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Mittwoch, 5. August 2020

Galoppierende Inflation: Gold geht durch die Decke

Gold weckt Gier, Gier verführt: Geschäftemacher nutzen das immer wieder aus.

Erstmals die 2000, zumindest in Dollar. Eine Unze Gold, das sind knapp über 31 Gramm, erreicht einen neuen Rekordwert, wenigstens gemessen in den beiden großen Westgeldwährungen Dollar und Euro. 2000 Dollar, 1700 Euro. Vor 21 Jahren, als der Euro als zukunftsfestes Geld aller EU-Europäer eingeführt wurde, kostete dieselbe Menge des Edelmetalls gerademal 250 Euro. Eine Preissteigerung von fast 700 Prozent in zwei Jahrzehnten. 33 Prozent pro Jahr. Gold ist damit schneller wertvoller geworden als die Aktie von SAP, der einzigen Hightechfirma im Dax. Und es wurde schneller teurer als der deutsche Sozialstaat, der im selben Zeitraum um 40 Prozent anwuchs.

Es sei die Explosion in Beirut gewesen, die den neuen Ansturm auf das "gelbe Metall" (DPA) ausgelöst habe, heißt es bei den selben verlässlichen Quellen, die in der Vergangenheit stets "ziemlich viele Argumente gegen einen Goldkauf" gefunden und entsprechend vor der Geldanlage in Gold gewarnt hatten. "Der Goldpreis schwankt sehr stark", argumentierte etwas das Anlegermagazin "Der Spiegel", "er hat sich schon oft innerhalb weniger Jahre verdoppelt - oder halbiert."

Goldpreischart seit 1968: Mit dem Euro ging es aufwärts.
Wie die Auflage des Hamburger Magazins, das zunehmend ins Leere predigt: Vom Gefühl her wissen die Menschen selbst, was es bedeutet, wenn die Geldkanonen der Internationale der Stimmungsaufheller mit Multimilliarden schießen als wären die Nullen kostenlos und die Bargeldfabriken der Regierungsbanken Billionen nachladen als gäbe es die umsonst. Nicht Gold wird teurer, sondern Geld billiger. Das ist kein Prozess, der in Tagen, Wochen oder Monaten stattfindet, er erstreckt sich über Jahre und Jahrzehnte. Ist dafür aber ein unzweifelhafter Arbeitsnachweis für den Erfolg politischen Handelns.

War das Edelmetall nach der Aufhebung der Goldbildung des Dollars durch Richard Nixon anno 1971 explosionsartig in seine Karriere als zinsloser Wertcontainer gestartet, folgte eine zweite Welle nicht etwa erst mit der Nullzinspolitik in Washington und Brüssel, die Goldanlegern erstmals  signalisierte, dass man nicht nur für gesparte Münzen und Barren, sondern auch für alles andere keine Zinsen mehr bekommt. Nein, schon mit der Einführung des Euro - am 1. Januar 1999 rechnerisch, 2002 dann auch physisch - begann, was das Bundesfinanzministerium "eine Erfolgsgeschichte" nennt: Geld wurde permanent weniger wert. Gold unablässig teurer.

Konnte sich ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Deutschland vor 20 Jahren noch fünf Goldmünzen mit einem Gewicht von je einer Unze von seinem Monatsgehalt leisten, langt das heute gerade noch für eine einzige. Eine Inflation, die der kleine Mann nicht mitbekommt, außer, er denkt darüber nach, weshalb sich sein Großvater seinerzeit noch ein Häuschen bauen konnte, obwohl er nur Hilfsarbeiter war und seine Frau daheim auf die Kinder aufpasste, er selbst aber heute selbst zusammen mit seiner Herzensdame Mühe hat, sich das Gleiche zu leisten.

Der Versuch, die von einer dauerhaft extensiven Schuldenwirtschaft beiderseits des Atlantik ausgelösten wirtschaftlichen Schäden ausgerechnet mit einer immer weiter und immer schneller fließenden Geldflut zu ertränken, wie es Thomas Mayer in der "Welt" nennt, trifft im Alltag scheinbar niemanden.

Wer kein Gold und kein Haus, kein Silber, keine Aktie und keine Antiquität kaufen möchte, spürt nicht einmal, dass das Geld, mit dem er zahlt, längst nicht mehr das Geld ist, das er am 1. Januar 2002 gespannt aus dem Geldautomaten zog, weil ihm erzählt worden war, dass es sich "als robuste Währung" von "großer Beständigkeit" erweisen werde, wie die Bundesbank noch im vergangenen Jahr behauptete. Nach 20 Jahren resümierten die Banker, "dass der Euro in Wahrheit stabiler ist als die D-Mark", denn "die durchschnittliche jährliche Inflationsrate betrug im Währungsraum 1,7 Prozent, zu Zeiten der D-Mark lag sie in Deutschland bei 2,8 Prozent."

Gemessen an einem Korb aus verderblichen Waren freilich. Gemessen in Gold ist der Euro Enteignung pur. Wer welches hat, ist ohne eigenes Zutun  immer reicher geworden und er wird auch künftig immer reicher werden.

Wer aber keines besitzt, der wird auch keines mehr bekommen: Das Jahresgehalt eines durchschnittlichen Arbeitnehmers in Deutschland, 1999 noch fast 200 Gramm in Gold wert, wiegt heute nicht einmal mehr 40 Gramm.

Kommentare:

FDominicus hat gesagt…

Lieber #ppq, mal wieder ein top Eintrag.
Ich habe es weniger satirisch auch gerade heute festgehalten:
https://www.q-software-solutions.de/blog/2020/08/ueber-den-goldpreis/

Ihr Eintrag ist interessanter geschrieben, das gebe ich unumwunden zu.

Anonym hat gesagt…


Das wußte schon der Dr.Faust des Geheimrates Johann Wolfgang von Goethe:
"Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles. Ach wir Armen!

Und während sich die Bankster ins Fäustchen lachen, verjubelt der Michel seine
schwindsüchtigen Euros an Mallorcas "Ballermann" und hofft, daß die Coronajäger ihn ohne Test wieder einreisen lassen. Sic transit gloria germaniae!

ppq hat gesagt…

@fdominicus: dankeschön für die ehre. ich lese es gleich mal.

@anonym: hauptsache weg, sonst gibts am ende keine stütze

Anonym hat gesagt…

Den Schmuck, für Getchen angeschafft, den hat ein Pfaff' hinweggerafft ... Die Kirche hat einen guten Magen ... (Karl Kraus: Aber von Zeit zu Zeit sollte man ihn auspumpen ...)
Margretas juveler, tänk dig då,
dem har en präst lagt klorna på.
... ...
så föllo hans ord, »men ingen klage,
att kyrkan skulle ha dålig mage!
Hon har ju ätit hela riken,
men är ändå efter mera fiken.
Go' vänner, en orätt mammon kan tjäna
som smältbar föda kyrkan allena.»

Anonym hat gesagt…

Jag ville ge mig fan i våld på ögonblicket - men fan är, fan annamma, jag! Ich möcht mich gleich dem Teufel übergeben, wenn ich nicht selbst der Teufel wär'!
Ergötzlich ist es auch, die Eingeborenen vor Ladenregalen mit laktosefreien Milchprodukten ein wenig zu necken: Äkta germaner (jermoaner) kan smälta laktos(laktuhs) ...Echte Germanen können Laktose verdauen.

Anonym hat gesagt…

Ihr seid ja heut' wie nasses Stroh, und brennt doch sonsten lichterloh?

Das liegt nicht an mir, ich bringe Dummheiten und Sauereien genug herein.

Jodel hat gesagt…

Da wird es doch allerhöchste Zeit für ein Goldbesitzverbot für Otto Normalverbraucher. Wo kommen wir denn da hin, wenn diese Raffer beständig enorme Summen dem Geldkreislauf, also dem schaffenden Kapital, entziehen und in dieses blöde Metall investieren. Und Zinsen gibt es auch keine. Meinem Sparbuch werden pro Jahr enorme 0,005 % Zinsen gutgeschrieben. Außer die Bank gibt Morgen die Negativzinsen an mich weiter, was aber sicher niemals geschehen wird. Oder der Staat bucht Übermorgen einen absolut vertretbaren Notrettungsbeitrag für irgend etwas total wichtiges von meinem Konto ab, was aber auch sicher niemals geschehen wird. Wieso sollte daher ein braver Bürger, der nichts zu verbergen hat also überhaupt Gold benötigen. Eben.

Daher Goldverbot sofort einführen! Und das kleine Bankschließfach darf nur noch zusammen mit dem freundlichen Herrn vom Finanzamt geöffnet werden. Wenn das dann nicht die Wirtschaft ankurbelt, weiß ich auch nicht mehr weiter.