Google+ PPQ: Faktenverweigerer: Willkommen in der WDR

Donnerstag, 20. August 2020

Faktenverweigerer: Willkommen in der WDR


Faktenfinden ist ein noch recht junges Gewerbe im Medienbereich, aber eines das boomt. Dabei tun Faktenfinder eigentlich nichts anderes als Journalisten seit Jahrzehnten - sie suchen, wie der Name sagt, Fakten, prüfen sie und veröffentlichen sie anschließend. Neu am "Faktenchecker", wie sich der Faktenfinder in der Regel nennt, ist der Umstand, dass es in der Regel um Widerlegung geht: Fakten, die von anderen gefunden wurden, werden von den Startup-Gründern der Branche gewälzt und gewendet, bis sie in einem anderen Licht erscheinen.

Das passiert täglich und wirft immer eine Zeile ab, gilt immer als Beitrag zum hehren Kampf gegen "Desinformation" und nährt Frau, Mann und ganze Kollektive, die gezielte Desinformation und zuweilen sogar Internetwitze nutzen, um sie ebenso gezielt durch Umschreibung, ein wenig Rabulistik und viel Verbalqualm zu relativieren.

Nicht immer aber ist die Faktenchekcerbrigade willig, wie Jakob Buhre von Planetinternet jetzt erfahren musste. "Wie ich einmal versuchte, Fake-News über Tom Buhrow zu korrigieren (ohne Erfolg)", überschreibt er einen Erfahrungsbericht zu einem aktuellen Medienmärchen, das vor einigen tagen kursierte. Danach hat der derzeitige WDR-Intendant Tom Buhrow im vergangenen Jahr ernste Einkommenseinbußen erlitten: "4000 Euro weniger als noch 2016" habe der vielkritisierte Spitzenverdiener des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems verdient. Angesichts eines Gesamteinkommens von 399.000 Euro verschmerzbar, aber vielleicht ja doch tröstlich für die Kritiker einer Gehaltspyramide, die dem Leiter einer halbstaatlichen Sendeanstalt deutlich mehr Gehalt zubilligt als einem Ministerpräsidenten oder der Bundeskanzlerin.

Buhre hatte nun genauer nachgeschaut und herausgefunden, dass Buhrow keineswegs weniger Gehalt bekommt, sondern die ARD bei der Veröffentlichung der Höhe der Gehälter ihrer Intendantuenden* nicht mehr die Gesamtsumme, sondern nur noch die Grundvergütung angibt. Bei dieser Zahl fehlt der geldwerte Vorteil für den Dienstwagen, die 2016 noch enthalten war.

Schön für Buhrow, dass er heute ohne diesen Bonus immer noch auf dieselbe Summe kommt, mit ihm also höher liegt. Das Wunder aber begegnete Jakob Buhre, als er versuchte, die vielen, vielen Medienhäuser, die die Meldung von Buhrows gesunkenem Gehalt verbreitet hatte, dazu zu bewegen, sich die tatsächliche Sachlage anzuschauen: Danach lag Buhrows Gesamtgehalt 2017 inklusive Dienstwagen bei 407.100 Euro, seine von der ARD veröffentlichte Grundvergütung aber nur bei 379.200 Euro. "Diese Grundvergütung stieg nun bis 2019 auf 395.000 Euro", analysiert Buhre - der WDR-Intendant verdient also nicht 4.000 Euro weniger, sondern wenigstens 23.300 Euro mehr.

Dennoch stieß der Hinweis überall auf taube Ohren. Willkommen in der WDR! Die Nachrichtenagentur EPD, die für die ursprüngliche Meldung verantwortlich ist, fand den Fehler offenbar nicht schlimm genug, um ihn begradigen zu wollen. Auch die einzelnen Zeitungen, die auf die Fake News hereingefallen waren, weil sie Agenturmeldungen prinzipiell nicht prüfen, reagieren nicht, ebenso wenig  die Journalistengewerkschaft DJV, die die vermeintliche Gehaltssenkung zuvor noch begrüßt hatte. Faktenchecker haben sich des Falles nirgendwo angenommen.

"Das Märchen vom gesunkenen Gehalt steht nun schon seit dem 14. August online, bei einigen Medien seit dem 12.08.", beklagt Buhren den "fehlenden Willen, sich mit einer einmal publizierten Geschichte nochmal auseinander zu setzen". Doch ganz vergebens war die Mühe nicht: Wenigstens die FAZ hat den "Fehler" inzwischen korrigiert.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dass die Hauptschranze beim Regierungsfernsehen weniger überwiesen bekommt als irgendwann vorher, ist ja für sich schon eine durchgeknallt absurde Vorstellung.

suedwestfunk hat gesagt…

Über die "Faktenchecker" und ihre Brötchengeber ist ja schon etliches bekannt - leider noch nicht zum Allgemeingut - geworden. Sie machen halt, was Ihresgleichen auch schon zu Zeiten des DDR-Funks & -Fernsehens für sich in Anspruch nahm: Berichten, was "unsere Menschen" von ihnen erwarten. Jahrzehntelanges Glotzen auf die Quote und politsches Framing zugunsten der Politbürokratie, um die eigene Unentbehrlichkeit sicherzustellen, führt am Ende zum selben Ergebnis: Sie werden entbehrlich. Zumindest für den Teil der Bevölkerung, der sich nicht einer Verblödung überlässt, die unterhaltsam und zur Gewohnheit geworden ist, selbst herbeiphantasierte Konflikte aufbläht, aber leider nicht auf den ärgsten Konflikt vorbereitet: den mit der Realität. Leider befreit Einsicht in die Entbehrlichkeit einen nicht von der Zahlungspflicht für die Verblödungsmaschine samt Pensionen für deren Verweser.

Anonym hat gesagt…

Zahlungspflicht für die Verblödungsmaschine ---

Damit, unter anderem, hatte das Überdruckventil für Wutbürgerlein, die sogenannte AfD, einmal punkten wollen. Wat kümmert mich mein Jeschwätz von jestern.
Es wäre für sie ein Klacks, und würde wahrhaftigen G_ttes Punkte bringen, aber nee ...

Jodel hat gesagt…

Der Herr Buhre ist ja ein ganz sympatischer aber doch leider sehr naiver Mensch.
Er findet einen dummen dummen Fehler, der dummerweise total unabsichtlich in eine Gehaltstabelle eingeschlichen wurde und den eigentlich niemand hätte finden sollen. Er schreibt alle Fehlerverbreiter an und erwartet dann wirklich das diese alle erreichbar sind, über den dummen Fehler total überrascht sind, sich Asche aufs Haupt streuen und dann die große Gegendarstellung auf die Titelseite bringen.

Wo lebt denn der gute Mann? War er die letzten zehn Jahre auf dem Mond? Selbst in der guten alten Zeit hätte niemand eine solche Falschmeldung großherzig offiziell zugegeben. Wahrscheinlich hätten sich die Redakteure damals noch intern rechtfertigen müssen, warum sie das so und nicht anders veröffentlicht haben. Vielleicht hätte es noch eine Rüge gegeben. Aber das wäre es auch in der besten aller Welten gewesen.

Heute leben wir aber im Besten aller Deutschländer aller Zeiten im Jahre des Herrn 2020.
Amtliche Wahrheiten werden nunmehr tagesaktuell im Dauerfeuer für das tumbe Volk verkündet.
Eine Hinterfragung oder Diskussion ist da weder vorgesehen noch erwünscht. Jedes ansuchen um Korrektur macht doch nur Verdächtig. Wer zweifelt denn an allwissenden Agenturmeldungen und warum? Die Nomenklatura hat inzwischen immer recht. Wer etwas anderes verkündet ist ein Hasser und Hetzer. Das das System noch prima funktioniert, erkennt man ja auch daran, das einige Zeitungen eine kleine Korrektur übernommen haben, nachdem der Zug schon lange durchgerauscht war.

Herr Buhre ist also für seine Unverschämtheiten gegen die heute gültigen Gepflogenheiten noch ganz glimpflich davongekommen. Für derlei Zweifel an der gültigen Wahrheit hätte er auch einen Besuch von der Antifa oder dem Verfassungsschutz bekommen können. Zum Glück für ihn ist der Fall nicht allzu bekannt geworden. Hätte sich ein Herr Böhmermann des Falls angenommen, wäre der Verlust des Arbeitsplatzes wohl die Mindeststrafe gewesen. Auch sein Auto hätte wohl ganz zufällig die eigene Selbstentzündung beschließen können. Das sollte ihm eine Lehre sein. Beim nächsten mal wird es garantiert nicht so folgenlos ablaufen. Die Meinung ist zwar weiterhin frei, aber man darf doch nicht so unverantwortlich damit umgehen. Das liefert nur Wasser auf die Mühlen der Unberührbaren. Das kann doch keiner wollen. Wegen ein paar tausend Euro hin oder her.