Mittwoch, 16. Dezember 2020

Bundesworthülsenfabrik: Warum die Ausgangssperre "Lockdown" heißt

Verwirrung ist Teil des Spiels, ebenso wie sinnentleerte Begriffe.

Es sind einmal mehr aufreibende, harte und arbeitsreiche Tage für Rainald Schawidow und seine Experten von der Bundesworthülsenfabrik (BWHF). Das Kollektiv der Phrasendrescher und Worthülsendreher ist hinter den Kulissen der großen Corona-Krise schon seit Beginn beinahe täglich gefordert, die Bundespolitik mit den allernötigsten Begriffen zur Panikabwehr zu versorgen. Waren es anfangs subtile Satzbausteine wie "im Griff", "keine besondere Gefahr" oder "gut vorbereitet", die aus dem Bundeszentrallager für Beschwichtigungen direkt an die Medienfront geliefert wurden, um  Ruhe und Ordnung im Lande zu wahren, ist die Bundesworthülsenfabrik inzwischen zu ihrem Kerngeschäft zurückgekehrt: "Maskenpflicht", "AHA-Regel" und "Corona-Kabinett" haben lange getröstet und Zuversicht gegeben.

Beendigung als Beruhigung

Doch es hat am Ende nicht gereicht. Als der Sommer zu Ende ging, war die BWHF einmal mehr gezwungen, mit der Serienproduktion von zusammengesetzten Substantiven begonnen, die die Lage bemänteln und das verspätete und meistenteils nur symbolische Handeln von Bundes- und Landesregierungen gegen die Pandemie als entschiedene und weitsichtige Regierungsrezepte erscheinen lassen sollen. "Wellenbrecher-Lockdown", von den Wortkünstlern in der BHWF anfangs als Blindgänger belächelt, gilt inzwischen als Klassiker, ebenso das Wort "herunterfahren", in dessen neuer Bedeutung im Sinne von Beendigung aller privaten Handelstätigkeit viel Beruhigung mitschwingt.  

Vorbei ist jedenfalls die Zeit, als noch versucht worden war, den Zusammenhalt in der Bevölkerung zu stärken, indem die deutschen Leitmedien Slogans wie "Wir bleiben zu Hause" gefüttert wurden. Jetzt ist Härte befohlen, Strenge und Autorität. Nicht einmal ein Jahr nach Beginn der "größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg" (Angela Merkel) hat sich das Land grundlegend verwandelt - und damit auch die Worthülsenproduktion der BWHF.

Signalbegriffe für das Volk

Galt über Jahrzehnte hinweg als Leitfaden der Tätigkeit des ehemaligen Volkseigenen Betriebes VEB Geschwätz, dass das Kernstück aller Überzeugungsarbeit gebildet wird von grellen politischen Signalbegriffen wie "Friedenspolitik der SED", "sozialistischen Staatengemeinschaft" oder später "Euro-Rettungsschirm", "Energiewende" und "Wachstumspakt". Dazu taugliche Begriffe mussten allgemeinverständlch, dabei aber vollkommen wolkigen Inhalts sein, das galt jahrzehntelang als Erfolgsgeheimnis der Bundesworthülsenfabrik. Dennoch strahlt die neue Generation der Krisenkampfstoffe aus der Verbalwerkstatt nun einen internationalistischen, globalen Geist aus, sie verzichtet auf deutsche Grundworte und kombiniert stattdessen englischsprachige Begriffe, allerdings nach deutschen Sprachregeln.

Es ist nichts weniger als eine Revolution der Propagandaarbeit, die liebgewordene sprachliche Platzpatronen wie "Heißzeit", "Klimanotstand" und "CO2-Steuer" ablöst. Dabei aber weiterhin verspricht, dass sich im Grunde jedes große Problem mit einem entschlossenen Leitbegriff semantisch einhegen und damit so lange auf die lange Bank schieben lässt, bis sich die Gemüter beruhigt haben und die Sache vergessen ist.

Globalisierte Corona-Bekämpfung

Im Zuge der Internationalisierung und Globalisierung der deutschen Innen- wie Außenpolitik setzt die Bundesworthülsenfabrik zur Corona-Bekämpfung nun erstmals überhaupt auf englischstämmige Begriffe. „Lockdown“ und „Shutdown“ sind auserkoren, den Umstand zu bemänteln, dass auf Verordnungswege Grundrechte außer Kraft gesetzt werden und das öffentliche Leben ohne jede Beteiligung von Parlamenten stillgelegt wird. 

Um Logik oder exakte Übersetzung geht es dabei nicht: Obwohl das englische „Lockdown“ für eine Situation steht, in ein Gebäude oder eine bestimmte Gegenden nicht betreten oder verlassen werden darf, hat die BWHF es von Anfang an als Spezialbegriff empfohlen, mit dem sich das von vielen Menschen als unschön und bedrohlich empfundene Wort "Ausgangssperre" vermeiden lässt".

Ähnlich verhält es sich mit dem "Shutdown", nach dem Cambridge Dictionary anzuwenden in Fällen, in denen ein Computer heruntergefahren wird oder ein Unternehmen vorübergehend seinen Betrieb einstellt. Auf eine gesamte Volkswirtschaft angewendet wird der Begriff erst, seit die politische Notwendigkeit entstand, das planlose Agieren einer auf den Katastrophenfall vollkommen unvorbereiteten Regierung als tatkräftige und zielgerichtete Krisenbekämpfung auszugeben. 

Passgenaue Propagandafloskeln

Dass der Duden einen „Lockdown“, bis vor kurzem noch als "Massenquarantäne" übersetzt, mittlerweile als Synonym für "Ausgangssperre" verwendet, zeigt, wie schnell sich die Sprache verändert, wenn hochspezialisierte Bundesunternehmen wie die BWHF einer im Grundsatz einigen Politik passgenaue Propagandafloskeln liefert, die von stets sendebereiten Medien begierig zu den Empfängern transportiert werden, ohne dass es Nachfragen gibt.

Wo "Ausgangssperre", "Abriegelung" und "Kontaktverbot" nur für schädliche Unruhe sorgen würden,  stehen „Lockdown“, "Shutdown" und  das noch im traditionellen BWHF-Stil gehaltene "Kontaktbeschränkung" für eine mit Zuversicht zu absolvierende Atempause, die hilft, weniger Viren einzuatmen. Das fremdsprachige Gepränge der neuen Vokabeln, das einem Großteil der Empfänger jede Möglichkeit nimmt, zum inhaltlichen Kern der von BWHF-Chef Rainald Schawidow intern als "masked singing" bezeichneten zusammengesetzten Substantive vorzudringen, ist dabei nicht Abfallprodukt, sondern Kern der neuen Generation von Kampfbegriffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst hatte - ausgerechnet - schon am  20. April den damals gerade frisch aus der Produktion gekommenen „Shutdown“ als beruhigende Variante von Nie-wieder erwähnt: „Ich glaube, uns eint alle, dass es keinen erneuten allgemeinen Shutdown geben wird“, versprach die Kanzlerin seinerzeit am Ende einer wirren Periode, in der Bund und Länder die nicht zu kontrollierende Grenzen abzuriegelt, Schulen, Kitas und Geschäfte geschlossen und Kultur- wie Sportveranstaltungen verboten hatten. Erstmals zeigte die Kanzlerin damals schon ihre beeindruckende Fähigkeit, "Unheil vorherzusehen" (Focus). Bis zum jetzt ausgerufenen Shutdown blieb es tatsächlich dabei, dass sie fest daran glaubte, dass alle geeint waren in dem Gedanken, dass ihn nicht geben werden würde, weil Deutschland die Krise insgesamt vergleichsweise so sehr gut bewältigt hatte, dass die gnaze Welt neidisch nach Berlin schaute.


Kommentare:

Lockstoffel hat gesagt…

Nun isser halt da, der Lockdown.

Am Tag zuvor aber war noch mal in erschreckender Deutlichkeit zu beobachten, was den deutschen Dichtern und Denkern am wichtigsten war: die üblichen Weihnachtsgeschenke im Wühltischgewusel ergattern, und - mit höchster Priorität - die Haare schön. Im Kopf Struwwelpeter bzw. -petra, auf der Hohlbirne aber eine stylische Möchtegernkrone.

Da wird wegen akuter Lebensgefahr die Wirtschaft fast komplett lahm gelegt, und was machen diese sogenannten "mündigen" Bürger: Bingo! Sie rennen in Massen los, um sich im Konsumrausch zu suhlen wie hungrige Schweine im Futtertrog.

Das gibt selbstverständlich viele Respektpunkte auf der Intelligenzskala von Schwachmat bis Vollidiot. Hier gilt, je mehr, desto weniger. Und sowas darf wählen.

Merkelandistan oder Ferkelandistan? Wo ist da der Unterschied?

Anonym hat gesagt…

Bernd hat gestern Sauhundbundesbürger beobachtet ( 8.Stock , Corneroffice , blick auf die Konsumgasse ).

es war wie ein Zoobesuch - überall drängelt der Gierbürger , es kam auch zu Übergriffen .

gemein wie Bernd nunmal ist hat er Wasserbomben gebastelt und diese ausm Klofenster in die Konsummenge geworfen - zurück im Büro : die Leute zeigen auf das Verwaltungsgebäude - aber : das zentralscheißhaus ist eine halbe Treppe hoch - links / rechts wieder runter ums Eck ; d.h. : möglicherweise kamen die Bomben aus dem Büro Dr. Aaron Brandenburg-Friedman

Anonym hat gesagt…

Merkel hat Weihnachten nicht gerettet, obwohl sie die Gabe hat. Schuld haben wir, die Bürgerinnen und Bürger, weil wir noch immer anderen Mitbürgerinnen und Mitbürgern Verstöße durchgehen lassen! Trotz der Fortschritte der letzten Jahren liegt hier noch viel Arbeit vor uns!