Dienstag, 15. September 2020

"Abwandlungen eines Raunens": Lustig war das Zigeunerleben

Das N-Wort signalisiert Sprachkundigen: Una negra dura el doble que una corchea.

"Lustig ist das Zigeunerleben, faria, fariaho, brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben, faria, fariaho.
Lustig ist's im grünen Wald, wo des Zigeuners Aufenthalt, faria, faria, faria, faria, Faria, fariaho", so sang Mara Kayser einst in ihrem sinti- und romafeindlichen Machwerk "Lustig ist das Zigeunerleben", einem Dauerbrenner bis heute, den sich Youtube störrisch zu löschen weigert, obwohl er Klischees aneinanderreiht wie zehn Regalmeter Knorr's Zigeunersoße.

Korrekturbedarf im Brockhaus


Ein Skandal, der bisher unaufgedeckt geblieben ist, obwohl die woke Zivilgesellschaft zumindest so lange auf die Suche nach rassistischem Verpackungsverdachtsfällen ging, wie die Kraft reichte. Die "Zigeunersauce" erwischte es. Neben Knorr kündigten auch Rewe, Kühne, Homann und Werder an, die traditionelle Bezeichnung von ihren Verpackungen zu entfernen. Künftig heiße das laut großem Brockhaus "Kochkunst" aus "Garnitur à la zingara" übersetzte Gericht "Paprikasauce Ungarische Art" also "Hungarian condimentum style paprika". Der Brockhaus muss dringend korrigiert werden.

Nur ein Anfang, wenn auch ein vielversprechender. Nick Cave etwa, der australische Dunkelmann, der eben noch störrisch jedes Ansinnen zurückgewiesen hatte, Wirklichkeit nachträglich zu begradigen, hat sich jetzt bereiterklärt, alte, heute als problematisch empfundene Liedtexte zu ändern. Die Zeile "ein Schwuler in einem Walknochenkorsett drückt seinen Schwanz in meinen Nacken", die Cave 1992 in "Papa Won’t Leave You, Henry" voll jugendlichem Leichtsinn sang, geht heute nicht mehr.

Aber "Lustig ist das Zigeunerleben"? Und "The Night They Drove Old Dixie Down"? Was ist mit "Black Boys on Mopeds"? "A Woman is the Nigger of the World"? "Brown sugar"? Oder "One in a Million"? Faria, faria, faria, faria, Faria, fariaho.

Anpassungen an der Vorgeschichte


Die Welt verlangt mehr denn je nach Anpassungen ihrer Vorgeschichte. Erst nachholend kann überhaupt noch gesagt werden, was richtig und was falsch, was zulässig und was uns unerträglich erscheinen muss. Sind es aktuell noch die Kunst- und Kulturschaffenden, die sich an der Tageswahrheit abarbeiten, denen der Furor der Besserwissenden nacheilt, um "Abwandlungen eines Raunens" zu notieren, das einen "Triumph des Mittelmäßigen" ankündigt, fordert die neue Normalität des normierten guten Geschmacks das Verantwortungsbewusstsein von morgen schon im Heute.

Wisse, was eines Tages richtig sein wird, dann nur dann vermeidest du, heute etwas Falsches zu denken, zu sagen oder gar zu schreiben.

Einfach draufloskünstlern wie früher, als alles erlaubt oder wenigstens nicht verboten war, empfiehlt sich nicht, soll nicht späte Feme den Kunstschaffenden  seinen Platz im Pantheon der Giganten kosten. Vorsicht ist die neue Mutter der Kunstaustellung, denn das Raunen, und es kann durchaus ein gefühltes, nicht hörbares sein, bestimmt über den Nachruhm.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

70 Jahre Vertrauensvorschuss :

"wir haben den gewährten Vertrauensvorschuss in Standardwerte , Edelmetalle und Gaspromaktien investiert " so der Reichskassenwart Dr.Zepp-La Douche .

Die Anmerkung hat gesagt…

Sauce ohne festen Wohnsitz hat die Barbara neulich gesagt und wurde von den guten Deutschen mit Scheiße bestürmt. Verbal zumindest.

Die Anmerkung hat gesagt…

Perle der deutschen Auslandsliteratur. Oder der ausländischen deutschen Literatur?
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https://de.sputniknews.com/panorama/20200915327937833-us-militaerhubschrauber-in-syrien-abgestuerzt/

Am Dienstag ist im Osten Syriens ein Hubschrauber des US-amerikanischen Militärs abgestürzt...
Laut Sana verunglückte sich der Hubschrauber in der Nähe des Dorfes Tel-Haddad.
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Wie verunglückt sich ein Hunschrauber?

Anonym hat gesagt…

Auch Wikipedia rettet die Zigeuner:

Das Lied [faria ho] beschreibt romantisierend das Leben der damals als Zigeuner bezeichneten ethnischen Gruppe, die heute Sinti und Roma genannt wird.

Sinti und Roma sind also jetzt eine Gruppe. Ist ja auch einleuchtend, die sind ja ständig auf Tour! (Rimshot!)

Nannte man eine ethnische Gruppe 'damals' nicht Ethnie? Hat sich hier ein Aktivistenkollektiv den Terminus 'ethnische Gruppe' richtlinienwidrig aus den Fingern gesogen? Naja, interessiert kein Schwein.

Volker hat gesagt…

Ich habe grad nachgesehen, Joan Beaz´ Interpretation des The Night They Drove Old Dixie Down ist noch auf youtube.

Es dürfen Wetten abgeschlossen werden, ob sie selbst oder der Youtubezensor es löschen wird.

Die Anmerkung hat gesagt…

Early James: “I had to have a little bit of liquid courage before we got up there.”
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Tja, keine Wunder, wenn der early liquid courage braucht. Dann sieht man überall Rassisten durch die verschwommenen Brillengläser.

Anonym hat gesagt…

>> Nach der Erstürmung entlud sich der ganze Zorn der siegreichen Soldaten gegen die „Heiden“. Die osmanische Bedrohung, die im Bewusstsein des damaligen Europas über Jahrhunderte fest verankert war, die in ganz Europa verbreitete Wut über die angeblichen Gräueltaten der Osmanen gegen die Zivilbevölkerung ... <<

Bolschwikiblödia über die zweite Belagerung von Ofen (1686) --- "die angeblichen Gräueltaten ..." - Gewiß doch, die haben immer nur mit Blümchen gewunken.

Anonym hat gesagt…

Es heißt, die Sinti und die Roma, davon abgesehen, daß es noch ein paar andere Stämme gibt, wären einander so hold wie einst die Hermunduren* und die Chatten einander.
Ich kenne da einen böhmischen Kampfkunstmeister, den Karate-Sepp aus Aussig, kann besser Deutsch als ich Böhmisch (edno pivo prosím), ein gesitteter, angenehmer Mensch, aber der machte beim Met Bemerkungen bzw. sehr herbe Witze zur Zigeunerfrage, daß sogar mich leicht schudderte. Er dürfte seine Gründe haben.

*Wie wir zuvor geschworen, sind Mann und Roß dem Wodan geweiht ...

Der lachende Mann hat gesagt…

Volker hat gesagt...
Ich habe grad nachgesehen, Joan Beaz´ Interpretation des The Night They Drove Old Dixie Down ist noch auf youtube.

Es dürfen Wetten abgeschlossen werden, ob sie selbst oder der Youtubezensor es löschen wird.


Wer angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der US-Amerikaner fremde Länder bombardieren, mit Napalm, Landminen und Agent Orange aufhübschen, könnte auf den Gedanken kommen, sie seien Kriegsschäden gegenüber halt ein wenig robuster als andere Völker. Wie dünnhäutig sie in Wirklichkeit sind, wird einem klar, wenn man sich durch die Kommentare arbeitet, die sie unter den verschiedenen Einspielungen von "The Night They Drove Old Dixie Down" auf YouTube abgeben. Da scheint manchem heute noch das Herz zu bluten, fast zwei Jahrhunderte später. Freilich betraf es da die eigenen Vorfahren.

Anonym hat gesagt…

@ Der lachende Mann: Wahrhaftigen G_ttes, Dushan Wegner hat bei mir verkackt, als er absonderte, die Amis hätten uns selbstlos vom bösen Adolf befreit, und schützen uns nun vor den bösen Russen, aber wir: Eitel Undankbarkeit.
Eine andere Schote von ihm ist die überlegen-gönnerhaft angebrachte Absonderung von der "angeblichen" Überbevölkerung - schon geisteskrank. Angeblich - eine meiner Lieblingsschlagwörter. Der Trierer Dienstmädchenschänder postulierte ja "unbegrenzt" - man müsse halt nur gerecht teilen - an was erinnert mich das nur ...

Anonym hat gesagt…

Ich bin Rassist von Beruf - ein Geschäftsfeld das liebe Gott erschuf:
Kommt ein Neger in die Not - ist er bald darauf oft tot.
Doch die Weißen schreckt die Not oft gar nicht - Haben sie doch vorher keinen Schwarzen erblickt!

Anonym hat gesagt…

Das darf man alles nicht so verbissen sehen!

Anonym hat gesagt…

Ich bin Rassist von Beruf ...

Sub omni canone. Versmaß am Ursch, und reim' dich, oder ich freß' dich. So nicht, Volksgenosse.
Mindestens zwei Jahre Schutzhaft wegen Dummheit vor dem Feind.

Anonym hat gesagt…

spd Klingbeil bei Lanz erklärt warburg Zuwendung für die hh-spd.

alles fol logisch

Kanzlerscholz unschuldig weil jetzt in Pozzdamm , kein kausaler Zusammenhang erkennbar weil Krumm-ex Erstattung vom Fiskus an Wartburg fol ok und wartburg stütze für arme hh sozis auch gut .

Thema durch .