf dem Niveau von 1990 zu stabilisieren, war davon in den Daten nichts zu sehen. Nicht einmal Merkels eigene Delegation kam mit einer sauberen Weste: Zwar konnte die Bundesrepublik mit einer tatsächlichen Reduktion des CO2-Ausstoßes von 12,7 Prozent zwischen 1990 und 1995 aufwarten. Doch dieser Erfolg beruht fast vollständig auf der Abschaltung der DDR-Industrieunternehmen. Kaum war die erledigt gewesen, stieg die Emission von Treibhausgasen auch in Deutschland wieder an. Vom Fernziel, das Kanzler Helmut Kohl bei einer Verminderung von 25 Prozent bis 2005 festgelegt hatte, keine Spur.

"Echte Reduktionen" vor 23 Jahren


In ihrer Eröffnungsrede sprach Angela Merkel deshalb Klartext. Die Staatenvertreter müssten sich auf „echte Reduktionen verständigen“. Wie wäre es mit 15 bis 20 Prozent Minderung beim CO2 bis zum Jahre 2010? Wo man doch nun weder Stabilisierung geschafft noch auch nur in die Nähe der Minderungsziele für 2000 und 2005 gekommen sei? Dann einfach mehr, aber später! Und auf jeden Fall.

Doch nicht einmal innerhalb der Europäischen Union gibt es darüber Einigkeit, geschweige denn mit der USA, in der Bill Clinton und sein Vize Al Gore im Wahlkampf standen, in dem Arbeitsplätze immer wichtiger sind als Treibhauseffekte. "Wer beim Klimaschutz bremst oder auch nur auf der Stelle tritt, wird in nur wenigen Jahren den Anschluss an die wichtigsten Märkte des nächsten Jahrhunderts verpassen", sagte Gerhard Schröder, als er Kanzler geworden war und er versicherte zum Auftakt der UN-Weltklimakonferenz in Bonn, dass Deutschland bis zum Jahr 2005 den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um ein Viertel vermindern werde


Daraus wurde wieder nichts. Als der Tag der Abrechnung herangerückt war, stellte sich heraus, dass der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in Deutschland seit 1992 kaum mehr reduziert worden war. Er betrug immer noch knapp 900 Millionen Tonnen im Jahr – 8,5 Prozent weniger als 1990, weil bis 1992 der Zusammenbruch der DDR-Industrie geholfen hatte. Und weitere 6,5 Prozent weniger, weil in den darauf folgenden zwölf Jahren hier und da noch geringe Reduzierungen erreicht worden waren.

Verfehlte Ziele werden immer ehrgeiziger


6,5 Prozent Minderung in 13 Jahren. Damit war das 1995 von der Bundesregierung beschlossene Ziel verfehlt worden, die Kohlendioxid-Emissionen bis 2005 um 25 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Und eine Endlosschleife der Zukunftsverschiebung begann: Immer höher wurden die Ziele geschraubt, immer stiller wurden sie verfehlt.

Und sofort nach jedem Fehlschlag simulierten die jeweilig Verantwortlichen Erkenntnis und Handlungsentschlossenheit: Als der Umweltminister Sigmar Gabriel hieß, kündigte die Bundesregierung auf der UN-Klimakonferenz in Montréal „erste Schritte zum künftigen Klimaschutz“ an, denn es sei „nötig, einen Prozess zu starten, der zu harten Treibhausgas-Reduktionszielen für die Zeit nach 2012 führt“.

Als dann Norbert Röttgen das Amt innehatte, war das 40-Prozent-Ziel bis 2020 "in greifbare Nähe gerückt", nur um dann doch wieder wegzuflutschen. Dann war Peter Altmaier Umweltminister und weil alle Ziele immer noch verfehlt wurden, forderte der Christdemokrat, die EU müsse ihr Ziel zur Minderung der Treibhausgase bis 2020 anheben: von  20 Prozent weniger Ausstoß auf 30 Prozent.

Wichtig war das Datum, nunmehr 2020. Dass das auch nicht klappen würde, war dann 2015 zu sehen. Also vertagte man sich wie immer auf irgendwann später, dafür aber dann richtig radikal. Die EU-Umweltminister – für Deutschland saß inzwischen die Sozialdemokratin Barbara Hendricks am Tisch – schworen nun, die Treibhausgasemissionen in der EU bis 2030 im Vergleich zum Jahr 1990 um 40 Prozent zu verringern. Wichtig sind wieder nicht die Prozent, sondern das Datum, nun nicht mehr 2020, sondern 2030.

St. Nimmerlein als Stichtag


Die Struktur wird deutlich: Der Stichtag rückt in weite Ferne, dort aber kommt die Null ganz, ganz nahe. 2018 – also nach 28 Jahren von 1990 an gerechnet - war endlich die Hälfte des geltenden EU-Klimaschutzziels erreicht, bis 2030 rund 40 Prozent weniger Treibhausgase zu produzieren als 1990. Zwölf Jahre würden nun noch Zeit bleiben, den Rest zu schaffen, rein rechnerisch wäre es vermutlich dann 2048 wirklich soweit und das Ziel vom Erdgipfel 1992 wäre erreicht.

Und deshalb kam dann Ursula von der Leyen und nutzte ihre Antrittsrede als EU-Chefin, um zu zeigen, wie gut sie rechnen kann. Warum nicht 55 Prozent statt 40?, verkündete sie ein neues Ziel, noch unrealistischer, noch weiter in der Zukunft, dafür aber noch "ehrgeiziger" (Spiegel). Und wenn die eine Zahl so illusorisch ist wie die andere, dann gehen auch sechzig, siebzig, ja, dann geht sogar Klimaneutralität bis 2050!

Bis dahin erinnert sich doch sowieso niemand mehr. Und falls doch, dann wird das Ziel eben auf 2100 verlegt, dann aber mit Minuskohlendioxiderzeugung.

Kommentare:

Konrad Kugler hat gesagt…

Wie kommt es, daß man bei einem Anteil von 0,04 % CO2 an dér Atmosphäre dieses Spurengas für den "menschengemachten" Klimawandel behaupten kann? Das ist so irrational, daß es reicht, die Zehennägel aufzubiegen.
Die Sonne und das Wasser als Dampf spielen offenbar keine Rolle bei der Entstehung unseres Wetters.

Thomas Leske hat gesagt…

Böse Jungs könnten die vielen tollen neuen Windräder ganz einfach sabotieren: http://www.konterrevolution.at/wie-die-klimakrise-konzernen-und-staaten-milliardengewinne-beschert/?unapproved=131&moderation-hash=da25e248df78e0e645929f1881e77b91#comment-131

Dabei dürfen die Bösen doch gar nicht von der dunklen Seite der Macht lernen:
https://twitter.com/Ende__Gelaende/status/1147146431440084992

Anonym hat gesagt…

Wie kommt es, daß man bei einem Anteil von 0,04 % CO2 an dér Atmosphäre dieses Spurengas für den "menschengemachten" Klimawandel behaupten kann?

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